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Kolumbien gibt Adoption frei

Verfassungsgericht beseitigt letzte Hürden

Das Oberste Verfassungsgericht von Kolumbien hat am Mittwoch ein Verbot von Fremdadoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare aufgehoben. Die Richterinnen und Richter entschieden mit sechs zu zwei Stimmen, dass es „im besten Interesse von Kindern“ sei, wenn sie auch von zwei Vätern oder zwei Müttern adoptiert werden können, die nicht ihre Blutsverwandten sind, weil jede andere Regelung „das kindliche Recht auf eine Familie“ beschneidet und deswegen verfassungswidrig ist.

Das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung einer Person, darf keine Begründung für ein Verbot sein.

Die Vorsitzende des Gerichts, Maria Victoria Calle Correa, sagte auf einer Pressekonferenz nach Bekanntwerden des Urteils: „Das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung einer Person, darf keine Begründung für ein Verbot sein. Die moralische, körperliche oder geistige Fähigkeit Kinder großzuziehen, wird dadurch nicht eingeschränkt.“ Bislang war es Paaren nur möglich Kinder zu adoptieren, wenn einer der Partner oder eine der Partnerinnen ohnehin schon ein Elternteil des Kindes war. Und auch dieses Recht war ihnen erst 2014 zugesprochen worden. 2011 hatte das Verfassungsgericht entschieden, dass auch gleichgeschlechtliche Paare als Familien anzuerkennen seien.

Kolumbien ist nach dem Urteil juristisch gesehen deutlich fortschrittlicher als Deutschland, wo zwar die Stiefkindadoption erlaubt, die Fremdadoption jedoch immer noch verboten ist.

In Kolumbien gibt es, ähnlich wie in Deutschland, für Homopaare die Möglichkeit ihre Partnerschaften registrieren zu lassen. Allerdings sind bisher jegliche Bemühungen in Richtung Eheöffnung in dem zutiefst katholischen Land gescheitert. Die katholische Kirche reagierte auch prompt und scharf auf das Urteil. Sie verurteilte die Entscheidung des Gerichts und kündigte an, es anfechten und eine Volksentscheidung über die Adoption abhalten zu wollen. „Wir protestieren aufs Schärfste“, sagte einer ihrer Vertreter. „Die Stimmen der Mehrheit des kolumbianischen Volkes müssen in dieser Frage gehört werden. Das Gericht ist da, um die Gesetze zu interpretieren, aber nicht, um sie zu ändern.“ Das Urteil des Verfassungsgerichts ist besonders für die über 10.000 Kinder in staatlichen Waisenhäusern in Kolumbien wichtig, die auf liebende und fürsorgliche Eltern warten. Kolumbien ist nach dem Urteil juristisch gesehen deutlich fortschrittlicher als Deutschland, wo zwar die Stiefkindadoption erlaubt, die Fremdadoption jedoch immer noch verboten ist.

Foto:Shutterstock/EBPhoto

 


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