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Ein Schloss für Magnus?

Eine Berliner Initiative plant Großes

Der Arbeistitel ist erstmal schlimm: „Elberskirchen-Hirschfeld-Haus der Queeren Archive, der Wissenschaften und der Ausstellungen in Berlin“. Selbst wenn die Namenspatrone mit Magnus Hirschfeld und Johanna Elberskirchen HeroInnen der deutschen LGBTI-Geschichte sind: So heißt doch nichts.

Stimmt, noch heißt so gar nichts. Aber, so soll spätestens 2025 etwas heißen. Gerne früher. Und zwar die, so umschreiben es die Verantwortlichen bescheiden, „größte queere Foschungs- und Veranstaltungsstätte der Welt“. Die soll, in einem öffentlich zugänglichen Gebäude, das Schwule Museum*, das Lesbenarchiv Spinnboden, die Magnus Hirschfeld Gesellschaft und ein, zwei Außenstellen der Berliner Universitätsinstitute, die sich mit Sexualforschung beschäftigen, in Berlin versammeln. Für „Kongresse, Symposien, Forschungsarbeit und Feiern“, beschrieb es Jan Feddersen von der Initiative Queer Nations e.V., die hinter dem Projekt steht, bei einem Pressegespräch am Freitag Morgen.

Im Vergleich zu anderen Großunternehmungen in Berlin, wirken die Pläne für das Schloß für Magnus & Co. relativ gut durchdacht.

Und das könnte sogar klappen. Denn im Gegensatz zu anderen Großunternehmungen in Berlin wirken die Pläne für das Schloß für Magnus & Co. relativ gut durchdacht und stehen auf breiter Basis. Nicht nur wollen alle Beteiligten wirklich da einziehen, sobald man weiß wo „da“ eigentlich ist, sondern auch die Politik unterstützt das Projekt. Die offen schwulen Lantagsabgeordneten Tom Schreiber (SPD) und Stefan Evers (CDU) haben für das „Elberskirchen-Hirschfeld-Haus“ im Berliner Doppelhaushalt für die Jahre 2016/2017 35.000 Euro jährlich abgezweigt. Für Exploration und eine Machbarkeitsstudie. Deren erste, sichtbare Ergebnisse man schon im Mai 2018, zu Magnus Hirschfelds 150. Geburtstag, bestaunen können soll. Oder 2019, zum 100. Jubiläum der Gründung von Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft. Schreiber erklärt: „Bis 2019 wollen wir wissen, wann, wo, was hinkommt. Bis 2024 sollen eventuelle Um- oder Neubauten abgeschlossen sein.“ Das ist keine Luftnummer. Im Gegenteil, Evers und er haben sich das auch finanzpolitisch gut überlegt: „Im Moment zahlen alle Archive und das Schwule Museum* Mieten auf dem freien Markt. Die sowieso das Land bezahlt. Wenn wir alle diese Einrichtungen unter einem Dach, in einem Gebäude oder auf einem Grundstück, dass der Stadt gehört, oder das wir vom Bund übernehmen, versammeln können, spart das ganze Projekt sehr schnell effektiv Geld.“

Queeres Leben findet in der deutschen Hauptstadt nicht am Rand, sondern im Zentrum der Stadt statt und hat seinen festen Platz.

Evers ergänzt: „Es wird Zeit, dass Berlin wieder eine Vorreiterrolle auf dem Feld der queeren Forschung einnimmt. Das von den Nazis geplünderte Hirschfeld-Institut war weltweit einzigartig und braucht eine Nachfolgeinstitution. Das geplante Projekt hat für uns eine ‚queere Leuchtturmfunktion‘ nicht nur für Berlin, sondern für Deutschland und die Welt. Dieser Gedanke wird von allen Berliner Fraktionen, also SPD, CDU, Grünen, den Linken und Piraten geteilt und unterstützt. Was garantiert, dass das Projekt fortgeführt wird, egal wer nach den Abgeordnetenhauswahlen 2016 in Berlin regiert. Allen ist es wichtig, mit so einer Einrichtung auch zu zeigen: Queeres Leben findet in der deutschen Hauptstadt nicht am Rand sondern im Zentrum der Stadt statt und hat seinen festen Platz.“ Bis Mai 2018 sind es noch anderthalb Jahre. Wir freuen uns auf die Baupläne. Und schlagen als Volksmund-Namen für das „Elberskirchen-Hirschfeld-Haus der Queeren Archive, der Wissenschaften und der Ausstellungen in Berlin“ schon mal „Bei Magnus und Johanna“ vor.

queer-nations.de

Foto: Shutterstock/ Anibal Trejo


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