„Ich wäre der letzte Dreck gewesen”

Donald Hallman wird 60 Jahre nach seinem Ausschluss vom Militär rehabilitiert

Donald Hallman ist 82 Jahre alt. Zwei Jahre diente er beim Militär, das war in den 1950ern. Von heute auf morgen wurde er damals entlassen. Unehrenhaft. Begründung: Er sei ein „Class 2 Homosexual“. So wurden damals Schwule kategorisiert, die sich als Militärangehörige homosexuelle Handlungen haben zuschulden kommen lassen – oder dies auch nur versucht haben.

In Frankfurt geriet er in eine verdeckte Ermittlung

Hallman wurde damals unehrenhaft entlassen, weil er in Frankfurt/Main, wo er 1955 stationiert war, bei einem Treffen mit einem jungen Mann erwischt wurde. Das „Treffen“, wie Hallman es schildert, fand zufällig statt, auf einem Bürgersteig – und es sei nicht mal etwas passiert. Plötzlich stand die Polizei hinter ihnen. Es war wohl eine Undercoveraction, eine verdeckte Ermittlung, in die er geraten war. Damals war er 21 und schämte sich so sehr, dass er alle Unterlagen vom Militär verbrannte und mit niemanden darüber sprach. Nicht mit seiner Frau, nicht mit seinen Kindern. Man wäre damals der letzte Dreck gewesen, sagt Hallmann. Es hätte sein Leben zerstört.

Knapp 60 Jahre später – Hallmann wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann, gründete zwei Firmen mit über 200 Angestellten – vertraute er sich seiner Tochter an. 2010 war die „Don’t ask don’t tell”-Praxis im US-Militär beendet worden, wonach es Soldaten verboten war, öffentlich homosexuelle Beziehungen romantischer oder sexueller Art zu führen.

Wir sind so stolz, diese großartige Nachricht zu verkünden

Hallman wandt sich nun an den Untersuchungsausschuss der Army, um seinen unehrenhaften Status anzufechten. In der vergangenen Woche endlich wurde seinem Antrag stattgegeben. Seither gilt er als ehrenhaft entlassen.

„Wir sind so stolz, diese großartige Nachricht zu verkünden“, teilte die LGBTI-Organisation Stonewall Columbus mit, die dem früheren Soldaten seit Juni unterstüzt hat. Der demokratische Senator Sherrod Brown aus Ohio Democrat, der Hallman ebenfalls unterstützt hat, schätzt, dass damals insgesamt 100.000 Soldaten aufgrund ihrer Sexualität unehrenhaft entlassen worden sind. Auch der Anspruch auf Sozialleistungen, die sie sich verdient haben, wurde ihnen verwehrt.

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2012: Marine Sgt. Brandon Morgan wird bei der Rückkehr von seinem Partner Dalan Wells empfangen.

Mittlerweile ist auch das Normalität in den USA: Traditionell wird bei der Rückkehr von US-Soldaten nach einem langen und gefährlichen Einsatz im Ausland der erste Kuss eines Paares in den Medien zelebriert. Lange war das nur heterosexuellen Paaren vorbehalten. Inzwischen werden auch schwule oder lesbische Paare gefeiert.

Titelbild: Imago/Fernando Baptista


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