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Naidoo singt nicht beim ESC

NDR zieht Nominierung zurück

„Xavier Naidoo ist ein herausragender Sänger, der nach meiner Überzeugung weder Rassist noch homophob ist. Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht“, ließ der NDR nach Tagen der Kritik heute mitteilen. „Wir haben das falsch eingeschätzt. Der Eurovision Song Contest ist ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen. Dieser Charakter muss unbedingt erhalten bleiben. Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden. Aus diesem Grund wird Xavier Naidoo nicht für Deutschland starten. So schnell wie möglich werden wir entscheiden, wie der deutsche Beitrag für den ESC in Stockholm gefunden wird.“

Was zuvor geschah …

Man hätte leichthin sagen können: Ist doch egal, mit wem Deutschland beim nächsten ESC auf den hinteren Rängen landet. Ann Sophie war in diesem Jahr letzte – gut, die Sängerin war zweite Wahl, nachdem der Gewinner des Vorentscheids, Andreas Kümmert, gekniffen hatte. Aber wer sagt denn, dass Kümmert so viel besser abgeschnitten hätte? Elaiza schaffte im Jahr zuvor auch nur Platz 18, davor Cascada – Platz 21. So besonders überzeugend hat die Publikumskür nach Lenas „Satellite“ nun nicht funktioniert, als dass man einfach so weitermachen könnte. Das musste man dem ausrichtenden Sender NDR zugestehen.

Bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim.

Trotzdem mochten sich die deutschen ESC-Fans nicht einfach jemanden vorsetzen lassen, schon gar nicht Xavier Naidoo, der 2012 mit Kool Savas den unsäglichen Hidden Trick für dessen Album „Gespaltene Persönlichkeit“ aufgenommen hat, aus dem die vielzitierten Sätzen stammen: „Warum liebst Du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?“ und – als wären Homosexualität und Pädophilie Synonyme: „Dann fick ich Euch in den Arsch, so wie Ihr’s mit den Kleinen macht.“ Nicht Naidoo, der ein paar Jahre zuvor dem Musikexpress sagte: „Mir ist Gott und danach der Mensch als seine Schöpfung heilig. Und bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim.“ Der Interviewer fragte nach, ob diese Aussage nicht rassistisch sei – und Naidoo entgegnete: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe. Ich bin nicht mehr Rassist als jeder Japaner das auch ist.“

Eindeutiges Presseecho: NDR hat einen Fehler gemacht

Eine Petition, die die Teilnahme Naidoos verhindern wollte, hat bis heute Mittag rund 12.700 Unterstützer gefunden. Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, unterstützte das Vorhaben: „Es ist keine gute Wahl und das völlig falsche Signal, wenn er Deutschland beim ESC vertritt.“

Auch das Presseecho auf die Kür Naidoos war größtenteils einhellig: „Xavier Naidoo beim ESC ist ein schlechter Scherz“, urteilte die SZ. „Gäbe Naidoo im Mai 2016 lediglich ein Konzert in Stockholm, müsste uns das alles nicht weiter kümmern“ schrieb die ZEIT. „Wer einen bekannten rechten Verschwörungstheoretiker zu einem europäischen Wettbewerb schickt, darf sich über Kritik und Häme nicht wundern.“

Die Neue Osnabrücker Zeitung fand: „Die einsame Entscheidung der ARD-Programmverantwortlichen, Naidoo zum ESC-Finale 2016 zu schicken, ist so verquer wie die Thesen des Popsängers.“

„Die ARD hat vielleicht unterschätzt, dass sehr viele netzaffine Menschen und auch viele homosexuelle Menschen eine starke Beziehung zum Song Contest haben und die Berufung Naidoos geradezu als Affront betrachten“, kommentierte MEEDIA.

Und die Titanic reagierte auf ihrer Facebook-Seite – wie sonst – satirisch:

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Immerhin einer konnte sich damit anfreuden, dass Xavier Naidoo nächstes Jahr nach Stockholm fährt. Auf der ESC-Seite der ARD schrieb Jan Feddersen: „Das is die beste Nachricht, im Hinblick auf die deutsche Präsenz, die es geben kann.“
Xavier Naidoo ließ noch am Donnerstagabend über den NDR dieses Statement verbreiten:
„Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander … Es ist allerdings schade, dass Menschen, die mich ganz offensichtlich nicht kennen, aufgrund unzutreffender Darstellungen substanzlos und schlecht über mich reden.“

Xavier Naidoo steht für Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe.

Der Unterhaltungschef des NDR, Thomas Schreiber, nimmt den Sänger in Schutz: Naidoo sei weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch. „Xavier ist als Kind selber massiv diskriminiert worden und hat Schläge bekommen, weil er keine weiße Hautfarbe hat … Seit Jahren setzt er sich für die deutsch-israelische Freundschaft ein, engagiert sich für Flüchtlinge … Xavier Naidoo steht seit langem für Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe.“ Am heutigen Samstag nun zog  Schreiber die Reißleine und sagte die Nominierung Naidoos ab.

Focus Online hatte auch bei Ralph Siegel nachgefragt, der für den ersten deutschen Sieg beim ESC sorgte, als der noch Grand Prix hieß – 1982 mit Nicole und „Ein bisschen Frieden“. Auch Siegel kritisierte den Alleingang der ARD, verteidigte aber Naidoo zugleich und ließ wissen, er würde gern das Lied mit ihm schreiben … Das wäre doch eine gerechte Strafe gewesen!

Titelbild: PR


13 Kommentare

  1. Blau Mann

    SIEGEL: …der verzweifelte alte Mann spricht doch nur, um mal wieder in die Presse zu kommen … der würden jedem einen Song schreiben wollen, um erwähnt zu werden.

  2. Christian D.

    Ich finde zu dem Thema Xavier Ist alles bereits an vielen Stellen im Netz gesagt.
    Aber ich möchte auf einen Fehler hinweisen:
    Der Song Contest hieß 1982 auch schon Eurovision Song Contest.
    Es ist eine weitverbreitete Fehlmeinung, dass diese Veranstaltung immer schon Grand Prix hieß und erst in den letzten Jahren Eurovision Song Contest.
    Die offizielle Bezeichnung der Veranstaltung lautet seit 1992 Eurovision Song Contest.
    Bereits 1960 wurde diese Bezeichnung erstmals für den fünften Wettbewerb im Großbritannien verwendet.
    Insgesamt trugen 37 der bisherigen 57 Veranstaltungen diesen Namen.
    In den Jahren vor 1970 wurde die Veranstaltung gerne auch mal in die jeweilige Landessprache übersetzt, z. B. in den Niederlanden „Eurovisie Songfestival“ oder in Frankreich „Concours Eurovision de la Chanson“ oder noch 1991 in Italien „Concorso Eurovisione della Canzone“.
    In den ersten Jahren hieß die Veranstaltung auch gerne mal „Grand Prix Eurovision de la chanson européenne“.

    Klugscheißer-Modus AUS!!! 😉

  3. Thomas Johann

    Als gäbe es nichts wichtigeres… ich freu mich über einen guten Musiker der unser Land vertritt.und falls er mal einen Fehler gemacht hat dann sei es ihm verziehen denn wer ohne Fehler ist schmeisse den ersten Stein.Ich find ihn glaubwürdig. Ich mag seine Art von Musik. Und dass obwohl ich ein riesen Esc Fan bin und Männer geil findXavier meine Stimme hast Du!!

  4. Andreas Heilemann

    Im Moment läuft The Voice of Germany- super Sänger und Sängerinnen am Schluss wählt das Publikum- — und die ARD/NDR und wie sie alle heißen, wissen nicht wie sie einen Akteur für Stockholm finden können. Leckt mich doch fett, die könnt Ihr alle entlassen, die “ Entscheidungsträger“ . Kommunikation zwischen den Öffentlichen und den Privaten sollte doch in heutiger Zeit möglich sein.


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