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Alt. Jung. Läuft!

Ein Besuch im Berliner Mehrgenerationenhaus „Lebensort Vielfalt“

Bernd Gaiser und Robert Franke sind Nachbarn im Berliner Mehrgenerationenhaus „Lebensort Vielfalt“. Bernd ist 71, Robert 35 – zwei Freunde, die sich ohne das Wohnprojekt vielleicht nicht gefunden hätten

Anfangs, erzählt Bernd, war ein schwules Altenwohnprojekt geplant. Doch am Ende wurde der Lebensort ein Mehrgenerationenhaus. Zum Glück. „Wir haben festgestellt, dass ältere Schwule dazu neigen, sich zurückzuziehen und im eigenen Saft zu schmoren. Das kann man nur durchbrechen, wenn es ein vielfältiges Interessenspektrum gibt. Mit jüngeren Mitbewohnern schafft man mehr Anknüpfungsmöglichkeiten. Die Alternative wäre eine Gruppe, die nur ein Thema hat: ihr Alter, ihre Gebrechen, den zu erwartenden Tod.“

Das erhöhte Sicherheitsbedürfnis der Alten

Manchmal knirscht es leise zwischen den Jungen und Alten, wie sich am Gemeinschaftsgarten zeigte. „Einige Mieter wollten eine Hecke hochziehen, um sich dahinter kuschelig einzurichten.“ Aber das hätte dem Charakter des Hauses widersprochen. Es wurde lange gestritten, bis eine Mehrheit entschied, dass der Garten allen zugänglich sein soll. „Da machte sich das Alter einiger Bewohner bemerkbar: Sie wollten sich abschotten, hatten vielleicht ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und fühlten sich durch Gäste im Haus in ihrer Ruhe gestört.“
In der Regel kommen alt und jung jedoch gut miteinander aus. Kontakte ergeben sich über gemeinsame Interessen. Das kann Musik sein, Literatur oder Modelleisenbahnen. „Da spielt das Altersgefälle gar keine Rolle, weil die gemeinsamen Interessen im Mittelpunkt stehen“, sagt Bernd.

Es gibt für jede erdenkliche Lebenssituation schon eine Erfahrung: Irgendjemand hat eine bestimmte oder ähnliche Situation immer schon vorher erlebt.

Robert, der als Geschäftsführer einer kleinen Yogakette in Berlin arbeitet und vorher in einer Kommune gelebt hat, reizt am Mehrgenerationenhaus die altersmäßige Durchmischung. Der Jüngste ist 24, der Älteste 75, der Altersdurchschnitt liegt bei Mitte 50. Nur eines fehlt Robert hier. „In der Kommune lebten auch fünf Kinder. Das fand ich schon toll.“
Er schätzt es sehr, dass seine älteren Mitbewohner einen Fundus an Erfahrungen haben, von dem er profitieren kann. „Es gibt für jede erdenkliche Lebenssituation schon eine Erfahrung: Irgendjemand hat eine bestimmte oder ähnliche Situation immer schon vorher erlebt.“ Bevor er im Lebensort wohnte, war Robert noch nie auf einer Beerdigung gewesen. Hier musste er sich erstmals auch mit dem Tod auseinandersetzen, als 2014 ein Mitbewohner starb.

Wenn der Besuch beim Doktor das einzige Erlebnis ist

Dass ältere Menschen nur über ihre Wehwehchen sprechen, erlebt er hier aber seltener als anderswo. „Je weniger man rausgeht oder weniger man erlebt, umso mehr ist der Besuch beim Doktor eben das einzige Erlebnis“, sagt Robert. Gibt es also gar keine Probleme hier? Laute Musik vielleicht, über die sich Nachbarn beschweren? Da kann Robert nur verschmitzt lachen. „Die beiden Männer, die unter mir wohnen, sind zwar noch nicht so alt – aber beide haben ein Hörgerät.“

Der vollständige Artikel ist erschienen in MÄNNER 2.2016.

Foto: Jörn Hartmann


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