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#Irememberyoutoday

Erinnerungen zum Welt-AIDS-Tag

Das Magazin M+ hat sich zum Welt-AIDS-Tag 2015 etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Nicht nur gehen die Jungs mit einer neuen Webseite an den Start, auf der man nun täglich aktuelle Nachrichten zum Thema Gesundheit und sexuell übertragbare Krankheiten bekommt, sie verbinden das Ganze mit einer Aktion zum Thema Erinnerung.

So lassen wir Twitter, Facebook und Instagram für einen Tag zu einer großen Feier für diejenigen werden, an die man sich öfter als einmal im Jahr und mehr als einen Tag lang erinnern sollte.

M+-Redakteur Paul Schulz erklärt: „Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Wie jedes Jahr seit 1988 werden Viele die rote Schleife rauskramen, Reden halten, demonstrieren gehen, mehr Einsatz schwören, Geld sammeln. Alles gut so. Aber: Der Welt-AIDS-Tag wurde vor 28 Jahren nicht nur erfunden, um unseren unermüdlichen Einsatz für die Lebenden zu zeigen, sondern auch, damit man sich an die Gestorbenen erinnern kann. Das wollen auch wir tun. Und wir wollen, dass dabei so viele Menschen wie möglich mitmachen. 35 Millionen Menschen sind in den letzten 35 Jahren an den Folgen von AIDS gestorben. Ein asiatisches Sprichwort sagt, dass die Toten wieder lebendig werden, wenn man ihre Namen sagt. Also wollen wir sie sagen und mit Fotos und einer Erinnerung verbinden. Das geht so: Am Welt-AIDS-Tag werden wir unter mplus-magazin.de jede Stunde eine Erinnerung eines Menschen an einen Freund oder Prominenten veröffentlichen, der nicht mehr lebt, einen ganzen Tag lang. Und natürlich haben wir uns einen Hashtag dazu ausgedacht: #IREMEMBERYOUTODAY. Damit laden wir jeden ein, der in den sozialen Medien seine Erinnerung an jemanden mit anderen teilen möchte, mitzumachen. So lassen wir Twitter, Facebook und Instagram für einen Tag zu einer großen Feier für diejenigen werden, an die man sich öfter als einmal im Jahr und mehr als einen Tag lang erinnern sollte. Wir freuen uns auf viele berührende Erinnerungen, überall.“

Wie das dann aussieht? Drag-Superstar Barbie Breakout erinnert sich zum Beispiel so an ihren Freund, den Schriftsteller Napoleon Seyfarth:

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Ich erinnere mich, dass mir meine Mutter Dein Buch „Schweine müssen nackt sein“ 1994 zu Weihnachten geschenkt hat, mit der Widmung versehen „Pass auf Dich auf, ich liebe Dich, deine Mutter“. Ich verschlang es binnen weniger Stunden, großäugig ob all der wilden Sexualpraktiken, von denen ich noch nie gehört hatte; berührt von Deinem festen Willen, schonungslos ehrlich zu sein, auch wenn es Dich oft in kein besonders gutes Licht stellte. Am Ende des Buches hast Du Dich selbst sterben lassen und das sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass Du Deinen eigenen Tod inszenieren würdest. Am Ende der Weihnachtsferien fuhr ich zurück aufs Internat und Dein Buch blieb fest an meiner Seite; die einzige Verbindung aus diesem Idyll hin zu der Welt, in der ich leben wollte, auch wenn es eine Welt voll von Dingen war, die mir Angst machten und über die ein entsetzliches Virus zu herrschen schien, das immer wieder die Brilliantesten aus der Mitte des Lebens riss.

Die Finger Deines „guten“ Arms strichen über die Namen, hunderte von ihnen, und mit einem müden Lächeln hast Du mir zugeflüstert: „Alle tot.“.

1999 bezog ich endlich meine erste Berliner Wohnung, wurde Mitglied der Schwestern der perpetuellen Indulgenz und lernte Dich auf einem von den Schwestern organisierten Kaffeekränzchen kennen. Meine vorherige Aufregung erwies sich als völlig unnötig, denn Du warst nahbar, herzlich und genauso offen wie Dein Buch. Wir haben uns sofort ins Herz geschlossen und saßen lange beieinander. Bei einer späteren Gelegenheit zeigtest Du mir Deine Wohnung, um die sich viele Sagen rankten; in der Küche hatten sich in Ermangelung eines Gästebuchs die Gäste Deiner legendären Parties an den Wänden verewigt. Es las sich wie ein Who-is-Who der Kreativen und Schönen, dazwischen internationale Prominenz und Berliner Originale. Die Finger Deines „guten“ Arms strichen über die Namen, hunderte von ihnen, und mit einem müden Lächeln hast Du mir zugeflüstert: „Alle tot.“.
Im November 2000 hast Du uns Schwestern ein letztes Mal zu Dir geladen. Wir standen im Wohnzimmer um Deinen bunt bemalten Sarg, der dort schon Jahre stand, als Du verkündetest, du hättest beschlossen, Deine Medikamente abzusetzen und aus dem Leben zu scheiden. „Ich habe gerade die Filmrechte zu meinem Buch verkauft, bin frisch verliebt, besser wird es nicht mehr werden. Ein guter Moment, um zu gehen.“. Am 2.12.2000 bist Du gestorben. Damals war ich wütend auf Dich, heute feiere ich Deine Konsequenz und Deinen Mut. #irememberyoutoday, Napoleon Seyfarth, du großer kleiner Mann. Habe Dank.

Auch Maren Kroymann, Georgette Dee, Tim Fischer, Matthias Freihof, Rosa von Praunheim, die Jungs von ENOUGH IS ENOUGH, Männer-Chefredakteur Kriss Rudolph und viele andere haben sich für die M+ erinnert. Wer das auch tun möchte, ganz für sich, oder in den sozialen Medien, sollte das tun.

Alle Erinnerungen gibt es hier.

Bild: Shutterstock/P. Chinnapong, privat


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