Michigan Municipal League / Flickr

15 Jahre Gefängnis für Analsex

Im US-Bundesstaat Michigan wurde ein Gesetzesentwurf vom Senat bestätigt, der Sodomie unter Strafe stellt

In seinem Buch „Vom Geist Amerikas“ hat der schwule Thomas-Mann-Sohn Golo bereits 1954 versucht den Deutschen zu erklären, dass die USA ein Land der Gegensätze sind – auch was „Prüderie und Ausschweifung“ sowie „Oberflächlichkeit und tiefe Religiosität“ betrifft. Daran sollte man sich vielleicht jetzt erinnern, wenn man die neuesten politischen Meldungen aus den Vereinigten Staaten vernimmt: Im Bundesstaat Michigan hat der Senat einen Gesetzesentwurf durchgewunken, wonach alle, die das Verbot von Analsex missachten, mit bis zu 15 Jahren Gefängnis rechnen müssen.

Es geht um die sogenannten „Sodomy Laws“, archaische Gesetze aus der Zeit der puritanischen Gründungsväter gegen homosexuelle Handlungen, die man – historisch gesehen – vor allem mit sündigem Analsex gleichsetzte. Allerdings betonte der Senat, es gehe beim jetzigen Gesetzesentwurf nicht gegen Schwule, sondern gegen alle Menschen, die Analsex praktizieren. Also auch heterosexuelle Paare, die ja neuerdings den ganz großen Analsex-Boom erleben (wenn Heteropornos irgendein Indikator sind). Das Argument, das angeführt wurde, um das bereits existierende Gesetz neu aufzulegen und zu bestätigen ist folgendes: Damit solle Bestialität, also Sex mit Tieren, unterbunden werden; was indirekt Bestialität mit Homosexualität gleichsetzt. Ein Klassiker aus dem Programm homophober Agitatoren.

Der Gesetzesentwurf besagt, dass es ein Verbrechen sei „den verwerflichen und abscheulichen Frevel gegen die Natur zu begehen, mit einem Menschen oder mit einem Tier“ Analsex zu haben.

Weil sich hier nach wie vor die Phrase „mit einem Menschen“ in der Formulierung findet, kann damit auch die Sodomie-Bestrafung aufrechterhalten bleiben. Obwohl der Supreme Court 2003 im Fall Lawrence vs. Texas entschieden hatte, dass Anti-Sodomie-Gesetze verfassungswidrig sind. Trotzdem haben zirka ein Dutzend US-Bundesstaaten ihre entsprechenden Gesetze nicht abgeschafft. Zu diesen Staaten zählt auch Michigan.

Jetzt, wo der Gesetzesentwurf den Senat passiert hat, wird es dem Kongress als nächsthöherer Instanz zur Zustimmung vorgelegt. Was immerhin die Chance bietet, die Phrase von den „Menschen“ doch noch zu streichen. Senator Rick Jones von den konservativen wahlkämpfenden Republikanern sagte allerdings schon, dass jeder Versuch in diese Richtung das gesamte Gesetzesvorhaben in Gefahr brächte, mit dem doch schließlich „die Tiere“ geschützt werden sollen.

Das Capitol-Gebäude in Lansing, Michigan. (Quelle: Michigan Municipal League / Flickr)

Das Capitol-Gebäude in Lansing, Michigan. (Quelle: Michigan Municipal League / Flickr)

Jones glaubt, dass Sodomie in Michigan nur dann entkriminalisiert werden könne, wenn man alle Gesetzte aus dem Gesetzbuch streichen würde, die verfassungswidrig seien. Aber er will nicht seine „Tierpetition“ als Anlass dafür nutzen, um diesen überfälligen Prozess ins Rollen zu bringen. Schon gar nicht, wenn’s dabei um die Rechte von Homosexuellen geht. (Ob sich Heteros auch aufregen, ist bislang in der US-Presse kaum thematisiert worden.)

Der Gruppe The New Civil Rights Movement (TNCRM) zufolge geht es in den Anti-Sodomie-Gesetzen der meisten US-Bundesstaaten direkt um schwule Sex. Aber Michigan gehört zu den wenigen Ausnahmen, wo die Kriminalisierung von Analsex alle Bürger betrifft, Heteros und Homos sowie das restliche LGBTI-Spektrum.

Obwohl die Bestrafung von homosexuellen Handlung verfassungswidrig ist, wurden entsprechende Gesetze auch in jüngster Zeit angewandt. Erst 2015 verhaftete die Polizei zwei Männer in Louisiana wegen Sodomie-Vorwürfen.

Ein Kommentator auf der Website von „The Advocate“ schrieb unten den Bericht zu Michigan, das alles sein „politische Sodomie“, weil die Gesetzesgeber „die Öffentlichkeit ficken“ – was erst Recht gesetzeswidrig sei und sofort gestoppt werden müsse!

 


20 Kommentare

  1. Fabian E. Oppermann

    Ohne mir jetzt Einzelheiten dieses „Gesetzes” reinzuziehen:

    Ich nehme an, was noch nicht gesetzlich ‘geregelt’ ist, ist wenn ich mir selbst meinen eigenen Finger ( oder gar zwei oder mehr.. ) in meinen eigenen Po stecke…

    —> Stichwort „Gesetzeslücken”

    [ Steuerflucht ist wohl aus sowas ähnliches… … … ]

  2. Amelie Goblirsch

    Und wer kontrolliert, ob und wann ich mir was in meinen Allerwertesten stecke?! 😀 Da kommt dann die Popopolizei und man wird mit Handschellen aus dem eigenen Schlafzimmer abgeführt ^^… Schwachsinn
    ..

  3. Elmar Schlang

    Können sie doch garnicht kontrollieren. Mal davon abgesehn dass der Vorteil in den U.S.A. noch ist, dass man mit den Füßen abstimmen kann. Wieder so ein etatistischer Schwachsinn halt.

  4. Elmar Schlang

    Können sie doch garnicht kontrollieren. Mal davon abgesehn dass der Vorteil in den U.S.A. noch ist, dass man mit den Füßen abstimmen kann. Wieder so ein etatistischer Schwachsinn halt.

  5. Elmar Schlang

    Können sie doch garnicht kontrollieren. Mal davon abgesehn dass der Vorteil in den U.S.A. noch ist, dass man mit den Füßen abstimmen kann. Wieder so ein etatistischer Schwachsinn halt.


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