Evangelische Kirche in Hamminkeln Niederrhein Nordrhein Westfalen D Hamminkeln Issel Naturpark H

Lasst die Kirche im Dorf!

Ein Kommentar zur Eheöffnung in der Evangelischen Kirche im Rheinland

Ich schäme mich ein bisschen. Ach, seien wir ehrlich: Ich schäme mich ziemlich. Für jeden Angehörigen* meiner Community, der sich am Freitag gar nicht fassen konnte vor Freude darüber, dass die Evangelische Kirche im Rheinland nun auch Männern Männer und Frauen Frauen antraut. Für die Facebookposts auf Seiten sonst stolzer Aktivisten, für die gute Presse für das Ereignis auf der Webseite der queeren Kollegen, für jedes Like unter den Beiträgen des rheinischen Emanzipationsministeriums und den Leuten von HUK. Weil diese Freude so kurzsichtig ist, die Fakten ignoriert und ein Problem auch nur als ansatzweise gelöst darstellt, dass auch die nächsten 50 Jahre nicht gelöst werden wird, weil es kein spirituelles, sondern ein organisatorisches ist. Es geht gar nicht um Gott, sondern um eine komplett verknöcherte Institution, deren einer Gründungsmythos eben die Überlegenheit des heterosexuellen, weißen Mannes über alle anderen Geschöpfe ist. Wäre die Kirche ein solcher Mann, sie wäre seit Freitag einer, der sein schwules Kind ständig verdrischt, außer wenn sie im Rheinland und in Hessen sind. Wofür ihm das Kind furchtbar, furchtbar dankbar ist, ihn sehr liebt und sich überall sonst gern grün und blau schlagen lässt.

Sorry, hab ich was verpasst?

Rekapitulieren wir nochmal kurz: Was ist eigentlich passiert? Am Freitag beschloss die Evangelische Kirche im Rheinland bei ihrer Synode in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit 195 zu 16 Stimmen (sieben Gegenstimmungen, neun Enthaltungen), dass künftig auch gleichgeschlechtliche Paare in ihren Gotteshäusern vor den Traualtar treten dürfen. Trauung heißt in der Rheinischen Kirche „ein Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung, in dem die eheliche Gemeinschaft unter Gottes Wort und Segen gestellt wird”. Außer der Pfarrer hat was dagegen oder die Gemeinde, dann is’ Essig und die Liebenden müssen in der Kirche der Nachbargemeinde heiraten. Außer, die haben auch was dagegen. Dann geht der unwürdige, aber ja wahnsinnig weltoffene Stuhltanz bis zur ehelichen Gemeinschaft unter Gott noch ein bisschen weiter. „Ich freue mich sehr über diese Entscheidung, denn sie ist getragen von dem, was Ehe im Kern immer ausmachen sollte: liebevolle Zuwendung, die alle Menschen empfinden, leben und weitergeben können, ganz egal welche sexuelle Orientierung sie haben”, so die nordrhein-westfälische Emanzipationsministerin Barbara Steffens (BündnisGrüne). Die Rheinische Kirche soll damit für viele gleichgeschlechtliche Paare „die Harmonie zwischen Glauben, Liebe und Institution Kirche hergestellt” haben. „Das ist ein großer Schritt”. Sorry, hab ich was verpasst? Ich dachte, die Rheinische Evangelische Kirche hätte gerade in einer fast durchgängig katholischen Gegend als zweiter von zwanzig möglichen Kirchenbezirken, in einem bislang fünf Jahre dauerndem Prozess, beschlossen, dass Homopaare jetzt die gleichen, juristisch natürlich absolut wertlosen, Rechte haben, wie alle heterosexuellen Gläubigen seit 500 Jahren. Außer, der Pfarrer oder irgendwer sonst in der Gemeinde kann die Widerlichkeit der Angelegenheit nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.

Sind evangelische Paare dann eigentlich im Rheinland verheiratet, aber überall sonst nicht?

Wenn das in dieser Geschwindigkeit weiter geht, wird unter Umständen 2065 der letzte evangelische Kirchenbezirk in Deutschland beschließen, jetzt auch Homopaare zu trauen. Super, oder? Nicht wirklich. Denn die kirchenpolitische Nebelkerze, wegen der da allgemein frohlockt wird, verbirgt, dass jedes schwule oder lesbische Mitglied der evangelischen Kirche in Deutschland – und nur die werden sich deren Segen künftig abholen dürfen – über das simple Zahlen von Kirchensteuer auch folgende Dinge mitfinanziert: Homophobie, Transphobie und Mord und Totschlag unter ihres- oder seinesgleichen rund um die Welt, die Abtreibungs- und HIV-Präventions-Politik der Kirchen, homophobe Bischöfe und ignorante Evangelikale. Sie, verehrter Mithomosexueller, wollen das alles nicht? Dann treten Sie einfach aus der Kirche aus, auch auf die Gefahr hin, dass Sie dann nicht im Kölner Dom heiraten dürfen. Das geht als Evangele eh nicht und die Domplatte ist seit Silvester sowieso nicht mehr der glamouröseste Ort. Kurze Zwischenfrage: Sind evangelische Paare dann eigentlich im Rheinland verheiratet, aber überall sonst, außer in Hessen/Nassau und einigen Gemeinden in Brandenburg, nicht mehr? Das schränkt den Radius für Hochzeitsreisen, bei denen man nicht permanent mit einem Bein in Gottes Segen steht, während das andere schon in der Sonne der allgemeinen Verdammnis gebräunt wird, arg ein, oder? Was ich sagen will: Schwule und Lesben, die für ihr Lebensglück so auf den Segen einer Institution angewiesen sind, die für die weltweite Homophobie unter den meisten ihrer Anhänger mitverantwortlich ist, dass sie den Hass auf ihresgleichen, den die Kirchen in anderen Ländern verbreiten, mitfinanzieren, wünsche ich an dieser Stelle Gottes Vergebung. Sie werden sie brauchen. Alle anderen machen bitte einfach das Kreuz grade und lassen die Kirche im Dorf.

Bild: Imago/Werner Otto



20 Kommentare

  1. Fabian E. Oppermann

    Nur ein atheistischer Schwuler ist ein guter Schwuler? Gibt es demnächst ein entsprechendes Zeugnis oder eine Urkunde? Menschen, denen Religion etwas wesentliches bedeutet, dürfen in Sachen LGBTIQ nicht umgedacht haben und nicht offen sein?

  2. Jörn Wieczorrek

    So ein Unsinn. Der Autor hat auch sehr wenig Ahnung von evangelischen Landeskirchen. Kirchenbezirke sind in Wahrheit selbständige vollgültige Kirchen. Darum kann man sehr Mitglied einer liberalen Kirche sein, aber zum Beispiel in Sachsen begründet austreten. Nebenbei als Mitglied in homosexuellen Vereinigungen finanziert man such manchen Unsinn mit und als Käufer von Männer finanziert man diesen merkwürdigen Artikel mit. Also Männer kauft keine „Männer” mehr, wäre dann nur logisch. Sorry Kriss Rudolph

  3. Sebastianus Agricolanova

    Werden die Artikel bei ,,Männer” auch lektoriert oder einfach so online gestellt? Dieser Text ist schriftsprachlich kein Bravourstück.
    Abgesehen davon: Leider scheint dem Schreiber einiges an Kontextwissen zu fehlen; die pöbelnde Haltung ist kaschiert, aber leider allzu deutlich und daher wenig überzeugend. Auch wenn er es kaum glauben mag: Ja, es gibt Queers, die christlich sozialisiert wurden und denen Spiritualität auch wichtig ist.
    Und natürlich ist das, was passiert ist, ein weiterer ,,großer Schritt”. Dass diese Eheschließung keine juristische Gültigkeit hat, kann der Kirche wohl kaum angelastet werden (Stichwort:Politik)!

  4. Tim Alberts

    Ich bin mit 18 Jahren kein Mitglied dieser Glaubens Gemeinschaft..nicht aus Verbitterung, sondern mit der Erkenntnis das ich als Mensch kein Vaterlistischen glauben brauche um zu leben !
    Wer jeden Monat fleißig Kirchensteuer zahlt allerdings bis heute nicht heiraten darf..nun der sollte sich mal fragen was in seinem Leben schief läuft ?!
    Wer möchte kann mir jeden Monat 20 Euro überweisen und ich schwöre () das wenn die Person tot ist persönlich dafür sorge das Er/Sie oder Transgender in den Himmel kommt !
    Ganz bestimmt

  5. Peter Mocikat

    Stimmt genau, die haben sich nur etwas geändert, weil inzwischen mehr Menschen ohne Scheu für Gleichberechtigung kämpfen und ihnen sonst immer mehr Schafe davonlaufen würden. In den fünfziger und sechziger Jahren hätten die empört reagiert und bestenfalls solche als krank hingestellt. Der § 175 aus der Kaiser- und Nazizeit war ja grundgesetzwidrig noch rechtsgültig bis in die demokratische Nachkriegszeit und § 216. Das sind die monotheistischen Religionen alle mit verantwortlich.

  6. Peter Mocikat

    Aber nur im Hinblick auf die fanatische Auslegung der 3 monotheistischen Weltreligionen. Es ist nicht nötig deshalb gleich Atheist zu werden, da schüttet man das Kind mit dem Bade aus. Siehe die drei berühmten ehemaligen katholischen Theologen Küng, Ute Ranke-Heinemann und Eugen Drewermann.

  7. David Farago

    Nein, es ist jedoch inkonsequent bei einem Konzern Mitglied zu bleiben, der homosexuelle Menschen als kranke Personen bezeichnet und noch verbrennen würde, wenn er es noch dürfte. Was jeder für sich glaubt ist Privatsache und dazu braucht keiner den Verbrecherkonzern Kirche.

  8. David Farago

    Nein, es ist jedoch inkonsequent bei einem Konzern Mitglied zu bleiben, der homosexuelle Menschen als kranke Personen bezeichnet und noch verbrennen würde, wenn er es noch dürfte. Was jeder für sich glaubt ist Privatsache und dazu braucht keiner den Verbrecherkonzern Kirche.

  9. Kai Günnemann

    Ich bin nicht mehr in der Kirche und halte das trotzdem für einen Fortschritt! Ich werde nicht wieder eintreten freue mich aber für die homosexuellen Menschen die gerne kirchlich heiraten möchten und das jetzt zumindest in dieser Landeskirche tun können!

    Muss ich mich dafür als guter linksversiffter Gutmensch jetzt dafür schämen?

    Es gibt einfach auch unter den Schwulen echte Fanatiker denen man es nunmal nicht recht machen kann..! Und dafür schäme ich tatsächlich manchmal …!

  10. Jens Brathering

    Völliger Quatsch…dann müssen bitte auch alle Mithomos auswandern, weil das politische Deutschland so homofeindlich ist! Man kann sehr wohl teil einer christlichen, modernen und aufgeschlossenen Gemeinde sein und es wichtig finden, ganz persönlich wichtig finden vor Gott und der eigenen Gemeinde verheiratet zu werden! Und wie immer gilt in Glaubensfragen wohl, dass es sich hier schlecht streiten lässt!

  11. Timo Zirkler

    Ich trete aus… Aber wenn sich diezuständige Kirchengemeinde oder das Standesamt einbildet dass ichdafür auch noch bezahle irren Sie sich, die sollen den Austritt mit der Kirchensteuer verrechnen.

  12. Bastian Schons

    Die Entscheidung in der Evangelischen Kirche im Rheinland ist, wie hier schon von Kennern der Kirchenszene erklärt wurde, eine synodale Mehrheitsentscheidung. Die vorangegangene Diskussion auf der Landessynode 2016 war sehr offen und fair. Im Ergebnis gab es nur wenige Gegenstimmen und Enthaltungen bei mehr als 200 Stimmberechtigten. Insgesamt freue ich mich sehr, über diesen Beschluss und empfinde Ihn persönlich als wegweisend und als Bestätigung des Kurses der letzten Jahrzehnte. Viele Landeskirchen haben bereits ähnliche Entschlüsse gefasst, jeweils mit großer Mehrheit. Wer hier noch pauschal von Homophobie quatsch hat bereits Jahrzehnte der Entwicklung verpasst. Bereits 2000 hat die rheinische Kirche einen liberalen Beschluss gefasst, in dessen Folge mein Mann und ich für unser Ja-Wort 2012 auch den kirchlichen Segen erhalten haben. Der Staat war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so weit. Insofern darf man sich im Rheinland hier durchaus als VORREITER betrachten. Es ist sicher nicht überall rosarot (wer ist schon so naiv?), aber wer eine faire, weltoffene und einladende Gemeinschaft sucht ist hier herzlich willkommen! So habe ich „meine” Kirche in den letzten 20 Jahren durchweg mit großem Einsatz und Tiefgang erlebt.

  13. RoseLi Welbeck

    Ach ihr Männer „von Welt” – schonmal was von Menschenliebe, Mit – + Füreinander, Loyalität etc gehört oder sogar mitbekommen ? Die Kirche ist ein „teurer Laden”geworden , und nich erst seit gestern. Sie hat über Jahrhunderte nicht verlernt, den Menschen zu nötigen, DEN Glauben der Kirchenmänner aufzudrücken ! Was man lange schon wußte und über die Medien in aller Welt zu Tage kam / kommt = Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen durch „Gottesdiener”!!!!!!
    Die „echten Gläubigen” im Kirchendienst sollte nich unter ihren „Brüder” leden, sie tun sehr gut daran, Menschen in ihrem Glauben an DAS Leben zu unterstützen , mit Gottes- und natürlich Menschenliebe – das ist das Leben wie es der liebe Gott für seine „Schäfchen”gewollt hat , jeder ist eine eigene Persönlichkeit mit SEINEM Glauben an das Leben. Das ist für mich ein liebender, verständnisvoller Gott den ich respektieren kann ; sein Team auf Erden hat noch viel dazuzulernen ! Viel Glück der kleinen, schönen Kirche und den Machern, liebe Grüße von einer Hessin aus Berlin

  14. Volker Schupetta

    Gibt es DIE Kirche? Nein – also dummer Kommentar! Wir sprechen hier über die evangelische Kirche! Ausserdem kann und darf und sollte es jeder entscheiden können wenn er noch darf!


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close