Homophober Boxer: Sportler des Jahres?

Sportler drängen die BBC, Tyson Fury von der Short List zu nehmen

Am kommenden Sonntag verkündet die BBC, wer der britische Sportler des Jahres ist. Darüber kann, wer sich registriert, online abstimmen. 12 Sportler und Sportlerinnen stehen auf der Shortlist – darunter der offen homophobe Boxer Tyson Fury, der Ende November Wladimir Klitschko besiegte und amtierender Weltmeister im Schwergewicht ist.

Der Australier Simon Dunn ist ehemaliger Rugbyprofi, mittlerweile Bobfahrer und offen schwul. Er bittet die BBC, Furys Namen von der Liste zu streichen. „Seine Kommentare führen unausweichlich dazu, dass junge Athleten den Eindruck bekommen, Homophobie sei nicht nur okay, sondern ein akzeptabler Teil des Sports“, schrieb Dunn.

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Selfie: Simon Dunn

Erst vor kurzem hatte Fury in einem Interview gesagt, es müssten drei Dinge geschehen, bevor der Teufel die Menschheit heimsucht: Eine davon sei die Legalisierung von Homosexualität, eine weitere die Abtreibung und die dritte Pädophilie. „Wer hätte in den 50ern oder 60 ern gedacht, dass die ersten beiden legal werden würden?“ Der Boxer erklärte auch, woher er seine mittelalterliche Weltanschauung hat:  „… mein Glaube und meine Kultur basieren komplett auf der Bibel.“

Ich habe Homophobie selber erlebt bis zu dem Punkt, dass ich nicht mehr sicher war, ob ich den Sport, den ich liebe, weiter ausüben möchte.

„Als offen schwuler Athlet, der sowohl im Rugby als auch im Bobfahren angetreten ist, bin ich mir bewusst, dass Homophobie ein großes Thema im Sport ist. Ich habe es auch selber erlebt bis zu dem Punkt, dass ich nicht mehr sicher war, ob ich an dem Sport, den ich liebe, weiter teilmöchte möchte“, schreibt Dunn. „Ich ermutige die BBC, nein – flehe, sie an, – die Nominierung von Tyson Fury als Sportler des Jahres zurückzunehmen, weil er nicht die Eigenschaften mitbringt, die ein Sportler braucht.“

Die BBC sei in der Position, der Welt zu zeigen, dass solche Kommmentare nicht nur inakzteptabel sind. „Sie haben in der Gesellschaft von heute keinen Platz – und durch die Streichung der Nominierung würde man ein großartiges Zeichen setzen gegen Hass und Diskriminierung.“

Knapp 140.000 Unterschriften hat eine Petition gegen die Nominierung Furys schon zusammen – 150.000 müssen es noch werden.

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RED-HOT-Model Greg Rutherford (Foto: Thomas Knights)

Neben Fury nominiert sind unter anderem Formel-1-Pilot Lewis Hamilton, der Kunstturner Max Whitfield und Leichtathlet Greg Rutherford. Letzerer hat sich mit Tyson Fury bereits eine öffentliche Auseinandersetzung geliefert, worauf Rutherford verkündete, er wollte nicht die Bühne mit dem umstrittenen Boxer teilen. Auf Twitter gab er daraufhin bekannt, dass er der BBC geschrieben hätte, sie möge seinen Namen von der Liste streichen. Der Sender habe ihn daraufhin zwei Tage lang bekniet, auf der Short List zu bleiben. Erfolgreich. Auch, so Rutherford, weil er eingesehen habe, dass die Nomininierung seiner Familie viel bedeute.

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Max Whitfield (Foto: Screenshot)

Fury nimmt die ganze Diskussion in einer Mischung aus Gelassenheit und arroganter Selbstüberschätzung hin, wie man im Video sieht (Min 1.38 ff). Seine Kritiker nannte er „Wichser“,  sich selbst dagegen ein „gutes Vorbild“. Er zeige allen, wie Männer wirklich sein sollen. Wer ihn kritisiert, möge seine Leistung nachmachen – für die, die das nicht können, empfiehlt er: „They can suck my balls.“

Titelfoto: Screenshot


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