„Homoheiler“: 5 Jahre Therapie

Reparativtherapien treiben Schwule in den Selbstmord. Verboten sind sie immer noch nicht

Der demokratische Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, hat sogenannte Konversionstherapien für Jugendliche verboten. Der 58-Jährige erklärte: Wer versuche, junge Homosexuelle zu Heteros umzuerziehen, füge ihnen „erheblichen Schaden“ zu. Darum sind jetzt allen psychiatrischen Einrichtungen im Bundesstaat New York Versuche untersagt, die sexuelle Orientierung von Jugendlichen mit einer Therapie zu verändern. Homo-Heiler dürfen auch nicht mehr mit Krankenversicherungen abrechnen. Warum das überfällig ist, zeigt die Geschichte von Mathew Shurka.

Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, hat sogenannte Konversionstherapien für Homosexuelle verboten.

Andrew Cuomo (Foto: Imago/UPI Photo)

 

Hetero, in nur sechs Wochen – so lautete das Versprechen, das die „Homo-Heiler“ Mathews Vater gaben, als der Junge 16 war. Fünf Jahre dauerte seine Therapie, aber – Überraschung! – Mathew war immer noch schwul. Um bloß kein weibliches Verhalten zu übernehmen, musste er sich jahrelang von den Frauen in seiner Familie fernhalten. „Es war sehr schwer, von der Schule nach Hause zu kommen und nicht mit ihnen zu sprechen“, sagt er heute. Laut Aussage seiner Therapeuten gäbe es Homosexualität nicht; es sei eine psychische Störung, die von einem Kindheitstraume herrührte.

Einige Teilnehmer eines Camps von Homoheilern begingen Selbstmord

Mit 23 gelang ihm der Befreiungsschlag – er akzeptierte sich selber und hatte sein Coming-out. Heute ist Shurka Botschafter der Kampagne #BornPerfect des National Center for Lesbian Rights: eine Organisation, die dafür kämpft, sogenannte Konversionstherapien in den USA bis 2019 zu beenden. Eine Zeitlang verbrachte er in einem Camp, das sich „Journey to Manhood“ nannte: Reise zur Männlichkeit. Einige Teilnehmer begingen unter dem Druck, ihre Gefühle zu verleugnen, Selbstmord. „Nicht jeder hat es lebendig verlassen“, sagt der heute 27-Jährige.

mshurka

Foto: Facebook

„Therapien“ sogenannter Homo-Heiler werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO als extrem gefährlich verurteilt, mental wie körperlich. In diesen „Therapien“ reichen die Maßnahmen von Gebet über Elektroschock, Folter, Vergewaltigung und Aushungern. Im vergangenen Frühjahr hat sich der demokratische US-Präsident Barack Obama gegen die umstrittenen Therapien ausgesprochen und seine Unterstützung für ein gesetzliches Verbot erklärt. Zuvor hatten die Republikaner in Texas angekündigt, Schwule mit psychologischen Therapien heilen zu wollen. Ein entsprechender Passus wurde sogar ins Parteiprogramm aufgenommen. Im vergangenen Sommer war bekannt geworden, dass auch die britische Regierung diese Art von Therapien als verfassungswidrig erklären möchte. In Malta liegt seit Dezember ein entsprechender Gesetzentwurf vor.

Von der Bruderschaft des Weges hat sich sogar die katholische Kirche distanziert.

Auch die Bundesregierung verurteilt Versuche, Homosexuelle zu „heilen“ und lehnt Konversionstherapien für Homosexuelle ab; der NDR hatte in zwei Reportagen über Homoheiler in Deutschland berichtet. Verbieten will man sie aber nicht. Die Veranstalter der „Demos für alle“ präsentierten im vergangenen Herbst in Stuttgart den schwulen Marcel, der als Mitglied der sogenannten Bruderschaft des Weges seine Homosexualität „aus Gründen eigener Einsicht“ oder aufgrund von christlichen Glaubensüberzeugungen nicht lebt. Er hatte sich zuvor an die christliche baden-württembergische Organisation Wüstenstrom gewandt, um seine Homosexualität „wegzukriegen“. Dessen Vorsitzender Markus Hoffmann hat auch die Bruderschaft des Weges gegründet, von der sich sogar die katholische Kirche distanziert.

Titelbild: Screenshot


24 Kommentare

  1. Frank Gaberdann

    Wenn so einfach wäre! Man bekommt den Eindruck, als wären wir eines Morgens aufgestanden und hätten uns entschieden den Schweren weg des Schwulseins zu wählen und ein Leben lang für unsere Rechte kämpfen zu müssen. Wann kapieren diese Leute, das dass kein einfacher weg ist zu seinen Gefühlen zu stehen? Das wir einfach nur das recht haben glücklich zu leben wie jeder Hetero auch. Ganz zu schweigen was dieser Kampf an mentaler Energie kostet, die wir lohnender in ein Glückliches Leben miteinander investieren könnten. Das leben kann so schön sein. 🙂

  2. Stephan Darnstaedt

    Als gebe es nichts wichtigeres und nur mal so die Liebe zweier Menschen kennt keine Grenzen und das ist es was zählt!!!! Und noch zum Schluss es ist keine Krankheit oder gibt es eine Therapie um nicht mehr hetero zu sein!!!!?????

  3. Mike Georg

    Männer Magazin LOL, stimmt gibt auch schwachsinnige Teenager, aber nicht nur die, auch die Spielgruppenleiterin der Krabbelgruppe Bundesregierung gehört dazu.

  4. Markus Loibl

    Warum denn heilen? Sind wir etwa krank nur weil wir schwul sind! Wir sind nicht anders als die anderen, sogar besser, wenn man einige heten so anschaut. Nur zum Kopfschütteln


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