imago52432483h

Eine Hochzeit ist nicht genug

Brasilien akzeptiert die deutsche Verpartnerung nicht, also haben Hajo und Luiz-Claudio zweimal geheiratet

Seit, Hajo muss kurz rechnen, 26 Jahren ist er schon mit Luiz-Claudio zusammen. „So eine lange Zeit, aber wir sind einfach ein gutes Team“, sagt der 68-Jährige, während er nachdenkt. Im Jahr 1990 war es also, als er bei einem Freund zum Teetrinken eingeladen war. Da war auch der Brasilianer Luiz-Claudio, der denselben Freund gerade in Deutschland besucht hat.

„Er konnte kein Wort Deutsch und ich nur ein wenig Spanisch“, erinnert sich Hajo. Und dann ging alles recht schnell. Sie haben sich noch zwei, dreimal getroffen. Kurze Zeit später ist Luiz-Claudio, heute 57, zu ihm nach Hamburg gezogen.

Brasilien: Ehe für Homosexuelle seit 2013

Heute ist sein Mann „zu hundert Prozent Deutsch, er denkt Deutsch, er träumt Deutsch.“ Die Sprache hat er schnell gelernt und auch Hajos Portugiesisch wurde im Laufe der Zeit immer besser. Denn beide leben zwar gemeinsam in Hamburg, „aber im europäischen Winter, wenn es hier kalt und ungemütlich wird, machen wir die Fliege“, erzählt Hajo. Ihr Ziel: Salvador di Bahia im Nordosten des Landes, wo sie ein Penthouse im elften Stock haben. „Der Blick übers Meer ist einfach herrlich.“

Hochzeit in Salvador

Hier, in unmittelbarer Nähe zum Leuchtturm im Stadtteil Barra, haben Hajo und Luiz-Claudio ein Penthouse. Foto: flickr.com/Gov/Ba

Dort waren sie auch vor drei Wochen wieder. Doch den brasilianischen Sommer haben Behördengänge getrübt. Die beiden mussten in Salvador noch einmal heiraten, obwohl sie bereits 2012 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen sind. Doch Brasilien erkennt die deutsche Verpartnerung nicht an.

Im größten Land Südamerikas dürfen seit 2013 nämlich auch Schwule und Lesben heiraten. „Sie haben dieselben Rechte wie Heterosexuelle, sie sind absolut gleichgestellt“, erklärt Hajo. Also sind sie zum Notar gegangen, haben den Vertrag aufgesetzt, und ihn anschließend bei der Bundespolizei  registriert.

Eine Hochzeit ohne Feier

Sehr romantisch war das jedoch nicht. „Wir haben das aus technokratischen Gründen gemacht“, sagt der 68-Jährige, der in Hamburg eine Firma führt. Es ging ums Erbrecht oder darum, dass Hajo nur so dort ein Bankkonto eröffnen kann. „Gefeiert haben wir aber nicht. Das haben wir damals in Deutschland gemacht.“

Da war natürlich auch Luiz-Claudios Familie mit dabei. Die hatte gar kein Problem damit, dass ihr Sohn einen Mann heiratet. „Sie nehmen mich immer sehr herzlich und offen auf, wenn ich dort bin“, sagt Hajo. Er kann es auch gar nicht erwarten, bald wieder nach Brasilien zu reisen. „Es ist ein aufregendes Land. Bei dem guten Essen ist es nur schwer, seine Figur zu halten.“

Hier geht’s zu unserer Umfrage: 15 Jahre Eingetragene Partnerschaft – ein Grund zu feiern?

Titelfoto: imago/imagebroker


0 Kommentare



Likes & Shares