Wo Jungs Mädchen sein können

Unicef ehrt Reportage über Camp für "gender-kreative" Kinder

Die drei Siegerfotos des internationalen Wettbewerbs „UNICEF-Foto des Jahres 2015“ zeigen die Auswirkungen von Krieg auf die, die am unschuldigsten sind und zugleich am verletzlichsten: Kinder. Den ersten Platz gewann der Fotograf Georgi Licovski, der die Verzweiflung von Flüchtlingskindern an der griechisch-mazedonischen Grenze zeigt: Er hielt den Augenblick fest, als dort am 21. August 2015 zwei Kinder zwischen vordringenden Menschenmassen und Grenztruppen von ihren Eltern getrennt wurden. Darüber hinaus hob die Jury acht Reportagen mit ehrenvollen Erwähnungen hervor, dazu gehören die Bilder von Lindsay Morris.

Lindsay Morris

Fotografin Lindsay Morris (Foto: Unicef)

Jungs, die es lieben, geschminkt und in hübschen Mädchenkleidern stolz über einen Laufsteg zu laufen.

Die US-Fotografin besuchte ein Camp für gender-kreative Kinder. Dort dürfen Jungen im Alter von sechs bis 12 ein paar Tage nach Herzenslust Mädchen sein – Kleider oder Röcke tragen und sich schminken. „Ohne sich schämen zu müssen, ohne peinlich berührte Eltern, ohne irritierte Lehrer“, teilt Unicef mit. „Es gibt diese so genannten geschlechtsvarianten Kinder: Kinder mit dem Gefühl, mal im richtigen, mal im falschen Körper zu stecken: gender-nonconforming children. Jungs, die es lieben, im Kanu unterwegs zu sein und Marshmallows zu braten – und dann in hübschen Mädchenkleidern und geschminkt stolz über einen Laufsteg zu laufen. Ohne Ausgrenzung, ohne Stigmatisierung.“

Einmal im Jahr findet dieses Camp an einem verlängerten Wochenende statt – mal trifft man sich an der Westküste der USA, mal an der Ostküste oder mal im Mittleren Westen. Im Jahr 2007 war Morris das erste Mal dabei, um einen lieben Menschen zu begleiten, wie sie auf ihrer Homepage erzählt. Fünf Jahre später dann erklärten sich Eltern und Kinder bereit, sich fotografieren zu lassen. Die Bilder wurden in einer Titelgeschichte des New York Times Magazine gezeigt, die Geschichte wurde seither in 13 Ländern veröffentlicht.  Außerdem entstand das Buch „You are You“.

In Deutschland engagiert sich der recht junge Verein TRAKINE für Menschen, die mit dem Thema Trans* bei Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Auch er organisiert jedes Jahr gemeinsame Aktivitäten und führt Eltern-Kind Fahrten durch.

Fotos: Lindsay Morris


6 Kommentare

  1. Kim Sophie Ohlsen

    Transsexuelle und ihr Leid werden hier mal wieder ausgeblendet. Hauptsache Jungs dürfen sich als Mädchen verkleiden. Das Leid, was vielfach dahinter steckt und körperlicher Natur ist, wird hier mal wieder völlig ausgeblendet. Es wird gegendert und Transsexualität als angeborene Ursache des falschen Körpergeschlechts wegrationalisiert. Geschlecht ist ja rein sozial, nicht wahr, da passt das Leid Transsexueller ja nun gar nicht rein 😉

  2. Lotty Maria Wergin

    Kriss Rudolph, es geht um die fehlende Differenzierung zwischen Menschen, die mit gegengeschlechtlichen Körpermerkmalen geboren wurden und Menschen, die ein Problem mit der sozialen Rolle haben. Trans* steht für die letztere Gruppe und bei diesen Kindern so zu tun als ginge es nur um das „mal ausprobieren“ ist eben genau das was nicht geht. Es mag durchaus sein dass solche auch dabei sind, nur zumeist geht es um mehr, um viel mehr.

    Es geht also lediglich um die Formulierungen und richtige Darstellung. So wie der Beitrag geschrieben ist, wird das Bild der Menschen mit transsexuellem Hintergrund falsch dargestellt. Es ist nicht unsere Wirklichkeit die dort beschrieben ist. Wie so oft, wird über uns berichtet ohne uns zu verstehen. Es ist die Sicht von Außen, nicht die Sicht von Innen, wie nur wir sie erfahren und fühlen.

    Es geht nicht darum, die Rolle Mädchen zu spielen, es sind Mädchen. Es geht nicht um das Tun sondern um das Sein.

    Die Tatsache, dass manche männlich zugewiesene Kinder eigentlich Mädchen sind, dann aber auch wieder Jungs sein wollen, ist verständlich. Wir müssen bedenken, dass diese Kinder zu Hause, in der Schule und andernorts sehr oft gehänselt werden. Um dem zu entgehen versuchen sie in einer falschen Rolle zu leben. Sie zwängen sich in die Rolle Junge, was aber nicht geht weil sie Mädchen sind.

    Gleiches gibt es natürlich auch anders herum. Jungs, die aufgrund der Genitalien dem falschem Geschlecht Mädchen zugewiesen wurden.

    Liebe Grüße Lotty
    Vorstand Vereinigung-TransSexuelle-Menschen e.V. (VTSM)

  3. Kriss Rudolph

    Liebe Lotty, Sie haben sicher mit all dem recht, was Sie schreiben. Nur behaupte ich an keiner Stelle, dass irgendjemand bloß etwas spielt. Mir ist die Vielschichtigkeit des Trans*Themas durchaus bewusst – ebenso wie die Tatsache, dass in der Berichterstattung und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung oft vieles durcheinander geworfen wird. Darum beschäftigen wir uns in einer der nächsten MÄNNER-Ausgaben auch ausführlich mit dem Thema und kommen bei der Vorbereitung und der Recherche bestimmt auf Sie zu.

    Mit herzlichen Grüßen,
    Kriss Rudolph

  4. Kati

    Die im Artikel beschriebenen Kinder „Jungs, die es lieben, geschminkt und in hübschen Mädchenkleidern stolz über einen Laufsteg zu laufen.“ haben nichts mit den Kindern bei Trans-Kinder-Netz e.V. gemein!


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