Schwule im Weltall

Am 14. Februar jährt sich der Spirk-Shirt-Day zum ersten Mal! Nie davon gehört? So geht es vermutlich auch den Zweien, die der Aktionstag zusammenbringen sollte: Mister Spock und Captain Kirk

Kampagnen gehören zur schwulen Szene dazu wie Kämme in einen Friseursalon. Es gibt gute, und es gibt gut gemeinte, und es gibt die, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Zu letzteren darf sich wohl das Projekt „Gays in Space“ zählen. Es wurde Anfang 2015 aus der Taufe gehoben mit dem hehren Ziel, eine schwule Revolution im Weltall loszutreten. Im legendären Kosmos von „Star Trek“ sollte endlich das zusammengebracht werden, was zusammengehört: Mister Spock und Captain Kirk. Um das Traumpaar ranken sich in der Fan-Fiction schon seit den 70er Jahren homoerotische Abenteuer, sodass sie unter eingefleischten Trekkies zu „K/S“, beziehungsweise in bester Brangelina-Manier zu „Spirk“ verschmolzen sind.

Boldly go and make this happen

Mit genau diesem Stichwort sollte die Revolution beginnen. Für den 29. Januar 2015 wurde auf dem Blog „Gays in Space“ eine Twitter-Übernahme anberaumt, bei der Fans unter #Spirk ihrem Bedürfnis nach einer schwulen K/S-Lovestory im neuen Kinoabenteuer „Star Trek Beyond“ (ab Juli 2016 im Kino) Luft machen und ihre Begründung an die Drehbuchautoren Simon Pegg und Doug Jin sowie Regisseur Justin Lin und die produzierenden Paramount Studios zwitschern sollten. So begann der Stichtag mit dem flammenden #Spirk-Appell „Boldly go and make this happen (…) Show us a better Future“ („Geht mutig voran und macht es möglich (…) Zeigt uns eine bessere Zukunft“). Das „boldly go“ war natürlich ein Star-Trek-Zitat. Danach ging die Übernahme etwas behäbig weiter, bevor sie nach 24 Stunden und 57 weiteren #Spirk-Apellen mit den Worten endete: „Es ist Zeit! Lasst uns endlich an der Liebe zwischen dem Captain und seinem ersten Offizier teilhaben.“ Mission erfüllt!

„Star Trek Beyond“ wurde in Dubai, Kanada und den USA abgedreht, ohne dass es eine Reaktion auf das #Spirk-Gewitter gegeben hätte.

Und weil‘s so schön war, wurde ein weiterer Aktionstag nachgeschoben, für den man Enterprise-Regenbogen-Shirts entwarf, mit denen sich 30 K/S-Streiter (die übrigens allesamt weiblich waren) fotografierten und die Bilder im „Gays in Space“-Blog hochluden.
Am 14. Februar ist dieser Spirk-Shirt-Tag ein Jahr her. Ein Jahr, in dem nichts mehr passiert ist. Abgesehen davon, dass „Star Trek Beyond“ von Juni bis Oktober in Dubai, Kanada und den USA abgedreht wurde, ohne dass es irgendeine Reaktion auf das #Spirk-Gewitter gegeben hätte. Obwohl … Infos über die Handlung und mögliche Neuerungen sind bis zum Kinostart im Juni streng geheim, aber wenigstens sickerte durch, dass die Kirk- und Spock-Darsteller Chris Pine und Zachary Quinto Verträge für einen weiteren „Star Trek“-Film unterschrieben haben. Etwa weil eine aufregende Liebesgeschichte weitererzählt werden muss? Die durch die Botschaften der Twitter-Übernahme in Gang gebracht wurde? Wer‘s glaubt!

Fortschrittlicher Umgang mit Geschlechtern und Hautfarben

Alles vergeblich also? Aber nein. Um einen tieferen Sinn in der „Gays in Space“-Aktion zu erkennen, muss man sich nur von ihm verabschieden. Dabei hilft ein erneutes Studium der Aktionsbeschreibung im „Gays in Space“-Blog. Dort ist neben stimmigen Analysen über den fortschrittlichen Umgang mit Geschlechtern und Hautfarben in den frühen „Raumschiff Enterprise“-Folgen aus den 60er Jahren sowie dessen Verflachung in den späteren Kino-Blockbustern auch zu lesen: „Realistisch gesehen, wird diese Aktion keine Auswirkungen auf den neuen Star-Trek-Film haben, aber wenigstens können wir danach sagen, dass wir aufgestanden sind für die Gleichberechtigung, die Repräsentanz und die kühne Einstellung, für die Star Trek einmal gestanden hat.“

Mehr zum Thema in MÄNNER 2.2016

Titelbild: Paramount/Star Trek


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