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Hilfe für LGBTI-Flüchtlinge vernetzen!

Initiativen von Berlin über München bis hin zu Trier sollen sich austauschen

Schweden hat gestern beschlossen, sein liberales Asylrecht zu verschärfen. „Mehr Menschen müssen in anderen Ländern um Asyl bitten”, so Ministerpräsident Löfven. Der Familiennachzug wird begrenzt, das Ausländergesetz auf EU-Mindestniveau abgesenkt. Auch Frankreich hat jetzt dafür plädiert, keine weiteren Flüchtlinge aus dem Nahen Osten in Europa aufzunehmen. Der französische Premierminister Falls begründete seine Forderung nach Informationen der SZ mit neusten Ermittlungsergebnissen: Mindestens zwei der Pariser Attentäter vom 13. November sollen getarnt als Flüchtlinge nach Westeuropa gereist seien.

Ein Aufnahmestopp wäre jedoch ein fatales Signal – auch für LSBTI-Flüchtlinge, die besondere Unterstützung und Fürsorge benötigen. Vielfach werden sie aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität verfolgt. Und wenn sie sich bei uns in Sicherheit glauben, werden sie in Erstaufnahmestellen und Asylunterkünften weiter ausgegrenzt, erfahren Diskriminierung und zum Teil auch Gewalt. Darum teilen wir an dieser Stelle gerne den Aufruf: „Rainbow Refugees – Das Netzwerk für LSBTI-Flüchtlinge”

 

Liebe Freund*innen,

große Teile der deutschen Bevölkerung zeigen gerade eine großartige Solidarität im Umgang mit den nach Deutschland flüchtenden Menschen, die vor allem aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan und Irak stammen. Aber auch aus vielen anderen Teilen der Welt kommen Menschen zu uns, um ein Leben in Sicherheit und Freiheit führen zu können.

Unter den Flüchtlingen finden sich auch viele lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und intergeschlechtliche Menschen (LGBTI), die besondere Unterstützung und Fürsorge benötigen. Vielfach ist die Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität Fluchtgrund. Doch selbst hier müssen sie in Erstaufnahmestellen und Asylunterkünften weiter Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt befürchten oder erfahren sie sogar. Immer häufiger erreichen uns dahingehende Hilferufe.

Viele Menschen, die LGBTI-Flüchtenden helfen wollen, wissen nicht, wohin sie sich wenden können.

Wir sind der Meinung, dass diese Hilfe insbesondere vor Ort geleistet werden muss. Bereits jetzt gibt es verschiedenste Initiativen in unterschiedlichsten Städten – von Berlin über München bis hin zu Trier – die wertvolle und meist ehrenamtliche Arbeit für LGBTI-Flüchtende leisten. Oftmals gibt es zwischen den Projekten bisher jedoch keinen Austausch und so kann es sein, dass an einem Ort nach einer Lösung für ein Problem gesucht wird, die andernorts bereits gefunden wurde. Hinzu kommt, dass viele Menschen, die LGBTI-Flüchtenden helfen wollen, nicht wissen, wohin sie sich wenden können.

Hilfe und Unterstützung flächendeckend gewährleisten

Gleichzeitig haben die bereits aktiven Initiativen in ihrer Arbeit mit LGBTI-Asylsuchenden eine wichtige Expertise über die notwendigen Maßnahmen gesammelt, um eine dieser Flüchtlings-Gruppe spezifische Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Damit diese spezifische Hilfe und Unterstützung flächendeckend gewährleistet werden kann, bedarf es der politischen Einflussnahme im Bereich der staatlichen Maßnahmen und der nachhaltigen Kommunikation mit den öffentlichen Trägern von Asyl-Einrichtungen.

Deswegen wollen wir ein Netzwerk gründen, in dem sich bereits bestehende lokale Initiativen austauschen können und das gleichzeitig als Anlaufstelle für potentielle Helfende dienen soll. Somit kann die Hilfe vor Ort noch besser organisiert werden und Synergieeffekte können entstehen.

Darüber hinaus soll das Netzwerk genutzt werden, um die Anliegen von LGBTI-Flüchtlingen gegenüber Politik und anderen Entscheidungsträgern wirksam vertreten zu können.

Zwei wichtige Ziele des Netzwerkes:

– gemeinsam mit den Trägern und engagierten Kräften aus der Zivilgesellschaft zu ermöglichen, dass LGBTI-Flüchtlinge sicher und ohne Diskriminierung unterkommen und neben der Begleitung bei Behördengängen besonders bei prekären Lagen in Flüchtlingsunterkünften schnelle Hilfe erhalten.

– bei staatlichen Maßnahmen Einfluss darauf zu nehmen, dass die notwendigen Maßnahmen im Bereich personeller Schulung und baulicher Ausstattung zur Unterstützung und zum Schutz von LGBTI-Asylsuchenden berücksichtigt werden. Ebenso soll sichergestellt werden, dass spezifische Anlaufstellen gegen Diskriminierung und Schutzmaßnahmen vor Gewalt für LGBTI-Flüchtlinge in der Planung der öffentlichen Träger vorhanden sind.

In einem weiteren Schritt soll eine durch das Netzwerk getragene Internet-Plattform entstehen, auf der auch Flüchtende wichtige Informationen zu Anlaufstellen finden können. Dazu braucht es die breite Unterstützung vor Ort und wir hoffen, in Zusammenarbeit mit den bereits aktiven lokalen Vereinen und Initiativen, durch dieses Netzwerk positiv zu einer entsprechenden Hilfe für LGBTI-Flüchtende beitragen zu können.

Damit bereits zum Start der Internet-Plattform möglichst viele Hilfsangebote in der Datenbank zu finden sind, möchten wir alle aktiven oder an Mithilfe interessierten Initiativen, Vereine, Organisationen und auch Einzelpersonen bitten sich über ein speziell hierfür programmiertes Formular zu melden. Hierbei soll angegeben werden, welche Art der Hilfe geleistet wird oder wie man sich einbringen kann.

Das Rückmeldeformular findet sich momentan unter diesem Link.

Selbstverständlich werden alle Daten streng vertraulich behandelt und nur im Rahmen der LGBTI-Flüchtlingshilfe verwendet. Die Rückmeldung soll möglichst innerhalb einer Woche bis spätestens zum 30. November 2015 erfolgen, damit die Datenbank zum angedachten Starttermin der Internetseite am 1. Dezember 2015 aktuell ist.”

Titelfoto: Attila JANDI / Shutterstock.com


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