Feb 20 2016 Berlin Germany Tomasz Wasilewski receives Silver Bear Award for best screenwrite

Berlinale Tag 12: Abschlusswertung

Die Jury sagt Tschüss und gibt alle ihre Favouriten bekannt

So, fertig. Die 66. Berlinale ist Geschichte und auch der 1. Preis der MÄNNER-Leser Jury ist vergeben. Und wir haben es wohl richtig gemacht. Denn wir haben noch am Abend der TEDDY-Verleihung und in den letzten zwei Tagen viel Lob dafür bekommen, den Preis an „Mae só há uma“ (Don’t call me son), der brasilianischen Regisseurin Anna Muylaert, vergeben zu haben. Die erzählt darin die Geschichte des 17-jährigen Punks Pierre, dem von der Polizei mitgeteilt wird, dass seine proletarische, aber sehr liebevolle Mutter ihn und seine kleine Schwester als Babys in Einkaufszentren gestohlen hat, und nun dafür in den Knast kommt. Er muss zu seiner Ursprungsfamilie zurück, die in einem abgezäunten Stadtviertel für Wohlhabende lebt und mit seiner „Ich spiel Gitarre, trage Röcke und küsse, ganz unabhängig vom Geschlecht, wen ich will“-Haltung zum leben, wenig anfangen kann. Aber, Blut ist bekanntlich dicker als Wasser und eine langsame Annäherung von beiden Seiten ist so zart, glaubwürdig und intelligent inszeniert, dass uns während der Vorführung am erst zweiten Festivaltag, Schauer des Wohlgefallens das Rückgrad hoch und runter krochen. Das Problem: Danach kamen in fünf Tagen noch 20 andere Filme, von denen wir einige auch sehr, sehr mochten. Dass sich „Mae só há uma“ am Ende trotzdem durchsetzte, spricht zusätzlich für die Qualität des Films. Wir waren und sind glücklich mit unserer Entscheidung.

Ein politischer, ein wunderbarer, ein wichtiger Film, dessen weltweiter Kinostart durch den Preis sicher gestellt ist. Gut so.

Das kann die große Berlinale-Jury unter Vorsitz von Meryl Streep auch sein. Am Samstag wurden der Goldene und die Silbernen Bären vergeben und trafen die Richtigen – junge Filmemacher und Schauspielerinnen und einen Altmeister des Dok-Films: Gianfranco Rosi bekam für seine Doku über das Flüchtlingsdrama auf Lampedusa, „Fire at Sea“, von Meryl Streep den Hauptpreis überreicht, während die Juryentscheidung im Berlinale-Palast bejubelt wurde. Ein politischer, ein wunderbarer, ein wichtiger Film, dessen weltweiter Kinostart durch den Preis sicher gestellt ist. Gut so. Auch einen großen schwulen Gewinn gab es: Der 36-Jährige Tomasz Wasilewski (siehe Beitragsbild), Regisseur und Drehbuchautor des Wettbewerbsbeitrags „United States of Love“, wurde für seine dunkle Studie des Nachwende-Polens als bester Drehbuchautor geehrt. Vor drei Jahren lief sein erst zweiter Spielfilm „Tiefe Wasser“ im Panoramo und er sammelte viele Fans ein, die sich jetzt alle mit ihm freuten.

(160220) -- BERLIN, Feb. 20, 2016 -- Italian director Gianfranco Rosi speaks as he receives the Golden Bear for Best Film for the film Fire at Sea during the awards ceremony of the 66th Berlinale International Film Festival in Berlin, Germany, Feb. 20, 2016. The Italian documentary film Fire at Sea won the Golden Bear, the top jury prize awarded to the best film, in the 66th Berlin International Film Festival on Saturday. ) GERMANY-BERLIN-BERLINALE INTERNATIONAL FILM FESTIVAL-AWARDS CEREMONY-GOLD BEAR-GIANFRANCO ROSI ZhangxFan PUBLICATIONxNOTxINxCHN Berlin Feb 20 2016 Italian Director Gian Franco Rosi Speaks As he receives The Golden Bear for Best Film for The Film Fire AT Sea during The Awards Ceremony of The 66th Berlinale International Film Festival in Berlin Germany Feb 20 2016 The Italian Documentary Film Fire AT Sea Won The Golden Bear The Top Jury Prize awarded to The Best Film in The 66th Berlin International Film Festival ON Saturday Germany Berlin Berlinale International Film Festival Awards Ceremony Gold Bear Gian Franco Rosi ZhangxFan PUBLICATIONxNOTxINxCHN

Gianfranco Rosi gewann den Goldenen Bären für „Fire at Sea“

Weil uns viele Menschen während des Festivals danach gefragt haben, hier noch ein paar Kategorien, in denen die MÄNNER-Jury niemanden auszeichnen durfte, die aber einige interessieren dürften, unsere Favouriten des Festivals:

Beste weibliche Hauptrolle: Yeo-jeong Yoon in „The Bacchus Lady“

Beste männliche Hauptrolle: Corentin Fila und Kacey Mottet Klein in „Quand on a 17 ans“

Bestes Drehbuch: E J-yong für „The Bacchus Lady“

Beste Kamera: Oleg Mutu für „United States of Love“

Bester Schnitt: „Mama knows best“

Beste Musik: „Kiki“

Beste Dokumentation: „Kiki“

Bester Kurzfilm: „Moms on Fire“

Schönste Liebesgeschichte: „Kater“

Beste Sexszene: „Quand on a 17 ans“

„Quand on a 17 ans“, „Kiki“, „Kater“ und „The Bacchus Lady“, sind, neben unserem Gewinnerfilm, auch die absoluten Festivalfavouriten. Wir können es kaum abwarten, bis diese Meisterwerke in die deutschen Kinos kommen und wir sie nochmal sehen dürfen. Wir verabschieden uns bis zum nächsten Jahr und wünschen allen bis dahin 365 filmreife Tage. Schlussklappe.

Hier gibt’s die TEDDY-Verleihung zum Nachschauen:


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