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Homofreundlicher Balkan

Zu Besuch in Slowenien

Text und Fotos: Helge Brendl

Stahlblauer Himmel, weiß schimmernde Kalksteinfelsen, dunkler Wald – und mittendrin ein Fluss mit kristallklarem Wasser, das türkisgrün leuchtet wie ein fließender Smaragd. Doch dieser Blick von der schwankenden Holzbrücke ist unbezahlbar und für all jene da, die dem Ruf der Soča folgen. Die Farben  sind tatsächlich echt und der Fluss wirklich der schönste im ganzen Land.
Vor allem ist die Soča, die in den Julischen Alpen entspringt und in den Golf von Triest mündet, ein traumhaftes Revier zum Wildwasserfahren. „Wir haben für jedes Niveau die richtige Passage“, sagt Péter Krajcsó vom Anbieter Sport Mix. „Für blutige Anfänger, die einfach mal im Kajak sitzen wollen. Und für Cracks, die hohen Wasserdruck und viele Hindernisse lieben.“ Guides gibt es entlang der Soča so viele wie Steine im Fluss, doch Krajcsó macht es richtig: Er erklärt, motiviert, muntert auf – und schickt uns Novizen in die erste Stromschnelle.

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Paddeln auf der Soča: Péter Krajcso (Foto: Helge Bendl)

Man paddelt etwas zu hektisch, bekommt Gischt ab, flutscht aber doch hinunter – und landet erfolgreich im sicheren Kehrwasser. Einen halben Tag geht das so im kalten Alpenstrom unter der wärmenden Sonne, ein Rhythmus schwingt sich ein: Entspannung, Action, Adrenalin, Entspannung. Wer genug vom Paddeln hat, kann die Berge hochklettern und mit dem Mountainbike wieder herunterdüsen, beim Canyoning Schluchten erkunden oder an einer Zip-Line übers Tal rasen.

So homofreundlich ist der Balkan

Klein wie Hessen ist Slowenien und doch sehr vielfältig. Innerhalb eines Tages kann man von den Alpen ans Mittelmeer fahren und unterwegs noch etwas am See von Bled verweilen, wo auf einem Inselchen eine Glücksglocke läutet und sich Liebespaare aus aller Welt treffen. Hier ist man deutlich liberaler als sonst auf dem Balkan: Slowenien gilt als das homofreundlichste Land.
Eine Studentengruppe organisierte 1984 (damals war Slowenien noch ein Teil Jugoslawiens) ein schwul-lesbisches Filmfestival: Es findet immer im November statt und gilt als das älteste Europas. Mit der Gleichstellung sieht es heute besser aus als in Deutschland: Das Parlament öffnete im März mit großer Mehrheit und trotz Widerstands der Kirche die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Ganz in trockenen Tüchern ist das Gesetz aber noch nicht: Nun muss das Verfassungsgericht entscheiden, ob ein von Gegnern der Ehe-Öffnung angestrebtes Referendum durchgeführt werden soll.

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Sanfter Fluss: Prachtbauten in Llubljana (Foto: Helge Bendl)

Wien im Taschenformat

Die schwule Szene konzentriert sich auf die Hauptstadt Ljubljana, die mit ihren herausgeputzten Altbauten aus der Zeit der Habsburgermonarchie wirkt wie ein Wien im Kleinformat, und wo die Cafés und Eisdielen bei Sonne summen wie Bienenstöcke. Unangepasster geht es im autonomen Kulturzentrum Metelkova zu: Der Kasernenkomplex am Bahnhof wurde nach Sloweniens Unabhängigkeit von Künstlern besetzt und ist mit seinen Bars und Clubs seither der Treffpunkt der LGBTI-Szene. „Die Stadt hätte lieber Ordnung statt Chaos und weiße Wände statt Graffiti“, grinst Jernej Škof. „Doch in Metelkova machen wir unser eigenes Ding und bewahren so unsere Unabhängigkeit.“ Jernej koordiniert das Programm des schwulen Clubs Tiffany: Nachts tritt er als Drag Queen auf, tags organisiert er Ausstellungen und Lesungen.

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Programmmacher im Tiffany: Jernej (li) und sein Freund (Foto: Helge Bendl)

Weil schwule Gäste in einem Café nicht bedient wurden, kaperten 200 Aktivisten das Etablissement und tranken den ganzen Tag lang nur Leitungswasser.

Der Pride von Ljubljana startete vor 15 Jahren als ziviler Protest: Weil zwei schwule Gäste in einem Café nicht bedient wurden, kaperten 200 Aktivisten das Etablissement und tranken den ganzen Tag lang nur Leitungswasser. Wenn heute jedes Jahr im Juni etwa 1000 Teilnehmer mit Plakaten und Parolen durch die Stadt ziehen, hält der Bürgermeister eine Ansprache – seine Stadtverwaltung hat sich als „LGBT-friendly“ zertifizieren lassen. Auf der Burg, hoch oben über der Stadt, flattert passend dazu immer eine gigantische Regenbogenfahne im Wind.

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Gesehen beim Pride 2015 (Foto: Helge Bendl)

Venedigs Herrschaft spiegelt sich noch immer in der Architektur

Zwar ist Slowenien auf dem Land deutlich konservativer als in den Städten. Doch auch die kleine aber feine Adriaküste, von Ljubljana nur eine Autostunde entfernt, entwickelt sich zu einem entspannten bunten Retreat. Zwischen der italienischen und der kroatischen Grenze liegen weniger als 50 Kilometer Küstenstreifen; zu entdecken gibt es dennoch so einiges – und zwar am besten mit dem Fahrrad, hin immer entlang am Wasser und zurück durchs Hinterland mit seinen Olivenbäumen und Zitrusfrüchten.
In Sečovlje wird seit Jahrhunderten Salz gewonnen. Inzwischen steht mitten in der platten Salinenlandschaft ein schickes Open-Air-Spa, wo Mann in aller Ruhe kneippen und schwimmen und sich anschließend mit Salzpeelings oder Packungen aus schwarzem Salinenschlamm verwöhnen lassen kann. Wer möchte, zieht anschließend mit neuer Energie im Kurbad Portorož durch die Casinos, doch weniger verbaut und einfach netter ist nebenan das Städtchen Piran: Dass hier einst Venedig herrschte, spiegelt sich noch immer in der Architektur. Und auch in der Küche: Ins frühere Haus des Komponisten Giuseppe Tartini ist jüngst die Bottega dei Sapori eingezogen und bietet istrische Küche vom Feinsten. Eingelegte Sardellen mit Rosinen, Octopus mit frischen Kirschen, Fischcarpaccio auf Salat aus dem Garten der Oma, dazu eine Flasche Weißwein von der lokalen Rebsorte Malvazija und zum Nachtisch eine Schokoladenmousse: So lässt es sich leben in Bella Slovenija!

www.slovenia.info
www.sportmix.si
www.facebook.com/klubtiffany


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