bpbpb

Bäppi: „Ich will nicht nur motzen“

Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle kandidiert bei der hessischen Kommunalwahl

Thomas Bäppler-Wolf (54) ist Schauspieler, Entertainer, Tanzlehrer und Choreograph. In Frankfurt ist er vor allem als Travestiestar Bäppi La Belle bekannt. 1993 gründete er das TiTs-Theater, das er später in Theatrallalla Theater umbenannte. Sein aktuelles Programm heißt: „Ich stemm die Fleischworscht mit aaner Hand“. Der Sitzungspräsident der Frankfurter„Regenbogensitzung“ kandidiert bei der hessischen Kommunalwahl am 6. März für die SPD.

Bäppi La Belle SPD

Bäppi, wie läuft Dein Wahlkampf? Warst Du am Wochenende in der Fußgängerzone unterwegs?

Wir haben es versucht, aber vor lauter Sturm und Regen haben wir wieder eingepackt. Die Leute hatten vor allam mit ihren Schirmen zu tun und versuchten, tiefgefroren wie sie waren, bloß schnell nach Hause zu kommen. In 14 Tagen gehen wir noch mal raus, ein Tag vor der Wahl.

Nach zwei Tagen habe ich ein Hitlerbärtchen

Klingt ein bisschen wenig.

Ich verlasse mich da auf meine Berater. Ich habe auch keine Plakate. Es gibt für Frankfurt 16 Listen und 500 Menschen, die sich bewerben. Wenn alle Plakate aufhängen, würdest Du nur noch Menschen überall sehen. Außerdem kostet es ein Vermögen. Und wofür? Nach zwei Tagen habe ich dann eh ein Hitlerbärtchen oder das Plakat wird abgerissen. In meiner Show erwähne ich ab und zu, dass ich kandidiere – aber ohne direkt Wahlkampf zu machen. Ich bin mehr für Understatement.

Warum gehst Du überhaupt in die Politik?

Weil ich mich immer über alle mögliche aufrege. Ich will aber nicht immer nur motzen. Ich will was tun, vor allem im Bereich Kultur und Innenstadtverkehr. Ich sage, was ich denke. Ich bin auch nicht immer politisch korrekt. Wenn ich in Rage bin, überlege ich nicht erst zehnmal, wie ich mich ausdrücke. Vielleicht ist das manchmal ein Problem. Ich bin auch nicht immer auf Linie mit der Partei. Aber das wissen die da auch.

Warum die SPD?

Ich war eine Zeitlang in der LSU, bei den Lesben und Schwulen in der Union, zwei bis drei Jahre…

… aber nicht in der CDU?

Nein. Ich bin auch wieder aus der LSU ausgetreten. Das konnte ich nicht mehr vereinbaren, weil die CDU seit Jahren die Gleichstellung bremst. Und Mutti hat ja immer Bauchweh.

Bäppi La Belle SPD

Und wie kamst Du zur SPD?

Für die Partei hat mich Torsten Schäfer-Gümpel missioniert …

… der Landeschef der hessischen SPD …

… und dort fühle ich mich gut aufgehoben. Er war mal Gast in meiner Talkshow, „Bäppis Couch-Gebabbel“. Damals haben wir gewettet, wer Oberbürgermeister wird. Peter Feldmann von der SPD wurde es, und ich habe die Wette verloren. Dafür musste ich beim SPD-Chef beim Karnevalsverein auftreten. Und seitdem kennen wir uns.

Wenn Du von der CDU in Sachen Gleichstellung enttäuscht bist, bist Du es aber nicht von der SPD? Die hat im Bundestagswahlkampf 100 % Gleichstellung versprochen und 0 % geliefert.

Das schreckt mich nicht ab. Die Gleichstellung kommt spätestens, wenn die Gerichte es verfügen. Und das ist eben so, wenn man einen Koalitionspartner hat, der größer und stärker ist. Aber das ist ja Bundespolitik. Ich trete ja auf kommunaler Ebene an. Und hier in Frankfurt ist die CDU gut aufgestellt. Der Chef der CDU saß auch schon bei uns im Elferrat.

Unser Wahlzettel ist so riesig wie ein Bettlaken

Welchen Listenplatz hast Du?

Platz 49. Wenn es klappt, ist es gut. Wenn nicht, dann klappt’s halt nicht. Dann kann ich immer noch weiter auf Facebook zicken und meckern. (lacht) Es hängt vom Abschneiden der SPD ab, ob ich in den Römer komme. Das wird etwa eine Woche dauern, bis das feststeht. Unser Wahlzettel ist ja nicht nur groß – der ist riesig, wie ein Bettlaken. In Frankfurt haben die Wähler 93 Stimmen, und sie haben die Möglichkeit, zu kumulieren und zu panaschieren.

Für die Menschen in NRW oder in Hamburg, die ein anderes Wahlsystem haben: Kannst Du das erklären?

In Frankfurt hat jeder Wähler 93 Stimmen. Man kann Fritz Müller zum Beispiel drei Kreuze geben, und die Heike Meier, die da drüber steht, streicht man durch. Man kann auch die 20 Namen, die über meinem Namen stehen, durchstreichen – dadurch würde ich 20 Plätze hochrutschen.

Wie kommen Deine politischen Ambitionen bei Deinen Fans an?

Ganz wenige haben gefragt: Muss das sein? Ausgerechnet in der falschen Partei! Aber richtig negativ hat niemand reagiert. Wenn jemand deswegen nun nicht mehr in meine Show kommt, dann kann ich auch gut damit leben. Im Moment läuft aber der Vorverkauf für die Show sogar besser als im letzten Jahr.

Guck Dir den Bundestag an: Da sitzen gerade mal 20 Mann! Und ich frage mich: Wofür zahle ich die?

Wie geht es weiter, wenn Du gewählt wirst?

Ich geh erstmal in den Römer und frage, wo mein Dienstwagen steht. (lacht) Ich werde natürlich zu den Fraktionssitzungen gehen und zu den Sitzungen im Stadtrat. Aber ich nehme nicht an, dass ich mich als Politiker überarbeite. Guck Dir den Bundestag an, neulich bei der Rede von Johannes Kahrs: Da sitzen gerade mal 20 Mann! Und ich frage mich: Wofür zahle ich die?

Welche Chancen rechnest Du Dir aus?

Das ist schwer vorauszusagen. Vielleicht gibt es einen Schneesturm, und die Leute bleiben lieber zu Hause. Und dann ist es so: Am Freitag sagen sie Dir in den Prognosen ein ganz anderes Ergebnis voraus, als dann am Sonntag kommt. Fest steht aber: Je kleiner die Wahlbeteiligung, desto höher die Zahl der Stimmen für die braunen Säcke.

Fotos: privat


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close