27OBITSpitzer-facebookJumbo

Dr. Robert Spitzer gestorben

Der "wichtigste Psychiater der letzten Jahrzehnte" starb Freitag

Am 25. Dezember starb Dr. Robert Spitzer, der Wissenschaftler, der sich als erster Psychiater dafür eingesetzt hatte, Homosexualität nicht mehr als geistige Störung einzustufen, in seiner Wohnung in New York an Herzversagen. Spitzer wurde 83 Jahre alt. Seine Witwe, Janet Williams, selbst Professorin an der Columbia University, sagte, ihr Mann habe schon länger an einer Herzerkrankung gelitten. Spitzer war für einige der wichtigsten Änderungen im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), dem Handbuch für alle psychischen Erkrankungen verantwortlich.

Homosexualität könne keine Erkrankung sein, weil Homosexuelle in Bezug auf ihre Sexualität keinen Leidensdruck empfänden.

1973, nachdem er sich länger mit lesbischen und schwulen Aktivisten auseinandergesetzt hatte, begann er, sich gegenüber Kollegen lautstark dafür einzusetzen, Homosexualität von der Liste der geistigen Erkrankungen im DSM zu streichen. Er argumentierte, Homosexualität könne keine Erkrankung sein, weil die allermeisten Homosexuellen in Bezug auf ihre Sexualität keinerlei Leidensdruck empfänden, der nicht gesellschaftlich erklärbar sei. Dr. Spitzers Arbeit führte dazu, dass 1973 erst die American Psychiatric Association Homosexualität nicht mehr als geistige Störung einstufte, das American Psychological Association Council of Representatives 1975 und ab da, alle wichtigen Gesundheitsorganisationen weltweit, 1990 auch die  World Health Organization (WHO). Er erklärte seinen Ansatz Evidenzbasiert: „Statt die Autorität, in diesem Fall Freud, einfach anzuerkennen, begann ich mich zu fragen: Wo sind die Studien zum Thema, wo sind die Zahlen, die Beweise? Wissenschaft muss Beweise für ihre Behauptungen erbringen. Und die ließen sich in Bezug auf Homosexualität als geistige Erkrankung nicht finden. Die Menschen mit denen ich arbeitete, richteten ihren Urteile nach Daten und Fakten aus, nicht nach der Morall der Zeit“, erklärte Spitzer 2005 einem Reporter vom „New York Magazine“.

Während ich die Kommentare zur Studie las und mich mit den Reaktionen befasste, wurde mir klar, dass es ein riesiges Problem gab.
Trotz diesen Ansatzes veröffentlichte Spitzer 2001 eine Studie zu „Reparative Therapy“, in der behauptet wurde, Sexualität ließe sich ändern. 2012 widerrief er in der „New York Times“ jedoch deren Ergebnisse und wies auf den Fehler in der Beweiskette hin, der ihm unterlaufen: „Während ich die Kommentare zur Studie las und mich mit den Reaktionen befasste, wurde mir klar, dass es ein riesiges Problem gab: Natürlich konnte ich verändertes Verhalten beobachten, aber ob dieses Verhalten wirklich auf veränderten Begehrensmustern beruhte, oder ein Ergebnis von internalisierter Angst war, konnten wir nie unterscheiden. Ich konnte also die Veränderung nie beweisen.“ Im Retrospekt bedauerte er die Arbeit an der Studie zutiefst. Vielleicht war es auch Spitzers Fähigkeit Fehler einzugestehen, die ihn zu einem „wenn nicht dem wichtigsten Wissenschaftler in seinem Feld in den letzten Jahrzehnten werden ließ“, so Kollegen gegenüber Medien.
Bild: Facebook

Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close