Places of Pride

Places of Pride: Die LGBTI-Google-Karte

Anlässlich des schwulen Mardi Gras in Australien hat Google eine Weltkarte ins Netz gestellt, wo jeder seine persönlichen Pride-Orte eintragen kann: Berlin fehlt, Hagen ist drin!

Über den Internetgiganten Google kann man ja – als unersättlicher Datenkrake – geteilter Meinung sein. Unbestritten ist, dass die Firma seit Jahren zu den Top-5-LGBTI-Arbeitgebern der Welt zählt, weit vor Apple, Facebook & Co. Jetzt hat Google anlässlich des gestrigen schwulen Mardi Gras in Australien eine Karte veröffentlicht, die „Places of Pride“ heißt und Nutzern erlaubt, Regenbogen-Pins zu platzieren an Orten, die für sie eine besondere emotionale Bedeutung haben.

Google-Mitarbeiter Patrick Hofmann. (Foto: Twitter/@phofmann)

Google-Mitarbeiter Patrick Hofmann. (Foto: Twitter/@phofmann)

Patrick Hofmann vom Google-Maps-Team in Sydney sagt: „Jeden Tag verlieben sich Menschen rund um den Globus, küssen sich oder erleben irgendwo ihr Coming-out. Die Orte, an denen solche besonderen Momente stattfinden, wollen wir auf unserer Pride-Karte festhalten und sichtbar machen. Deshalb haben wir zum Fair Day in Australien, dem 21. Februar, ‚Places of Pride‘ ins Netz gestellt. Da können sich Mitglieder der LGBTQI-Community sowie deren Unterstützer verewigen, indem sie eine Pride-Fahne dort hinsetzen, wo sie besondere Pride-Geschichten und -Moment erlebt haben.“

Ein „Place of Pride“ kann jeder Ort sein, wo man besonders intensiv „Pride“ oder emotionale Erfüllung erfahren hat: „Egal ob man da das Coming-out gegenüber Freunden und Kollegen hatte, seinen Partner oder seine Partnerin kennenlernte oder Unterstützung von der Community bekommen hat, wir laden alle ein, einen Ort zu markieren, der für sie von LGBTQI-Bedeutung ist“, sagt Hofmann.

Was diese Google-Map interessant macht, ist die Tatsache, dass jeder Nutzer selbst Orte hinzufügen und eigene Kommentare hinterlassen kann.

Die Kommentare helfen, die Location einzuordnen und eine persönliche Geschichte mit der Welt zu teilen.

Die Places-of-Pride-Flagge von Google, mit der man Orte markieren kann. (Screenshot)

Die Places-of-Pride-Flagge von Google, mit der man LGBTI-Orte markieren kann. (Screenshot)

Allerdings sollte man bedenken, dass eine Kartenmarkierung nicht bedeutet, dass es für LGBTI-Personen grundsätzlich sicher ist, die entsprechenden Orte zu besuchen, um sich dort enthemmt auszutoben. Es ist kein Sex-Guide mit AYOR-Abstufungen, wie man das aus dem „Spartacus“ kennt (obwohl das auch sehr spannend wäre), sondern die Places-of-Pride-Karte ist allgemeiner gefasst. Wieso auf der Karte bislang in Deutschland nur Hamburg, Hagen, Frankfurt und München mit einer Regenbogenflagge markiert sind, Berlin aber nicht, muss sich noch klären. Vielleicht spiegelt es das Reiseverhalten der Australier wieder, die bislang ihre Fähnchen verteilt haben?

Auf seinem Google-Australia-Blog („News and notes from Google Down Under“) schreibt Patrick Hofmann: „Ich bin als Junge auf einer Farm irgendwo in Kanada aufgewachsen. Damals habe ich meine Homosexualität versteckt, weil ich fürchtete, der einzige Schwule in unserem kleinen Dorf zu sein. Ich dachte auch, es gäbe jenseits der engen Grenzen meiner Gemeinde keine schwule Community. Ich wusste zwar, dass es in Toronto eine massive LGBTQI-Szene gibt, aber die kam mir unendlich weit weg vor. Als ich nach Jahren der inneren Kämpfe endlich als Mitdreißiger mein Coming-out hatte – in Sydney –, merkte ich, dass schwule Nachbarschaften weit verbreitet sind und dass es in jeder Straße und jedem noch so entlegenen Vorort Schwule gibt. In meinen eigenen Jahren der Unsicherheit und der Angst hätte ich gern eine Pride-Karte gehabt, die mich daran erinnert, wie weitverbreitet unsere Community ist – und daran, dass ich nie allein bin.“

Ob Google-Deutschland zur sommerlichen CSD-Saison nachziehen wird, darf man gespannt abwarten. Ob die in punkto Privatsphäre und Datenschutz sehr viel sensibleren Deutschen dann bei einer solchen Pride-Karte mitmachen werden, ebenfalls.

Die Places-of-Pride-Karte mit Nutzerkommentaren zu Tel Aviv.

Die Places-of-Pride-Karte mit Nutzerkommentaren zu Tel Aviv.


1 Kommentar


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close