„Ich würde mich outen“

Josh Hutcherson über seine Organisation „Straight But Not Narrow“

Am Donnerstag kommt der vierte und letzte Teil der „Tribute von Panem“ in die deutschen Kinos.  Josh Hutcherson ist einer der Hauptdarsteller, 23 Jahre alt – und das, was wir einen „straight ally“ nennen, einen heterosexuellen Verbündeten.

von Patrick Heidmann

Josh, Du hast vor Jahren „Straight But Not Narrow“ gegründet. Was steckt dahinter?
Mein bester Freund und ich wollten unsere Solidarität mit Schwulen und Lesben zeigen. Dass man sich auch als Heteros für ihre Rechte einsetzen kann. Wir arbeiten mit Sozialen Medien, gehen in Schulen oder veranstalten Basketballspiele. Ich glaube, es gab ein echtes Bedürfnis nach einer Organisation wie der unseren.

Wie meinst Du das?
Wenn man sich umschaut, wer sich auf diesem Gebiet engagiert, dann waren es fast immer Queer-Organisationen. Logisch. Aber in unserer Generation gibt es extrem viele junge Heteros, für die es selbstverständlich ist, sich einzusetzen. Deswegen wollten wir einen Ort schaffen, wo man dieses Engagement bündeln kann und wo auch jemand seine Unterstützung kundtun kann, der noch etwas verunsichert ist.

Gibt es eine persönliche Motivation für dieses Engagement?
Oh ja. Meine Mutter wuchs mit zwei schwulen Onkeln auf, die ihr sehr nahestanden. Leider habe ich sie nie kennengelernt, denn sie starben an AIDS. Gleiche Rechte für Schwule war ein Thema, das meine Mutter mir früh mitgab.

Wie erlebst Du Hollywood: Gleiche Rechte sind selbst dort ja nicht die Regel, oder?
Es ist längst nicht alles perfekt. Aber wenn man 40, 20 oder auch nur fünf Jahre zurückblickt, hat sich doch ziemlich viel getan. Es ist heute einfacher, offen damit umzugehen, wer man ist und wen man liebt.

Trotzdem scheuen viele Deiner Kollegen noch immer das Coming-out.
Klar. Ich will auch nicht schönreden, dass es etliche Gegenden in den USA gibt, wo die Menschen wirklich noch ein Problem mit Schwulen und Lesben haben. Wenn man dort als Actionheld durchgehen will, kann ein Coming-out hinderlich sein. Und andersherum bekommen die Heten einen Oscar, wenn sie Schwule spielen. Natürlich ist das enttäuschend. Aber ich bin wirklich überzeugt davon, dass sich unsere Gesellschaft immer weiter verändert und wir auch diesbezüglich Fortschritte machen.

Kannst Du ihnen zum Coming-out raten?
Das muss jeder selbst entscheiden. Aber es ist doch fantastisch, wenn man stolz zu seinem Schwulsein stehen kann. Jeder, der diesen Schritt geht, kann anderen helfen, das Gleiche zu tun. Natürlich habe ich leicht reden. Aber ich bin fest davon überzeugt: Wäre ich schwul, würde ich mich outen!

Foto: Die Tribute von Panem / Mockingjay 1

Das Interview ist erschienen in MÄNNER 11.2014


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