Sun_Wenlin

Erster Chinese klagt auf Eheöffnung

Ein 26-Jähriger und sein Freund streiten in der Provinz Hunan für ihre Liebe

Einer muss immer der Erste sein. Im Fall der Eheöffnung in China heißt dieser Erste Sun Wenlin. Der 26-Jährige und sein Freund haben am Mittwoch der letzten Woche versucht, sich auf dem Standesamt der Stadt Changsha in der Provinz Hunan für eine Heiratsurkunde registrieren zu lassen. Es ist das erste Mal in der Geschichte des modernen, post-kommunistischen Chinas, dass das jemand mit juristischen Konsequenzen probiert hat. Es blieb auch erstmal bei dem Versuch. Der Beamte, der ihren Antrag entgegennahm, sagte ihnen, in China könnten nur „ein Mann und eine Frau“ heiraten.

Die chinesische Ehegesetzgebung spicht nur von „Eheleuten“, es wird aber an keiner Stelle das Geschlecht der betreffenden Partner spezifiziert.

Sun sieht das anders. Er sagt, die chinesische Ehegesetzgebung spicht nur von „Eheleuten“, es würde aber an keiner Stelle das Geschlecht der betreffenden Partner spezifiziert. „Ich persönlich glaube, dass diese Formulierung nicht nur auf heterosexuelle Menschen Anwendung finden kann, sondern auch schwule uns lesbische Paare einschließt. Das Gesetz diskriminiert hier nicht. Nur die, die es anwenden“, so Sun.  Auf Basis dieser Interpretation hat das Paar nun Klage eingereicht. Die Behörden haben bis morgen, um darauf zu reagieren. Sun hat schon angekündigt, in Berufung gehen zu wollen, sollte seine Klage abgewiesen werden.

Suns Klage wurde von Aktivisten landesweit als wichtiger Schritt begrüßt.

Homosexualität wurde in China und Hongkong 1991 legalisiert. Bis dahin war Analverkehr zwischen Männern ein Kapitalverbrechen. Die Emanzipationsbewegung hat jedoch seitdem keine großen Fortschritte gemacht. Chinesische LGBTI werden nach wie vor verfolgt und haben es besonders auf dem Land schwer.  Während einer Neubewertung der Ehegesetzgebung gab es 2003 in der Volksrepublik erste Diskussionen über homosexuelle Ehen. Allerdings ohne Erfolg. Die Sexologin Li Yinhe setzte sich im Zuge der Nationalen Volkskongresse 2000 und 2004 für die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen ein, bekam aber die nötigen 35 Unterschriften von Delegierten für ihren Antrag nicht. Suns jetzige Klage wurde von Aktivisten landesweit als wichtiger Schritt und Durchbruch begrüßt. „Ich glaube, was wir tun, wird Chinas Gesellschaft verändern. Wenn es keine Bewegung gibt, kommen wir einfach in einem Jahr wieder“, so der Aktivist.

Bild: Sun Wenlin und sein Freund via Facebook

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