Audienz beim 1. schwulen Prinzen

Lesbisches Pärchen trifft Manvendra Singh Gohil und LGBTI-Menschen weltweit

Als Jenni Chang ihren Eltern erzählt hat, dass sie lesbisch ist, war deren Reaktion eindeutig: „Wir bringen dich zurück nach Taiwan!“ Denn sie dachten, dass die amerikanische Gesellschaft schuld daran ist, dass die einzige Tochter homosexuell wird.

Natürlich wäre sie auch in Taiwan lesbisch geworden. Dennoch hat sie die Aussage der Eltern zum Nachdenken gebracht. „Wäre ich außerhalb der westlichen Welt geboren, hätte ich dann LGBTI-Vorbilder gefunden?“ Deshalb hat sie sich mit ihrer Partnerin Lisa Dazols auf eine Reise begeben: Eine Suche nach Menschen in der ganzen Welt, die stolz darauf sind, wie sie sind.

Indien: Sie treffen den ersten schwulen Prinzen der Welt

Die Reise hat das Paar dokumentiert, um ihre Erlebnisse mit der ganzen Welt zu teilen. Begonnen haben die beiden in Nepal, wo sie Bhumika Shrestha getroffen haben. Die Transfrau wurde aufgrund ihrer Transsexualität von der Schule geworfen und inhaftiert. Dennoch hat sie es 2007 geschafft, dass das oberste Gericht Nepals LGBTI-Diskriminierung verboten hat. „Ich bin eine transsexuelle Person. Und ich bin sehr stolz darauf“, sagt sie im Video, das Jenni und Lisa gedreht haben.

Die Reise führte sie weiter nach Indien, wo die hinduistische Tradition eigentlich keine Diskriminierung von Homosexuellen kennt. Da die Gesellschaft aber sehr patriarchal aufgebaut ist, führt das zur Ablehnung von LGBTI-Menschen (dort man sah man 2016 erstmals ein schwules Paar in der Werbung – MÄNNER-Archiv). Jenni und Lisa haben den ersten schwulen Prinzen der Welt getroffen.

Manvendra Singh Gohil hat sich 2007 sehr öffentlichkeitswirksam in der Talkshow von Oprah Winfrey geoutet. „Egal ob wir schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender sind, wir müssen alle zusammenstehen und für unsere Rechte kämpfen“, sagt der Prinz. „LGBTI-Rechte können nicht in den Gerichten erkämpft werden, sondern in den Herzen und Köpfen der Menschen.“

Die Geschichten lassen uns einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft wagen

Jenni und Lisa erzählen nicht nur von den Menschen, die sie auf ihrer Reise getroffen haben, sondern auch von ganz persönlichen Erlebnissen. Das lässt einen ihre Suche nach den Supergays fast miterleben.

Von Indien führte sie ihre queere Weltreise nach Kenia. Dort werden 89 Prozent aller LGBTI-Personen, die sich bei den Eltern outen, von ihnen abgelehnt. David Kuria kämpft trotzdem für die Rechte von Homosexuellen. Im Jahr 2012 war er der erste offen schwule Politiker, obwohl Homosexualität unter Männern in dem ostafrikanischen Land strafbar ist. Er hat Morddrohungen erhalten.

David Kurias Geschichte und all die anderen, die das Paar in der ganzen Welt gesammelt haben, sind inspirierend und erfreulich zugleich. Sie erzählen von Menschen, die sich trotz schwierigster Bedingungen nicht entmutigen lassen, für ihre Rechte zu kämpfen. Und sie lassen uns hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Die Entscheidungen in Irland, wo diese Woche die ersten schwulen und lesbischen Paar geheiratet haben, und in den USA sollen erst der Anfang sein.


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