shutterstock_Ulrich Mueller

Simbabwe fortschrittlicher als die USA

Das höchste Arbeitsgericht des Landes urteilt, Homosexualität sei kein Kündigungsgrund

Juristischer Fortschritt im Sinne von LGBTI wird manchmal an den überraschendsten Orten erzielt. In Simbabwe zum Beispiel. Robert Mugabe, der Präsident des zentralafrikanischen Landes, behauptet gerne mal, Homosexuelle wären schlimmer als Tiere, würden mit ihrem Verhalten gegen die Menschenwürde verstoßen oder könnten durch Teufelsaustreibungen geheilt werden. Wenn er nicht gerade vor der UNO-Vollversammlung bekanntgibt, er und seine Landsleute seien nun mal nicht schwul.

Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Orientierung entlassen werden

Trotz ihres Staatsoberhauptes gibt es offensichtlich Juristen in Simbabwe, die Homosexualität nicht als Hinderungsgrund für ein anständiges Leben betrachten. Oder besser gesagt: Juristinnen. Die Präsidentin des Obersten Arbeitsgerichts von Simbabwe, Evangelista Kabasa, urteilte jetzt in einem Fall, dass die bekannte Homosexualität eines Arbeitnehmers kein hinreichender Grund für seine Entlassung sei. Im Gegenteil: niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Orientierung gefeuert werden. Konkret betraf das Ryamond Sibanda, aus der Stadt Bulawayo. Der war vom Ministerium für Jugend und Ökonomischen Fortschritt als Jugendbetreuer entlassen worden, nachdem er angeblich „an homosexuellen Aktivitäten“ teilgenommen hatte. In einem Disziplinarverfahren, das seiner Kündigung im letzten Jahr vorausging, war er beschuldigt worden, im Jahr 2013 an der Weihnachtsfeier der Gays and Lesbian Association of Zimbabwe teilgenommen zu haben.shutterstock_Peter Hermes Furian

Nach einer Razzia der Polizei während der Feier musste Sibanda eine Strafe zahlen, um aus dem Gefängnis zu kommen. Die Zahlung hieß auch, dass er zugab, sich an einem öffentlichen Ort “unsittlich” verhalten zu haben. Daraufhin entließ ihn das Ministerium wegen „Homosexualität und respektlosem Verhalten gegenüber dem Ministerium.“ Diese Kündigung hat Sibanda angefochten und den Prozess offensichtlich gewonnen, wie sein Anwalt bestätigte.

Unsere Verfassung kann nicht die Grundlage von Diskriminierung sein

Aktivisten wie Mojalifa Mokoele vom Simbabwischen Sexual Rights Center nennen das Urteil einen „Meilenstein“. Es ist das erste seiner Art in der Geschichte des Landes und ein dürfte als Präzedenzfall für weitere Urteile benutzt werden. „Hier und heute wurde Recht gesprochen“, sagte Mokole. „Das Gericht hat entschieden, dass es gegen unsere Verfassung verstößt, jemanden aufgrund seiner sexuellen Orientierung zu entlassen. In der Verfassung findet sich keinerlei Grundlage für ein solches Handeln.“ Nqobani Nyathi, ein Anwalt der Abammeli Human Rights Lawyers Organization ging gegenüber dem Fernsehsender Station 7 sogar noch weiter: „Wenn Sie sich Artikel 56 unserer Verfassung ansehen, der sich mit Diskriminierung von Minderheiten beschäftigt, werden Sie schnell merken, dass der auch die Grundlage dafür sein kann, LGBTI völlige Gleichstellung zu gewähren und sie zu schützen. Was in einer Demokratie mehr als gerechtfertigt wäre. Jeder, egal ob er schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender ist, hat ein Recht auf diesen Minderheiten-Schutz und darauf, nicht diskriminiert zu werden.“ Ein Regierungssprecher gab nach dem Urteil bekannt, die Regierung unterstütze keine homosexuellen Handlungen. Nur mal zum Vergleich: in den USA kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch in 36 Bundesstaaten ganz legal entlassen werden, weil man schwul ist.

Bilder: Shutter/Ulrich Mueller/Peter Hermes Furian


1 Kommentar


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close