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„Ich bin nun mal nicht weiß und blond“

Ein Gespräch über Wut, Humor und ihre PsyCHO-Tour, mit der Margaret Cho jetzt auch bei uns einschlägt.

Ohne Margaret Cho hätte ganz Amerika und ein Großteil der Welt deutlich weniger gelacht. Ohne sie wäre die Welt einfach ärmer. Weil sie sowas wie ein komödiantisches Genie ist, das sich auch noch um Hundert andere Sachen kümmert.

Warum musst du, auch vor schwulen Männern, auf der Bühne immer über deine Möse reden?
Weil ihr euch mal entspannen könnt. Eine Möse ist nur eine Möse. Und etwas sehr Schönes. Meine besonders. (lacht)

Worum geht es auf Deiner PsyCHO-Tour?
Ich bin da bescheiden: Es geht darum, Frauen und Minderheiten die Kontrolle über den Planeten zurück zu geben.

Im Ernst?
Im Ernst. Der vollständige Titel des Programms ist „There is no I in team, but there is a Cho in PsyCHO“. Was aber zu lang ist. Will sagen: Es geht um meine Wut. Darum, dass ich jeden Tag mit Dingen konfrontiert werde, die einen komplett zum Ausrasten bringen können, weil sie so dumm oder schrecklich, so frauenfeindlich oder homophob sind. Man kann irre werden an der Welt, wenn man nicht aufpasst. Oder man kann die Wut über diese Probleme nehmen und sie in produktive Bahnen lenken. Man kann sie, wie ich das tue, dazu benutzen, Menschen zum Lachen zu bringen. Und dabei Diskussionen darüber anstoßen, wie man die Dinge besser machen kann. Frauen – und Schwulen – wird jedes Mal, wenn wir wütend werden gesagt, wir wären nur hysterisch, überspannt oder eben ein Psycho. Wir müssen uns unsere Wut und dieses Wort zurückholen, und sie positiv besetzen, wir brauchen sie.

Gib mir mal ein Beispiel dafür, wie das aussehen könnte.
Guck Dir die Sache mit Bill Cosby an: Er hat jahrzehntelang Frauen vergewaltigt. Was er auch konnte, weil viele der Frauen den Mund gehalten haben, statt ihn anzuzeigen. Und weil man denen, die etwas gesagt haben, nicht geglaubt hat. Ich selbst bin als Teenager sexuell missbraucht und vergewaltigt worden und will, dass wir die Sprache und den Umgang mit dem Thema anders angehen: Wir sind keine Opfer, wir haben das überlebt, sind jetzt hier und müssen nicht nur uns selbst helfen, sondern auch denen, die das noch nicht allein können.

Und das geht mit einem Comedy-Programm?
Klar. Das Programm behandelt auch den alltäglichen Rassismus in Amerika und feiert gleichzeitig die Öffnung der Ehe in den USA. Und zwar heftig.

Du hast als Aktivistin und Teil der Community seit 20 Jahren für die Öffnung der Ehe in den USA gestritten. Wie fühlt es sich an, jetzt wo es geschafft ist?
Meine erste Reaktion war einfach nur ein unglaubliches Gefühl der Erleichterung. Ich habe lange geweint. Alle haben geweint. Vor Freude. Ich habe seit 2004 mit dafür gekämpft, dass wir so weit kommen. Und nachdem ich mich in den 80ern um AIDS und in den 90ern viel darum gekümmert hatte, Jungs von Crystal Meth wegzukriegen, was ich beides immer noch tue, war das ein unglaubliches Erfolgserlebnis. Auch hier: Wir hatten für viele Jahre unsere Wut darüber, dass es nicht fair war oder gerecht und keinen Sinn machte, dass gleichgeschlechtliche Paare nicht heiraten durften, dazu benutzt, uns voranzutreiben. Sie war eine Energiequelle. Und jetzt konnten wir einfach mal ausatmen und uns sehr über etwas freuen. Der Kampf ist nicht vorbei und es gibt noch viel zu tun. Wir müssen uns um die Probleme im Adoptionsrecht kümmern und Hundert andere Probleme lösen. Aber heiraten können Schwule und Lesben jetzt in den USA. Und daraus können wir lernen: Es geht. Wir schaffen auch die großen Sachen. Und das sollte uns stolz machen und uns sehr viel Mut geben. Bei mir ist das so. Ich bin stolz, auf das Erreichte, aber wütend, weil es nicht genug ist.

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Rassismus ist ein weiteres Thema an dem du viel arbeitest, oder?
Ja, natürlich. Als Amerikanerin mit koreanischen Wurzeln in Hollywood zu arbeiten, führt automatisch dazu, dass du dich mit Rassismus auseinandersetzen musst. Aber es ist schwierig, weil es schwer ist, Leuten die Abwesenheit von etwas als Problem darzustellen. Es gibt keine großen Hollywoodstars, die so aussehen wie ich. Es gibt kaum Rollen für uns. Im Fernsehen wird das in den letzten Jahren besser, aber auch da ist es immer noch schwierig. Auch hier gibt es wieder Überschneidungen mit der LGBTI-Community: Sichtbarkeit ist das, was alles verändert. All diese Dinge sind wichtig, aber natürlich bin ich in erster Linie jemand, der Menschen zum Lachen bringen und unterhalten will. Das ist mein Beruf und meine große Freude.

Dann lass uns über weibliche Comedians reden: Amy Schumer hat mit „Dating Queen“ die erfolgreichste Komödie des Sommers gedreht und sagt, es gäbe sie ohne dich gar nicht. Du wärest die erste gewesen, die auf der Bühne über dein Sexleben und Schwänze gesprochen hättest.
Und ich finde es wichtig, dass sie das sagt. Nicht, weil ich eitel wäre, sondern weil es mich ohne Joan Rivers nicht gäbe und ich auch immer wieder talentierte, feministische Frauen auf der Bühne sehe, von denen ich dann sofort jedem erzähle, der es hören will oder nicht. Auch Amy ist meine „Daughter in Comedy“. Diese Solidarität unter uns Mädels und dass jede von uns das Bewusstsein hat, in einer Tradition zu stehen, die noch nicht lang und eher ein zartes Pflänzchen ist und die wir pflegen müssen, finde ich ganz wunderbar und sehr wichtig. Ich finde Amy großartig und freue mich sehr für sie.

Bei aller Freude: Denkst du nicht manchmal, „Das hätte ich schon vor 15 Jahren gekonnt, wenn ihr mich gelassen hättet!“?
Natürlich. Aber ich bin nun mal nicht weiß und blond. (lacht) Und das ist in Ordnung. Es ist gut, dass diese Art von feministischer, derber, aufregender Comedy jetzt passiert. Und gäbe es Amy nicht, wäre es immer noch nicht soweit. Ich verstehe wie der Hase läuft. Das Tolle ist: sie weiß das auch und sagt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, wieviel sie mir schuldet und von mir gelernt hat und wie wichtig ich für ihren Stil war und wie sehr sie mich liebt. Und das ist super.

Dein großes Vorbild, diejenige die dich gefördert hat, war Joan Rivers. Sie ist letztes Jahr gestorben und hat nicht gesehen, dass ihre Art von Humor endlich Mainstream ist. Bedauerst du das?
Sie war diejenige, die die Tür für uns alle aufgetreten hat. Sie war aber nicht nur mein Vorbild, sondern auch eine enge, persönliche Freundin. Dieser Verlust schmerzt mich sehr, jeden Tag. In der koreanischen Kultur verehren wir unsere Vorfahren wie Götter, wir errichten einen Schrein aus ihren persönlichen Hinterlassenschaften und beten zu ihnen. Und ich habe einen für sie: Ein großes Porträt, das ich aus dem Müll gebastelt habe, den ich in den Garderoben von Amy Schumer, Rosie O’Donnell , Kathy Griffin, Sarah Silverman und Phyllis Diller aufgesammelt habe. Auch alle Geschenke die sie mir je gemacht hat, sind Teil dieses Schreins.

Und davor betest du?
Nicht direkt. Das wäre sehr profan. Schließlich besteht das Bild aus angebrochenen Pillenpackungen, altem Make-Up, gebrauchten Pflastern, Schraubverschlüssen und sowas. Es ist ein Schrein für sie und generell für weibliche Comediens. Und das gibt mir ein wirklich gutes Gefühl.

Termine: 1. Dezember, Wien, Metropol; 7. Dezember, Berlin, Quatsch Comedy Club: 14. Dezember, Zürich, Bernhard Theater.

Tickets: margaretcho.com/tour


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