Oscars: Rassistisch und homophob?

Ian McKellen und Ellen Page kritisieren Hollywood

In gut vier Wochen werden die Oscars verliehen, zum mittlerweile 88. Mal. Vor einigen Wochen begann zunächst eine Rassismus-Debatte, weil alle Anwärter auf die goldene Trophäe weiß sind. Will Smith und Gattin Jada wollen die Preisverleihung darum boykottieren. Nun wird der Oscar Academy auch – mal wieder – Homophobie vorgeworfen. Den Anfang machte Ian McKellen zu Beginn der Woche.

„Kein offen schwuler Mann hat je den Oscar gewonnen und ich frage mich, ob das mit Vorurteilen zu tun hat oder einfach Pech ist“, sagte der 76-Jährige, der zweimal nominiert war (für seine Hauptrolle in „Gods and Monsters“ und seine Nebenrolle in „Herr der Ringe“).

Ich bin stolz, der erste schwule Mann zu sein, der den Oscar gewinnt.

Für den Fall des Gewinns hatte er eine Rede vorbereitet: Ich bin stolz, der erste schwule Mann zu sein, der den Oscar gewinnt. „Ich musste die Rede zweimal zurück in die Tasche stecken.“

Er habe große Sympathie für jede Gruppe, die sich von der Filmindustrie unterrepräsentiert fühlt, sagt er im Video. Was die Oscars betrifft, sei das symptomatisch für ein größeres kulturelles Problem.

Nun hat Ellen Page nachgelegt und Hollywood vorgeworfen, in Bezug auf das Thema Homosexualität mit zweierlei Maß zu messen. Page, die für ihre Rolle in „Juno“ nominiert war, hatte sich vor zwei Jahren geoutet. Im April kommt ihr neuer Film „Freeheld“ ins Kino, in dem sie die Geliebte von Julianne Moore spielt.

freeheld

Julianne Moore (l.) und Ellen Page (Foto: Promo)

In einem Interview sagte sie, sie sei gefragt worden, ob sie befürchte, zu sehr festgelegt zu werden, wenn sie immer wieder lesbische Frauen spiele. „Aber niemand fragt: Du hast sieben Hetero-Rollen in Folge gespielt, solltest Du jetzt nicht mal was Queeres spielen?“

Immerhin, so Page, gebe es in Hollywood eine langsame Öffnung für mehr Diversität. Außerdem wies sie auf den schwulen Kollegen Zachary Quinto hin, der in Blockbustern wie den neuen „Star Trek“-Filmen besetzt werde. Trotzdem bleibt die Tatsache: Es wurde noch nie ein offen schwuler Schauspieler mit einem Oscar ausgezeichnet.

Obwohl statistisch gesehen in der Oscar-Jury 400 bis 600 homosexuelle Mitglieder sitzen dürften: Der Club wird von weißen, heterosexuellen Männern mittleren Alters geschmissen.

Dazu muss man natürlich sagen: So schrecklich viele offen schwule Schauspieler gibt es auch gar nicht (in Hollywood aber immer noch mehr als in Deutschland). Außerdem lohnt ein Blick auf die Zusammensetzung der Oscar-Jury: Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) hat rund 6000 Mitglieder. Auf der Namensliste finden sich neben Namen wie Tom Hanks, Michael Mann, Jennifer Lopez und Prince immerhin auch drei offen homosexuelle Filmer: die Regisseurin Lisa Cholodenko („The Kids Are Alright“), der Autor und Regisseur Bill Condon, der unter anderem für „Chicago“ und einige der „Twilight“-Teile verantwortlich zeichnete, sowie der Produzent und zweifache Oscar-Preisträger Rob Epstein, bekannt für große Schwulendokus wie „The Celluloid Closet“ und „The Times of Harvey Milk“. Auch wenn sie hinter der Kamera die Fäden ziehen, so gehören diese drei doch zu den 50 einflussreichsten Personen, wenn es um die Oscars geht. Allerdings gab es in der fast 90-jährigen Geschichte der Academy keinen schwulen (oder lesbischen) Präsidenten. Obwohl statistisch gesehen in der Oscar-Jury bis zu 600 homosexuelle Mitglieder sitzen dürften: Der Club wird von weißen, heterosexuellen Männern im mittleren Alter geschmissen.

Schwule und Lesben moderierten die Verleihung der Oscars

Dazu kommt, dass im vergangenen Jahr der schwule Broadway- und TV-Star Neil Patrick Harris („How I Met Your Mother“) die Show moderierte und damit in die Fußstapfen der lesbischen Moderatorin Ellen DeGeneres trat. Auch die Gags für die Show wurden jahrelang vom schwulen Comedian Bruce Villanch geschrieben.

Wem das alle noch nicht schwul, lesbisch oder trans genug ist – am 19. Februar finden die TEDDY Awards im Rahmen der Berlinale statt.

 

Titelbild: Promo


2 Kommentare

  1. Bernd Marquard

    Wäre aber auch blöd, wenn man einen Oskar gewinnen würde, nur weil man homosexuell ist.
    Das gleiche gilt für Schwarze. Wobei man sich da schon fragen muss, warum kein einziger nominiert wurde.
    Problem ist wohl auch, dass zu wenige ihr Coming-Out machen und Homosexuelle daher unterrepresentiert sind!


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