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Hilfe für obdachlose LGBTI-Jugendliche

Mindestens 400.000 Kids werden von ihren Familien rausgeworfen

von Dorsy Baumgartner, Albuquerque

Von den Eltern verstoßen, von Schulkollegen verspottet. So sieht die Realität vieler homosexueller Teenager auch in den weltoffenen und toleranten Vereinigten Staaten von Amerika aus. Sie werden von ihren Familien aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oftmals vor die Tür gesetzt, was in den meisten Fällen in die Obdachlosigkeit führt. Jedes einzelne Schicksal ist ein Verhängnis.

Wohnungslose LGBTIs im Alter von 14 bis 17 Jahren finden in Albuquerque, New Mexico in einer bedeutungsvollen Einrichtung ein neues Zuhause. CasaQ versucht betroffenen Jugendlichen, die Diskriminierung und Gewalt erlebt haben und häufig suizidgefährdet sind, mit einem Hilfsprogramm wieder auf die Beine.

Wie bei einem Zeugenschutzprogramm darf nichts über die Identität der Heimbewohner veröffentlicht werden

CasaQ wurde 2013 gegründet. Es ist eine Non Profit Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Wohnraum zu schaffen, der der Lebensform „Familie“ möglichst nahe kommt. Ich besuche die bisher einzige Unterkunft in Albuquerque am Fuße der Sandia Mountains: ein typisches amerikanisches Einfamilienhaus des mittleren Standards mit seitlichem Anbau und Vorgarten in einer ruhigen Wohngegend. Die Direktorin Jennifer Scacco schafft gleich bei der Begrüßung lästigen Papierkram aus dem Weg und noch bevor ich die Türschwelle überschreite, bittet sie mich ein Formular zum Schutz der Privatsphäre der Kinder zu unterschreiben. Ähnlich wie bei einem Zeugenschutzprogramm darf nichts über die Identität der Heimbewohner veröffentlicht werden. Sie sind beim meinem Besuch auch nicht anwesend.

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Diese Wand im CasaQ haben die Bewohner bemalt. (Foto: Joel Wigelsworth)

Die Mission:  „Wir sind ein sicherer Zufluchtsort und wollen, dass junge LGBTIs hier ohne Angst leben können.“

Wir setzen uns an den großen hölzernen Tisch mit Blick auf eine gemütlich eingerichtete Küche und Garten. Jennifer kommt sofort zur Sache und informiert mich darüber, dass im Großraum Albuquerque ungefähr 4000 Kinder obdachlos sind, darunter findet man etwa 30% LGBTIs. Der Anteil an Latinos ist besonders hoch, denn die streng gläubigen Familien verurteilen Homosexuelle und Trans*Menschen noch immer als Sünder und verdammen ihre Liebe.

Sie lassen sich häufig auf ‘Survival Sex’ ein, um sich Unterkunft und Lebensmittel leisten zu können

Das Alter für ein Coming-out ist in den letzten Jahren von durchschnittlich 18 auf 16 gesunken, was bedeutet, dass die meist von ihren Eltern noch finanziell abhängigen Kinder kaum eine Chance haben, auf eigenen Füßen zu stehen. Sie sind einer großen Belastung ausgesetzt und weitaus öfter Opfer eines Verbrechens als heterosexuelle Obdachlose. Sie lassen sich auch häufiger auf „Survival Sex“ ein, um sich Unterkunft und Lebensmittel leisten zu können. Erschreckende landesweite Schätzwerte ergeben, dass bis zu 40% der Kinder in den USA ohne festes Zuhause wegen ihrer sexuellen Orientierung auf der Straße sitzen. Das „Center for American Progress“ geht von etwa 400.000 obdachlosen LGBTQ-Jugendlichen aus. Das „National Gay and Lesbian Task Force Police Institute“ schätzt mehr als 600.000.

Teil 2: Mobbing und öffentliche Beschimpfung durch Gleichaltrige in der Schule


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