Alfred brendel Decca Classics

Alfred Brendel: Präzise Sinnlichkeit

Drei neue CD-Veröffentlichungen mit Magdalena Kožená, Daniel Hope und dem legendären Alfred Brendel

Mit der neuen CD-Box von Klavierlegende Alfred Brendel hat man ordentlich zu tun, bis das Wetter wieder besser und frühlingshafter wird. Derweil verführt Mezzosopran Magdalena Kožená mit Liebeslamenti von Monteverdi und Daniel Hope widmet seinem Mentor Yehudi Menuhin ein Album zum 100. Geburtstag

Die CD-Box mit allen Philips-Aufnahmen von Alfred Brendel.

Die CD-Box mit allen Philips-Aufnahmen von Alfred Brendel.

„Sinn allein macht wenig Sinn“, sagte Alfred Brendel kürzlich im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er bezog sich dabei auf seine Arbeit als Dichter, doch das Zitat lässt sich mühelos auf sein musikalisches Schaffen übertragen. Das Oeuvre des österreichischen Pianisten, der im Januar 85 Jahre alt wurde, ist so vielfältig, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Das kann einschüchternd wirken, aber es kann auch dazu ermutigen loszulassen und sich von der präzisen Sinnlichkeit der Brendelschen Klangwelt treiben zu lassen. Sich in ihr zu verlieren. Und dabei ganz plötzlich (wahrscheinlich gerade in dem Augenblick, in dem man gar nicht mehr damit rechnet) zum Kern ihrer Attraktion vorzudringen: einem Gefühl von Freiheit – jener Freiheit, die Brendels Geist ebenso auszeichnet wie seinen Umgang mit dem Flügel.

In der Box „Alfred Brendel – The Complete Philips Recordings“ wird diese Freiheit auf unglaublichen 114 CDs von Dirigentenlegenden wie James Levine, Bernhard Haitink oder Sir Simon Rattle gezähmt und in das Werk von so unterschiedlichen Komponisten wie Beethoven, Haydn oder Schönberg gegossen. Zu Gehör kommen sämtliche Aufnahmen, die Brendel für das inzwischen historische Label Philips machte, bei dem er ab 1969 als Exklusivkünstler engagiert war. In der Retrospektive bietet die Sammlung weit mehr als einen Einblick in das Können des Pianisten. Vielmehr erschließt sich Brendels gesamtes, unkonventionelles Verständnis der klassischen Musik. Grenzen kennt er nicht. Und dem gestrengen Attribut E-Musik bietet er in seinem humorvollen Spiel die Stirn – nicht nur, aber besonders in den Klavierkonzerten von Mozart, die für die Pfennigfuchser auch in einer Eloquence-Edition erhältlich sind.

Daniel Hope: My Tribute to Yehudi Menuhin

Die Mutter von Stargeiger Daniel Hope war Sekretärin bei Yehudi Menuhin. Von ihm lernte Hope als Kind, worum es beim Geigen geht. Jetzt widmet er dem einstigen Mentor ein Album, das historische Momente in Menuhins Leben rekapituliert. Der Titelmix ist exzentrisch und aufregend. Neben Evergreens sind kaum bekannte rumänische Spezialitäten von Enescu und Jo Knümann dabei. Mein persönlicher Favorit: Taverners „Song of the Angel“ mit Sopran Chen Reiss. Vier Minuten reines Klangglück um ein einziges Wort: „Halleluja!“

Magdalena Kožená: Monteverdi

Monteverdi und die italienische Renaissance: Da jubeln Fans von Oscar Wilde und Walter Pater. Der stilisierte Liebesschmerz trifft heutzutage noch genauso ins Schwarze wie vor über 400 Jahren. Magdalena Kožená stattet die expressiven Literaturvertonungen mit modernen Mezzotönen aus. Highlight: Das Schlussduett der ersten Soap Opera, „Die Krönung der Poppea“ (1642!). Zusammen mit Rising Star Anna Prohaska. Ergreifend!

Cover der "Monteverdi"-CD von Magdalena Kozena.

Cover der „Monteverdi“-CD von Magdalena Kozena.

Titelbild: Alfred Brendel/Decca Classics


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