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Gus Kenworthy will sein Hemd anlassen

Und wir sind total dagegen

Noch letzte Woche liebten alle Menschen auf der Welt Gus Kenworthy. Warum auch nicht? Er ist nicht dumm und rettet gern kleine Hunde, ist dreifacher Weltmeister und Olympiazweiter, hat eines der elegantesten Coming-outs der letzten Jahre hingelegt und sieht verdammt gut aus, mit, aber auch ohne Hemd und Hose. Zumindestens Letzteres wird Kenworthy jetzt wohl nicht mehr so oft tun, jedenfalls öffentlich. „Mein PR-Team hat mir gesagt, ich soll das für eine Weile lassen”, sagte der Skifahrer dem offen schwulen Radiomoderator Michelangelo Signorele in dessen Show. „Ich schätze, ich wollte einfach ein bisschen Aufmerksamkeit, nachdem ich mich so lange versteckt hatte und niemand Bescheid wusste. Ich habe so oft in Interviews so getan, als wäre ich hetero und habe das Gefühl, ich habe zu lange ‘verdeckt’ gelebt. Ich weiß auch, dass es dabei nicht um Kleidung geht, aber ich wollte mich vielleicht einfach nicht mehr so ‘bedeckt’ halten und mich zensieren.” Das finden wir eine gute Idee. „Als es soweit war, dass ich Leuten endlich erzählen konnte, dass ich schwul bin und wusste, ich würde aus dem Schrank raus sein, war die Aufmerksamkeit die ich für die Bilder bekommen habe einfach nur nett. Untypisch für mich und neu und einfach Fun. Natürlich stelle ich mich dabei ein bisschen aus, aber das ist o.k., denke ich.”

Kenworthy als Maus

Kenworthy als Maus

Das fanden nicht alle. Besonders, weil Gusworthy dabei ein paar Fehler gemacht hat. Als der Tierfreund sich das Hemd auszog, bevor er im New Yorker Central Park eine Katze von einem Baum rettete und sich dabei fotografieren ließ, war das noch irgendwie albern und süß. Aber als er am Wochenende anfing, verschiedene Halloween-Kostüme auf sein Instagram Account zu stellen, gab es Ärger. Denn zwischen halbnackter Maus und sexy Polizist war auch ein Foto von Kentworthy in einem Indianerkostüm, inklusive einem „Rothaut”-Schriftzug auf seiner Brust. Das fanden viele in der Community und Vertreter der amerikanischen Ureinwohner gar nicht sexy und kritisierten den 24-Jährigen unter anderem auf Twitter scharf dafür, dass er sich, ihrer Meinung nach, über die Traditionen alter Völker lustig machen würde. „Ich versteh das alles nicht. Und wollte ganz sicher niemanden beleidigen. Es ist doch nur Spaß. Schließlich ist Halloween”, versuchte er abzubügeln, entschuldigte sich aber wenig später für das Foto und löschte es von seinem Instagram-Account.

Gus beim Katzenretten

Gus beim Katzenretten

Man kann das spaßbefreit finden. Oder politisch überkorrekt. Oder man kann sich überlegen, wie wir selbst als Community uns fühlen würden, wenn Menschen sich zu Halloween „nur aus Spaß” als Schwule oder Lesben verkleiden und sich „Schwuchtel” auf die nackte Brust schreiben würden. Nicht so lustig, oder? Zumal wir uns sicher sind, dass es andere, tolle Gelegenheiten für Gus Kenworthy gibt, sein Hemd auszuziehen. Denn dagegen haben wir überhaupt nichts.

Bilder: Instagram


9 Kommentare

  1. Kevin Clarke

    Ehrlich gesagt finde ich die Vorstellung, dass sich irgendwelche Heteros als „Schwule” verkleiden und sich auf die nackte Brust „Schwuchtel” schreiben gar nicht so unsympathisch. Wäre interessant, was für Erfahrungen sie dann sammeln. Wenn man zu ICH WAR NOCH NIEMALS IN NY geht und einen Musicaldarsteller sieht, der einen blonden schwulen Friseur als Obertunte spielt: ist das nicht so ungefähr das Gleiche? Die Zuschauer lachen sich schlapp, wenn er von „Griechischem Wein” singt. Ich bin da auch nicht protesierend aus dem Theater gerannt; und da war noch nicht mal Halloween. Also lassen wir, bitte, Gus seinen Indianer-Spaß, von dem er selbst sagt, dass er in keinster Weise abwertend für Native People gemeint war.

  2. Paul Schulz

    Wie immer bei Rassismus geht es auch hier weniger um das, was Gus oder andere Hobbyindianer so denken, meinen oder spaßig finden, sondern eher um das, was die Vertreter der dargestellten Gruppe dabei empfinden. Wenn Amerikas Ureinwohner es rassistisch und dämlich finden, wenn jemand ihre Kultur in ein Halloweenkostüm verwandelt, sollte man damit aufhören. Das hat Kenworthy verstanden, und sich deswegen entschuldigt. Und ich persönlich kann, 60 Jahre nach Charleys Tante, „lustige Frisöre” nicht mehr sehen.

  3. Kevin Clarke

    PS: „Halloween is one of the most special days of the year. It’s a day when you can dress up as whoever you want, and people won’t judge you … or at least that’s how it’s supposed to be.” (Pride.com)

  4. Manni Koeln

    Der Lieblingssport der sogenannten „community” ist also nach wie vor, erst *coming out* zu fordern und wenige Tage später mit der Demontage zu beginnen. Der Mann trifft eigene, selbstbewusste Entscheidungen? Kann ja wohl nicht sein!
    Wie immer, wie armselig.

  5. Kevin Clarke

    Ich finde tuntige Friseure auch nicht so besonders komisch, es ist erstaunlich, wie häufig sie mir dann doch auf der Bühne und im Fernsehen als Klischee über den Weg laufen, wenn „Schwule” dargestellt werden sollen. Und Charleys Tante hatte gerade am Opernhaus Leipzig Premiere. Wenn das die dt. „Community” vertragen kann, könnten dann die Indianer nicht auch zwei zackige Linien auf der nackten Brust ertragen? (Und mal im Ernst: wie viele Native People haben sich genau aufgeregt? Etwas mehr „Coolness” (s.u.) oder Entspanntheit täte der Debatte in den USA gut. Ohne dass es deshalb gleich in rassistische Beleidigungen umschlagen muss.)


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