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TOP 100 LGBTI-Köpfe in der Wirtschaft

Deutsche Unternehmen sind dabei, deutsche Kandidaten: Fehlanzeige

Man muss schon sehr lange scrollen, die Liste ist lang: Die 100 einflussreichsten Business Leader wurden von der Financial Times gemeinsam mit dem LGBTI-Berufsnetzwerk OUTstanding ermittelt. Man scrollt und scrollt, aber – einen deutschen Kandidaten findet man dort nicht. Deutsche Unternehmen schon: Lufthansa nämlich und die Deutsche Bank.

Die Liste der Top 100 LGBTI Vorbilder aus der Wirtschaft ermittelten die Financial Times und OUTstanding bereits zum 3. Mal. Das Ranking ergibt sich durch einen Nominierungsprozess, auf den eine anschließende Auswahl durch eine siebenköpfige Jury erfolgt, der Vertreter aus Wirtschaft und Hochschulen sowie Journalisten angehören.
Hauptsächlich englischer Sprachraum berücksichtigt
Für den Vorsitzenden des Völklinger Kreises, dem Bundesverband schwuler Führungskräfte, René Behr, ist es keine Überraschung, dass dort keine Deutschen zu finden sind. „Die Nominierungen für diesen Wettbewerb erfolgen ja durch die Leser der Financial Times, die ist hauptsächlich im englischen Sprachraum verbreitet. Die meisten der gelisteten Leader kommen aus den USA und Großbritannien.”
Lufthansa in Frankfurt ist der einzige deutsche Standort, an dem einer der 100 einflussreichsten Business Leader arbeitet: Strategiechef Sadiq Gillani, der auf Platz 53 kommt:
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Foto: Outstanding.org

Das Personal in der Liste ist ausschließlich international. Zumeist arbeiten die Damen und Herren bei Banken, aber auch Arbeitgeber wie Facebook und Google sind vertreten ebenso wie IBM, Telefonica und die Airline Qantas. Platz 1 geht übrigens an Inga Beale, die offen bisexuelle Chefin der Londoner Lloyd’s Versicherung.
Ein Bekannter ist immerhin dabei: Platz 21 geht an David Furnish. Der Gatte von Elton John ist CEO der Rocket Entertainment Group (mit Künstlern wie Ed Sheeran, Empire of the Sun und Sophie Ellis-Bextor) und Vorsitzender der Elton John AIDS Stiftung. Zur Begründung heißt es: Mit seinem Mann hat Furnish für die Ehe-Öffnung gekämpft, und sie waren unter den ersten, die die Möglichkeit genutzt haben, zunächst die Lebenspartnerschaft und dann die Ehe einzugehen, ebenso öffentlich wie öffentlichkeitswirksam.
Neben der Top 100 Liste wurde auch die Top 30 der zukünftigen LGBTI Business Leader veröffentlicht, in der sich unter anderem Alessandro Commisso von Lush Cosmetics findet:
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Foto: Outstanding.org

Das Unternehmen ist bekannt für seine LGBTI Kampagnen: Im vorvergangenen Jahr startete Lush #SignOfLove, bei der es darum ging, Petitionen in Form von Photos an russische Botschaften zu schicken, um gegen die homophobe Gesetzgebung zu protestieren – dafür bekam das Unternehmen in Japan den Tokyo LGBT Superstar Award. Dieses Jahr initiierte Commisso die Kampagne #GayIsOK, mit der darauf hingewiesen werden sollte, dass in 76 Ländern weltweit Homosexualität illegal ist.

Die deutsche Führungskraft pflegt alles hinter dem Schreibtisch zu verstecken, was sie eher in der Bunten als im Handelsblatt erscheinen lässt.

Auch in diesen Top 30 findet sich kein deutscher Name. „Es ist ein Unterschied in der Unternehmens- und Führungskultur zu englischsprachigen Ländern, der sich da abzeichnet”, sagt René Behr vom Völklinger Kreis auf MÄNNER-Anfrage. „Als prominentestes Beispiel ist es Tim Cook, der als Unternehmensleiter seine gesellschaftliche Verantwortung so ernst nahm, dass er einen Teil seiner Privatheit aufgab. Er hat das gemacht, um vor allem für Heranwachsende ein Beispiel zu setzen; andere Führungskräfte in den USA und dem UK sehen das ähnlich. In Deutschland hat dieses Verständnis der Vorbildwirkung noch weniger Tradition.”

Natürlich, darauf weist Behr ausdrücklich hin, gibt es auch schwule und lesbische Führungskräfte in deutschen Unternehmen – „oft ist das in deren Unternehmen auch bekannt. Was die Öffentlichkeit betrifft, pflegt der deutsche Manager da aber alles hinter dem Schreibtisch zu verstecken, was ihn eher in der Bunten als im Handelsblatt erscheinen lässt. Deswegen ist es eine wichtige Aktion der Financial Times, hier die gesellschaftliche Verantwortung mitzutragen – leider mit wenig direkter Wirkung auf Kontinentaleuropa.“

Titelfoto: DFree / Shutterstock.com

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