Nuernberg Schild auf einer Pegida Gegendemonstration mit roter Rose und dem Schriftzug Refugees welc

Mehr Hilfe für queere Flüchtlinge

Auch Nürnberg eröffnet eigene LGBTI-Unterkunft

Während die EU-Innenminister in Amsterdam darüber streiten, wie Europa seine Außengrenzen besser sichern kann und einige Länder weiter ihre Grenzen kontrollieren wollen, diskutiert man in Deutschland über den Plan der rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidaten Julia Klöckner, Grenzzentren zu errichten und Flüchtlinge nach Tageskontingenten ins Land zu lassen.

Berliner Unterkunft bietet Platz für bis zu 120 LGBTI-Flüchtlinge

Doch es gibt in der Flüchtlingsfrage auch konkrete, positive Entwicklungen. Da Schwule in den voll belegten Flüchtlingsheimen oft Diskriminierung, Bedrohung und zum Teil Gewalt erleben, wie Fälle u. a. aus Berlin, Nürnberg und Dresden zeigen, wird vielerorts daran gearbeitet, LGBTI-Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen und eigene Unterkünfte zu schaffen. So wurde nach langer Suche eine Immobilie für Berlin gefunden worden, die ab März bis zu 120 Menschen Platz bietet. Betrieben wird das Heim zukünftig von der Berliner Schwulenberatung. Deren Geschäftsführer Marcel de Groot schätzt, dass sich in Berlin etwa 3500 homosexuelle oder transgeschlechtliche Flüchtlinge aufhalten.

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Noch wird in der Nürnberger Unterkunft gearbeitet. (Foto: Screenshot/BR)

Am Abend folgte eine ähnliche Nachricht aus Nürnberg: Dort wird bereits in der kommenden Woche eine Unterkunft speziell für homosexuelle Flüchtlinge eröffnet. Dafür hat der schwul-lesbische Verein „Fliederlich“ ein leerstehendes Gebäude in einem innerstädtischen Stadtteil angemietet. Träger ist die Stadt Nürnberg, die nach Angaben des Vereins „sehr gut“ kooperiert.

Auf zwei Etagen ist Platz für bis zu zehn schwule, lesbische und transsexuelle Flüchtlinge, die schon nächste Woche einziehen können. Dort sollen sie sich selbst versorgen, ein fester Kreis von Helfern wird sie betreuen. Bisher haben sich 25 homosexuelle Flüchtlinge an den Verein gewandt. Laut „Fliederlich“-Geschäftsführer Michael Glas sind bis zu 600 der 8.000 in Nürnberg untergebrachten Asylbewerber homosexuell.

Eine Initiative des österreichischen Innenministeriums: Mit diesem Flyer wird Flüchtlingen klar gemacht, dass es falsch ist, Frauen zu schlagen und dass es okay ist, wenn zwei Schwule oder zwei Lesben einander küssen.

Eine Initiative des österreichischen Innenministeriums: Mit diesem Flyer wird Flüchtlingen klar gemacht, dass es falsch ist, Frauen zu schlagen und dass es okay ist, wenn zwei Schwule oder zwei Lesben einander küssen.

Damit kommt ein Teil der schwulen oder lesbischen Flüchtlinge aus der Schusslinie. Aber wie geht man mit den Verursachern der Übergriffe um, mit denjenigen, die LGBTI-Menschen bei uns das Leben zur Hölle machen, weil sie es aus ihrer Heimat nicht anders kennen? Die Niederländer haben sich dazu etwas einfallen lassen: Flüchtlinge in Asylunterkünften bekommen jetzt Nachhilfe in Homo-Rechten. Das teilte Bildungsminister Jet Bussemaker gestern mit. Dafür bedient man sich der Unterrichtsmaterialen, die auch in der Oberstufe anwendet werden. Das soll für mehr Sicherheit sorgen und klar machen, dass homophobe Diskriminierung in Holland nicht toleriert wird.“ Man dürfe nicht naiv sein, erklärte Minister Bussemaker. Die Flüchtlinge kämen aus Ländern, wo es keine Schwulenrechte gebe und auch nur bedingt Frauenrechte. Das Bildungsministerium wird das Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen und in den Unterkünften soll entscheiden werden, wie es eingesetzt wird.

Sind LGBTI-Unterkünfte stigmatisierend?

Auch über eigene LGBTI-Unterkünfte für Flüchtlinge wird in Holland diskutiert, nachdem es in Amsterdam und Rotterdam wiederholt Übergriffe auf schwule Bewohner gegeben hat. Während Bussemaker dafür ist, lehnt der Staatsminister im Justizministerium, Klaas Dijkhoff, sie als stigmatisierend ab. Auch die Flüchtlingsorganisation COA ist dagegen.

Mehr zum Thema: Die Rainbow Refugees aus Frankfurt/Main bieten Ersthilfe für Flüchtlinge, die es doppelt hart trifft: Schwule, Lesben, Transgender.

Titelbild: Imago/Eibner


10 Kommentare

  1. Jobst Mahrenholz

    Vergewaltigung in der Ehe, und die damit einhergehende Gewalt, ist in Deutschland auch noch nicht so lange im Recht ethabliert. Und § 175, der Homosexualität unter Strafe stellt, wurde erst in den 90er Jahren abgeschafft. Eine Rehabilitation der Opfer dieses Unrechts lehnt die Bundesregierung nach wie vor ab. Die selbe Regierung, die Geschäfte mit Saudi Arabien tätigt, obwohl Frauenrechte dort praktisch nicht existieren und Schwulen die Todesstrafe droht. So lange solche Agreements existieren, wird sich wohl auch nicht viel ändern. Überall da, wo Religion und Glaube die Oberhand gewinnt, haben Menschenrechte das Nachsehen. Bitter

  2. Mathew Chick

    Richtig so! Wir leben in Deutschland und unsere Kultur ist etwas anders, wem das nicht passt , kann sich gerne wieder umdrehen und da hin gehen wo er her kommt! 🙂


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