Magnus geht in Serie

Die 2. Staffel der preisgekrönten Serie „Transparent“ läuft auf Deutsch an

Die 2. Staffel der preisgekrönten Serie „Transparent“ gibt‘s jetzt auch auf Deutsch. Neben Gästen wie Peaches und Anjelica Huston hat dort auch der berühmte LGBTI-Pionier aus Berlin einen Auftritt

An Dramen wird es im Leben der Familie Pfefferman nie knapp. In der 2. Staffel der Serie kommt es zu einer großartig verpatzten Hochzeit, einer Fehlgeburt, zu Eifersuchtsdramen und anderen großen Enttäuschungen.  Natürlich gibt es auch positive Entwicklungen: Maura Pfefferman, die von ihren Kindern „Moppa“ oder schlicht „Mop“ genannt wird – eine Kreuzung aus Momma und Papa –, nimmt nun selbstbewusst an gesellschaftlichen Ereignissen teil, beginnt Hormone zu schlucken und zieht zu ihrer Trans*Freundin Davina. Doch beim Besuch des Frauen-Musikfestivals Idyllwild muss sie feststellen, dass sie als Frau noch lange nicht akzeptiert ist, da dort nur biologische Frauen erwünscht sind.

Transparent

Maura Pfefferman (l.) und Trans*Freundin Davina

Tochter Ali, die sich in Staffel 1 noch mit zwei Kerlen zu vergnügen suchte, erlebt ihr lesbisches Coming-out. Schwester Sarah wendet sich erst ihrem Drogendealer zu und schließlich einer lesbischen Domina. Sexualität ist etwas sehr Fließendes im Hause Pfefferman.

Viele Mitarbeiter Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld, Gärtner, Köche und Putzpersonal, waren inter oder trans

Ein wichtiger Erzählstrang führt den Zuschauer in Flashbacks ins Berlin der 1930er Jahre. Dort treffen wir Mauras Mutter Rose Pfefferman und ihren Bruder Gershon, der als Frau lebt und sich Tante Gittel nennt – gespielt vom New Yorker Transmodel Hari Nef. Wir begegnen den Geschwistern im Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. Es ist 1933. Berlin pulsiert – noch. Im Institut finden Cocktailpartys und Kostümbälle statt. Vor allem waren dort aber ein Museum und eine Bibliothek untergebracht. Es gab ein Beratungsangebot und medizinische Versorgung für Schwule,  Lesben und Trans*Menschen. Viele Mitarbeiter des Hauses wie Gärtner, Köche und Putzpersonal waren inter oder trans. Hirschfeld, der zu den „sexuellen Zwischenstufen“ forschte, vertrat die Grundidee, dass alle humanen Eigenschaften (körperlich und seelisch) in männlicher und weiblicher Form auftreten. Demnach gäbe es keinen „Vollmann“ mit ausschließlich männlich konnotierten Eigenschaften und kein „Vollweib“ mit nur weiblichen. Laut Sexualforscher Volkmar Sigusch war Hirschfeld „der erste, der etwas Menschen- achtendes über Transmenschen gesagt hat.“ Schon 1909 hatte Hirschfeld die Polizei überzeugt, Trans*Menschen eine Genehmigung auszustellen, mit der sie sich als Crossdresser in der Öffentlichkeit bewegen konnten, ohne verhaftet zu werden. Außerdem vermittelte sein Institut geschlechtsangleichende Operationen.
Hirschfeld ist daher wie geschaffen als Schutzheiliger für eine Serie, in deren Zentrum ein Mann steht, der sich im vorgerückten Alter vor seiner Familie als trans outet.

Die Hirschfeld-Figur in „Transparent“ ist dramaturgisch von untergeordneter Bedeutung. Doch markiert sie sein Debüt in einer US-Mainstreamserie

Den Nazis waren Hirschfelds Vorstellungen verhasst. Am 6. Mai 1933 stürmten sie das Institut und verbrannten alle Bücher und Forschungsaufzeichnungen. „Transparent“ zeigt Hirschfeld zu diesem Zeitpunkt in seiner Villa, was historisch nicht exakt ist, da er bereits drei Jahre zuvor Deutschland für immer verlassen hatte. Von der Vernichtung seines Instituts hörte er in Paris. Die Hirschfeld-Figur in „Transparent“ ist dramaturgisch von untergeordneter Bedeutung. Doch markiert sie sein Debüt in einer US-Mainstreamserie, was diese umso sehenswerter und bemerkenswerter macht.

Die 2. Staffel von „Transparent” ist seit dem 11. Dezember 2015 in der englischen Originalfassung über Amazon Video abrufbar. Ab dem 29. Januar 2016 ist dann auch die deutsche Synchronfassung verfügbar. Amazon hat auch schon eine 3. Staffel in Auftrag gegeben.

Der vollständige Artikel ist erschienen in MÄNNER 2.2016.

Fotos: Amazon/Transparent


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