Die Tokioter Stadtteile Shibuya and Setagaya haben diese Woche damit begonnen, gleichgeschlechtlichen Paaren Bescheiningungen auszustellen, die ihre Partnerschaft rechtlich anerkennen. Trotzdem in Japan landesweit ein Verbot der Eheöffnung gilt. Laut Verfassung beruht die Ehe in dem Land „auf der einvernehmlichen Zustimmung zweier Personen unterschiedlichen Geschlechts“. Trotzdem hatten die Bürgermeister der Stadtteile im Februar Pläne bekannt gegeben, Schritte zur rechtlichen Anerkennung von Homo-Paaren einleiten zu wollen. Diese Pläne sind nun offenbar umgesetzt worden.

Die Bescheinigung gestattet den Paaren nun, sich für Wohnungen im öffentlichen, sozialen Wohnungsbau zu bewerben und einander im Krankenhaus zu besuchen

Das erste Paar, das eine Urkunde ihrer Partnerschaft erhielt, waren zwei Frauen: Koyuki Higashi and Kiroki Masuhara, um 8.30 Uhr Ortszeit am Donnerstag Morgen. Die Bescheinigung gestattet den Paaren nun, sich für Wohnungen im öffentlichen, sozialen Wohnungsbau zu bewerben, sich im Krankenhaus zu besuchen, im Notfall Auskünfte über den Gesundheitszustand ihrer Partner zu erhalten und andere zivile Rechte. Allerdings wirklich nur in den beiden genannten Stadtteilen und ohne zivilrechtliche Verbindlichkeit.

Nicht dass sie homosexuell sind, ist das Problem für japanische Paare, sondern dass sie überhaupt irgendwie anders sind.

Japans größte Religionen, Shintō und Buddhismus, haben kein Problem mit Homosexualität, die eine lange, offen gelebte Traditionen in dem Land hat. Es ist der eher moderne Hang zur Gleichförmigkeit in der Lebensweise aller, der Homosexualität zu einem Tabu macht. Nicht dass sie homosexuell sind ist das Problem für japanische Paare, sondern dass sie überhaupt irgendwie anders sind als andere Menschen. Aber natürlich gibt es in Japan queeres Leben, der Stadtteil Shibuya ist eine Hochburg. Auch der Tokyo Pride fand 2015 hier statt. Der japanische Premierminister Shinzo abe hat mehrfach betont, dass er keine Möglichkeit sieht, die Ehe zu öffnen, ohne erst die japanische Verfassung zu ändern. Dieses Argument kommt Deutschen merkwürdig bekannt vor. Auch ein Antidiskriminierungsgesetz hat Japan nicht. Es gibt allerdings die Aussage, die Regierung würde sich noch bevor die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio stattfinden noch einmal mit der Diskriminierung von LGBTI auseinandersetzen.