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Facebook ändert Namenspolitik

Das Netzwerk hat ein Einsehen

Facebook wird seine umstrittene „Real Name”-Politik beenden, die seit mehr als einem Jahr dazu führt, dass Menschen nur noch mit dem Namen der in ihrem Pass oder Ausweis steht, in dem sozialen Netzwerk unterwegs sein können. Gedacht war die Maßnahme mal als Aktion gegen Bullying und Internetkriminalität. Es sollte verhindert werden, dass User sich hinter falschen Namen verbergen und diese Position dazu mißbrauchen, andere User zu beschimpfen, zu beleidigen oder zu bedrohen. Was auch zum Vorteil der LGBTI-Community hätte sein können, war allerdings immer viel zu kurz und rein aus westlicher Perspektive gedacht: Dragqueens wurden gezwungen, sich mit ihrem „richtigen”, männlichen Namen anzumelden, Trans* mitten in der Geschlechtsangleichung wurde der Prozess erschwert, indem sie auf Facebook auf ihr noch „offizielles” Geschlecht zurückgeworfen wurden und Menschen die sich entschieden hatten, sich von binären Geschlechternormen gleich ganz zu verabschieden, wurde das auf Facebook unmöglich gemacht. Zusätzlich bot die Anonymität von Facebook auch AktivistInnen in vielen Ländern, in denen Homosexualität illegal ist, eine nützliche Plattform. Sie tauschten Informationen aus, ohne befürchten zu müssen, gleich erkannt zu werden. Auch das ging mit Facebooks neuer Politik nicht mehr. Es entstand teilweise eine Kultur der Angst, weil Menschen nie wussten, welcher User sie bei Facebook wegen ihres falschen Namens gemeldet hatte. Das Instrument wurde oft für persönlichen Fehden mißbraucht.

Wir sind ernsthaft bemüht, die Regelungen zu verbessern

In den letzten Monaten waren queere Communitys weltweit immer wieder Sturm gegen die neue Namenspolitik von Facebook gelaufen. Jetzt hat das soziale Netzwerk wohl ein Einsehen. Alex Schultz, einer der Vorstände von Facebook, der für das Ansteigen der Mitgliederzahlen verantwortlich ist, veröffentlichte am Wochenende eine lange Antwort auf die Frage eines Users bezüglich der Namenspolitik. „Wir sind intensiv darum bemüht, diese Regelungen zu verbessern”, schrieb er. „Denn auf der einen Seite habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie Mitglieder der LGBTI-Community von Mitgliedern mit gefakten Namen beschimpft und bedroht wurden. … Auf der anderen Seite laufen ich und viele andere Mitarbeiter von Facebook jedes Jahr in San Francisco beim Pride mit und haben dabei dieses Jahr oft und sehr druckvoll mitgeteilt bekommen, dass die Regelung auch Menschen davon abhält, auf Facebook einfach sie selbst sein zu können und sie sich stark eingeschränkt fühlen.”

Es ist ein schwieriger Balanceakt

Zwei konkrete Änderungen kündigte Schultz an: Facebook-User können in Zukunft, werden sie wegen der Namenspolitik ermahnt, gegenüber dem Netzwerk detailiert begründen, warum sie einen bestimmten Namen für ihr Profil gewählt haben. „So können unsere Mitarbeiter die Gesamtsituation besser einschätzen, in der der ‘falsche’ Name benutzt wird.” Außerdem müssen User, die andere User wegen ihres falschen Namens melden, in Zukunft genauer begründen, warum sie das tun. So soll verhindert werden, dass die eigentlich als Anti-Bullying Regelung gedachte Maßnahme, bei Trans* oder Dragqueens benutzt wird, um ihnen das Leben schwer zu machen. Zusätzlich wird es wegen ihres Namens gesperrten Usern erleichtert, auf ihr Account zuzugreifen. „Es ist ein schwieriger Balanceakt: Einerseits wollen wir ernsthaft verhindern, dass Bullying auf Facebook ein Problem ist. Andererseits wollen wir Menschen natürlich auch nicht daran hindern, sich als Persönlichkeiten so ausdrücken, wie sie das wollen”, begründete Schultz die neuen Regelungen.

Bild: Shutterstock/Twin Design

 


2 Kommentare

  1. Horst Lukas Kieler

    Gut so. Jetzt müssen sie sich nur noch von ihrer übertriebener Prüderie trennen, damit man nicht mehr ständig befürchten muss, gleich angeschwärzt zu werden, wenn man mal ein Bild postet, das ein Quadratmillimeter Haut zuviel zeigt.

  2. Patrick Simon

    Also finde diese Maßnahme eher nutzlos. Der kleine Bruchteil der sich davon abhalten lässt steht in keinem Verhältnis. Den ein neues Fake Profil um sein „Unwesen” zu treiben ist immer noch schnell angelegt.
    Täte es sinnvoller halten das jeder mit pass sich anzumelden hat, aber die Möglichkeit als „pseudonym Name” angezeigt zu werden.
    Gibt nämlich auch viele Leute von Firmen die „Kundenkontakt” haben und ein Namensschild tragen müssen und gefunden werden können und sogar angeschrieben/belästigt werden.


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