Imago_Picture Perfect_klein

„Ich widme den Preis allen LGBTI“

Sam Smith gewinnt den Oscar für Besten Song und bedankt sich rührend

Die Kontroverse darum, dass in den wichtigsten Kategorien nicht ein einziger Afroamerikaner nominiert worden war, hätte die 88. Academy Awards überschatten können, wurde aber von Anfang an zum Motor der Oscarverleihung, die Moderator Chris Rock als die „White Peoples Choice Awards“ ankündigte. Immer wieder wurde der Mangel an Diversity ironisch zum Thema gemacht: Angela Bassett erinnerte im „Black History Month“ an den (weißen) Star Jack Black, und Whoopi Goldberg ließ sich in gleich mehrere der als Bester Film nominierten Streifen hineinschneiden, um zu illustrieren, wie schwierig es immer noch sein kann, als Afroamerikaner Hauptrollen zu bekommen.

Wenn Deine Oma an einem Baum hängt, ist es plötzlich nicht mehr so wichtig, wer den Preis für die beste Kurzdokumentation bekommt

Rock machte sich im Eröffnungsmonolog lustig darüber, dass ihn nur Kollegen, die gerade selbst keinen Job haben, darum gebeten hätten, seinen als Moderator hinzuschmeißen und sich ihrem Boykott der Veranstaltung anzuschließen. „Es ist doch nicht das erste Mal, dass keine Schwarzen nominiert sind. Das gab es schon ungefähr 70 Mal. In den 50ern und 60ern hatten wir nur andere Probleme. Wir wurden vergewaltigt und gelyncht. Wenn deine Oma an einem Baum hängt, ist es plötzlich nicht mehr so wichtig, wer den Preis für die beste Kurzdokumentation bekommt.“ Sein Eröffnungsmonolog löste einen Sturm in den Sozialen Medien aus und wird sicherlich noch ein paar Tage für Diskussionen sorgen.

Ein starkes, unvergessliches Bild

Neben der überaus erfreulichen Sichtbarkeit für nichtweiße Performer hatte die 88.Oscarverleihung noch eine andere Tendenz: schwierige Fragen gelassen ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen. Als Vizepräsident Joe Biden Lady Gaga ankündigte, die für den Song „Til it happens to you“ aus der Dokumentation „The Hunting Ground“ nominiert war, schloss er männliche Collegestudenten als mögliche Opfer sexueller Übergriffe selbstverständlich in seine Bitte ein, sich mit den Opfern solcher Taten zu solidarisieren. Einige von ihnen standen dann mit Gaga auf der Bühne und trugen Hashtags we #Survivor oder #Unbreakable auf dem Unterarm. Ein starkes, unvergessliches Bild.

Ich bin ein stolzer schwuler Mann und hoffe, dass wir uns eines Tages einfach alle als Gleiche unter Gleiche begegnen können

Der große schwule Gewinner des Abends war Sam Smith, der für seinen „James Bond: Spectre“-Hit „Writings on the Wall“ einen Oscar für den Besten Song mit nach Hause nehmen konnte. Er sagte: „Vor ein paar Wochen habe ich gelesen, dass Sir Ian McKellen gesagt hat, dass noch nie ein offen schwuler Mann einen Oscar gewonnen hat. Wenn das so ist – und selbst wenn das nicht so ist – möchte ich diesen Preis gern der LGBTI-Community auf der ganzen Welt widmen. Denn ich bin ein stolzer schwuler Mann und hoffe, dass wir uns eines Tages einfach alle als Gleiche unter Gleichen begegnen können. Dankeschön.“

Mad Max: Fury Road gewinnt sechs Oscars

Und auch wenn Alejandro G. Iñárritu erwartungsgemäß den Oscar für die beste Regie für seinen Neo-Western „The Revenant – Der Rückkehrer“ gewann, Leonardo DiCaprio für seine Rolle in dem Film als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde und das Missbrauchsdrama „Spotlight“ den Preis für den besten Film bekam, war der große Abräumer des Abends ein anderer, sehr queerer: „Mad Max: Fury Road“. In dem Film rollt Charlize Theron Vorurteile von hinten auf und definiert als Imperator Furiosa Action als Genre starker Frauen neu – dafür gab es gleich sechs Oscars.


12 Kommentare

  1. Patrick Heidmann

    Sam Smiths Performance war der grauenvollste Oscar-Moment der letzten Jahre. Und der einzig wirklich unverdiente Preis an diesem Abend. Ganz zu schweigen von seinen peinlichen Aussagen in der Dankesrede, die auch am nächsten Morgen nicht besser wurde. „Ich habe mich geirrt, scheinbar bin ich der zweite offen schwule Oscar-Gewinner“… No, honey, count again!


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close