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Obama und seine schwulen Diplomaten

US-Regierung kämpft auf allen Ebenen für LGBTI-Sichtbarkeit

Immer diese Diplomaten, möchte man sagen: Normalerweise operieren sie ja im Hintergrund; aber manchmal suchen die dann doch den großen Auftritt, um ein politisches Statement zu machen. Das gilt aktuell besonders für schwule Männer, die auf diese Weise die LGBTI-Agenda vorantreiben wollen. Da war zum Beispiel Laurent Stefanini, den die französische Regierung zum neuen Botschafter im Vatikan ernennen wollte. Das löste bekanntlich Widerstand in Rom aus. Letztes Wochenende hat Paris den Kampf gegen die verstockten Vertreter des Kirchenstaates (leider) aufgegeben. Derweil moderierte in Berlin, deutlich erfolgreicher und ohne lokale Widerstände, Jeremy Fowler von der US-Botschaft am Wochenende eine Veranstaltung über „Marriage Equality and the Road to the US Supreme Court“. Ziel: Den Deutschen zu zeigen, wie US-Aktivisten den Kampf für die Ehe-für-alle in Amerika gewonnen haben und wie man das vielleicht auch irgendwann in Deutschland hinbekommen könnte.

US-Botschafter Rufus Gifford (l) mit Ehemann Dr. Stephen Devincent. (Foto: Instagram/rufusgifford)

US-Botschafter Rufus Gifford (r.) mit Ehemann Dr. Stephen DeVincent. (Foto: Instagram/rufusgifford)

Ja, und dann hat am vergangenen Wochenende auch noch Rufus Gifford, US-Botschafter in Dänemark, sehr öffentlich und medienwirksam seinen Partner Dr. Stephen DeVincent in Kopenhagen geheiratet – und anschließend in der Botschaft eine Mega-Party geschmissen.

Gifford war 2013 von Präsident Obama berufen worden. Die Botschaft hat den Festtag auf ihrer Facebook-Seite für jedermann sichtbar angekündigt mit den Worten: „Bitte stimmen Sie mit uns in die Glückwünsche ein für Botschafter Giffort und Dr. Stephen DeVincent, die sich heute das Ja-Wort gaben.“ Giffort selbst betextete ein Instagram-Foto von sich und seinem Gatten so: „Haben gerade in Kopenhagen geheiratet, wo die erste legale homosexuelle Partnerschaft vor 26 Jahren besiegelt wurde. Jetzt fahren wir zurück in unserer Residenz, um mit Freunden und Familie aus aller Welt zu feiern – unter der amerikanischen Flagge!“

Gifforts Partner, Stephen DeVincent, ist ein enger Freund der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Und die hat sich ihrerseits mit einer neuerlichen großen Geste für die Rechte von LGBTI-Menschen ins Zeug geschmissen.

Sie äußerte sich gleichfalls am letzten Wochenende dazu, dass die anhaltenden Morde von bislang 20 (meist) schwarzen Trans*-Frauen eine „nationale Krise“ darstellen. Diese „Epidemie“ der Trans*-Phobie will Clinton intensiv bekämpfen, falls sie Präsidentin wird.

Stephen DeVincent zusammen mit Freundin Hillary Clinton. (Foto: Instagram/rufusgifford)

Als Deutscher darf man staunen, wie die Demokraten LGBTI-Themen auf allen Ebenen der US-Politik im In- und Ausland aufgreifen und sehr öffentlich zur Diskussion stellen. Auch vor der aktuellen Flüchtlingskrise, die alle Aufmerksamkeit beansprucht, hat man von Merkel oder dem Bundespräsidenten keine derart grundsätzlichen Äußerungen zu Transsexualität gehört. Und die letzte große schwule Hochzeit in deutschen Diplomatenkreisen war wohl die von Westerwelle. Was auch schon eine Weile her ist …

Titelbild: Instagram/rufusgifford

 


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