Berlinale: Männer Jury-Blog, Tag Zwei.

Tilda ist schön, wir gehen zu einem Kiki und machen definitiv Party

Wieland Speck ist fröhlich, als er gestern mit „Ja, Olga Hepnarova” das Panorama eröffnet. In dieser Sektion des Festivals laufen die meisten der TEDDY-Filme. Wir sind auch fröhlich. Nicht unbedingt wegen der schwarzweißen, mörderischen Predigt über Mobbingopfer als die der Film sich herausstellt, aber man kann nicht alles haben.  Wir freuen uns, dass Klaus, während Helga sich endlich vernünftig einlas,  („Frau will doch vorbereitet sein.”), Martin Wäsche wusch, Paul arbeitete und Ledwina einen anderen Film sah, in der Pressekonferenz von „Hail Cesaer” war und hübsche Fotos von George Clooney und Tilda Swinton mitgebracht hat. Drei von uns finden Tilda „unwiderstehlich”, zwei davon sind keine Frauen. Aber da Frau Swinton gestern auf dem roten Teppich, eingeklemmt zwischen Berlins höchstem Drag-Star Gloria Viagra und ihrer besten Freundin, fröhlich eine sehr gute Figur machte, ist das alles kein Problem.

Das gibt es erst, als wir, weil es in den Südblock dann doch ein bisschen weit ist, versuchen, am Potsdamer Platz um 23.00 Uhr einen Ort zu finden, an dem man zu fünft entspannt was trinken und reden kann. Pustekuchen. Der ehemalige Todesstreifen ist eine Barmäßig tote Zone. Wer reich werden will: Eine Pop-Up-Absturzkneipe während der Berlinale in 100 Meter Entfernung von den Kinos wäre eine Goldgrube, versprochen. Wir enden im Maredo, wo der Kellner verängstigt den Kopf schüttelt, als Martin wissen will, ob es Club Mate gibt und der Rotwein so süffig ist wie Maschinenöl. Wir tuns für die Kunst. The glamour never stops. Heute sind wir bei der Vorstellung der TEDDY-Jury aber definitiv im Südblock, auch wenn wir spät kommen, weil wir vorher ja noch ins Kino müssen.

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So sieht heute Abend unser KIKI aus, wir können es kaum erwarten

Männer Jury Tag Zwei: Die Filme

Und zwar erstmal zu Mãe só há uma/Don’t Call Me Son, einem brasilianischen Drama um Söhne mit Lippenstift und Mütter mit komischen Vorstellungen von Familienbildung. Pierre ist 17 und steckt mitten in der Pubertät: Er spielt in einer Band, hat Sex auf Partys und heimlich probiert er vor dem Spiegel Frauenkleider und Lippenstift. Seine Mutter Aracy hat ihn und seine jüngere Schwester Jacqueline seit dem Tod ihres Mannes umsorgt und verwöhnt. Als er erfährt, dass sie ihn als Neugeborenes aus einem Krankenhaus gestohlen hat, ändert sich Pierres Leben schlagartig. Die wunderbare Regisseurin Anna Muylaert hat 2015 mit „Der Sommer mit Mama” den Panorama Publikumspreis gewonnen. Wir erwarten nur Gutes.

Und zwar auch von KIKI, unserem zweiten Film für heute, der nicht nur durch seinen Partyvorbereitenden Titel hervorsticht, sondern auch ein echtes Fest zu werden verspricht: 25 Jahre nachdem Paris is Burning, Teddy-Gewinner 1991, dem Berlinale-Publikum die Ballroom-Szene in New York nahe brachte, gibt uns Kiki Einblicke in die Welt der heutigen jungen black LGBT-Community, wirft einen Blick auf die Bälle, bei denen die Teilnehmenden in Voguing-Wettbewerben um Trophäen kämpfen, und lässt deren Protagonisten über ihre Wünsche und ihren Alltag berichten. Anders als zur Zeit von Paris is Burning entstehen diese Bälle nicht aus der Subkultur, sondern werden von queeren Jugendhilfeprogrammen organisiert. Paul kann „Paris is burning” mitsprechen und nachtanzen, hat also auf jeden Fall einen schönen Abend. Der Film läuft noch am Donnerstag, Freitag und Samstag nächster Woche und es gibt noch Karten. Vogue!

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Anlässlich der bevorstehenden 30. Teddy Awards bieten wir außerdem ein besonderes MÄNNER-Abo an: Alle, die bis einschließlich 21. Februar 2016, dem Ende der Berlinale, ein Print-Abo für unser Heft abschließen (egal ob für 3 oder für 12 Monate), erhalten das PocketMag (die digitale Version von MÄNNER) gratis dazu – das digitale Jahresabo kostet sonst 44,99 EUR im Jahr. Unser Teddy-Angebot gilt für alle, die in den letzten drei Monaten kein MÄNNER-Abonnent waren.

Fotos: Klaus Schrader, Berlinale Fotosevice


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