Dec 22 2015 Athens Greece People from gay community protest outside of Greek parliament while

Griechenland öffnet Lebenspartnerschaft

Jedoch kein Adoptionsrecht für LGBTI-Paare

Kurz nach Mitternacht hatten die Demonstranten vor dem Parlament in Athen endlich Grund zum Jubeln: Griechenland erkennt mit der Öffnung der Lebenspartnerschaft zum ersten Mal in seiner Geschichte lesbische und schwule Paare rechtlich an und stellt sie – das Adoptionsrecht ausgenommen – der Ehe juristisch gesehen faktisch gleich. Denn nicht nur wurde das sechs Jahre alte Rechtsinstitut der Partnerschaft auf LGBTI erweitert, sondern gleichzeitig auch mit mehr Rechten versehen. Die Stimmungslage im Parlament war eindeutig, aber nicht in Lager aufgeteilt: 194 Stimmen für das Gesetz, 55 dagegen. Der eine Regierungspartner, die Syriza-Partei, stimmte geschlossen dafür, der andere, die rechtpopulistische ANEL, fast geschlossen dagegen, genau wie Kommunisten und Neofaschisten, die Abgeordneten der liberalen Neo Demokratia stimmten mal so mal so. Der entgültigen Abstimmung vorrausgegangen war eine fast zehnstündige, leidenschaftliche Debatte und Beschlüsse über verschiedene Teile des Gesetzes.

Ministerpräsident Alexis Tsipras entschuldigte sich bei den LGBTI seines Landes.

Ministerpräsident Alexis Tsipras entschuldigte sich bei den LGBTI seines Landes dafür, dass „wir diesen Schritt nicht schon viel früher gewagt haben.” Auch seine eigene Regierung habe zu lange gezögert. „Wir entschuldigen uns bei den Tausenden, denen so lange selbstverständliche Rechte vorenthalten wurden, und speziell bei denen, deren Partner in der Zwischenzeit verstorben sind.”

Die Abstimmung war vor einer Woche angekündigt worden und AktivistInnen hatten auf eine positive Entscheidung gehofft. Der Weg hierher war weit: Nachdem Griechenland 2013 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für seine Homopolitik gerügt worden war, mussten die Regierungen in Athen erst einmal die größte Finanzkrise in der Geschichte des Landes bewältigen. Vergessen hatte man die Watschen aus Straßburg aber trotzdem nicht. Und ließ ihr nun Taten folgen. Parallel wird auch das Schutzalter für Homosexualität angepasst. Es liegt jetzt bei 15 Jahren, genau wie bei Heterosexuellen auch.

(151222) -- ATHENS, Dec. 22, 2015 -- People take part in a rally in Athens, Greece, on Dec. 22, 2015. Greek LGBT organizations held a rally in front of the Parliament to support lawmakers vote on civil partnerships bill here on Tuesday. ) GREECE-ATHENS-SOCIETY-RALLY MariosxLolos PUBLICATIONxNOTxINxCHN 151222 Athens DEC 22 2015 Celebrities Take Part in a Rally in Athens Greece ON DEC 22 2015 Greek LGBT Organizations Hero a Rally in Front of The Parliament to Support lawmakers VOTE ON Civil Partnerships Bill Here ON Tuesday Greece Athens Society Rally MariosxLolos PUBLICATIONxNOTxINxCHN

Demonstranten vor dem Parlament in Athen

Die griechisch-orthodoxe Kirche hatte prompt und heftig auf die Ankündigung der Abstimmung reagiert. Metropolit Ambrosius von Kalavryta und Aigialeia befahl den Küstern seiner Region, die Trauerglocken ihrer Kirchen zu läuten, sollte das Gesetz verabschiedet werden. Zuvor forderte er Gläubige in einem Blogbeitrag auf, Schwule und Lesben „anzuspucken”, wo immer sie ihnen begegnen mögen: „Spuckt sie an, schwärzt sie an, stimmt gegen sie! Sie sind keine menschlichen Wesen! Sie sind Unfälle der Natur! Geistig und spirituell krank! Sie sind wahnsinnig!”. Der Bischof war in der Vergangenheit unter anderem durch seine Sympathien für die neonazistische „Partei der Morgenröte” aufgefallen, die er mehrfach öffentlich verteidigt hatte.

Bilder: Imago


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