Figuren von Mann Frau und Kind und Kondom in einem Heft Symbolfoto Sexualkundeunterricht

Sachsen: LGBTI auf dem Stundenplan

Neuer Orientierungsrahmen geht auch auf Homosexualität ein

Während in Baden-Württemberg lange um einen Bildungsplan gerungen wurde, der nach den Sommerferien in Kraft treten wird, ist Sachsen einen Schritt weiter. Dort hat das Kultusministerium einen neuen „Orientierungsrahmen für die Familien- und Sexualerziehung an sächsischen Schulen“ herausgegeben.

Der ist zwar genau genommen nicht so umfassend wie der Bildungsplan, aber auf jeden Fall ein Fortschritt für die LGBTI-Community. Denn erstmals nennt das Ministerium unter den Zielen und Aufgaben des Unterrichts, auch nicht-heterosexuelle Lebensformen zu berücksichtigen.

Lehrer brauchen „Achtsamkeit gegenüber diskriminierendem Verhalten“

„Beim Sprechen über die Geschlechter ist immer auch Rücksicht auf Kinder und Jugendliche zu nehmen, die aktuell oder in Zukunft durch Homo- oder Bisexualität, lntersexualität, Transgender oder Transsexualität eine Orientierung bzw. einen Lebensstil jenseits gewohnter heterosexueller Normen leben bzw. leben werden“, heißt es etwa in dem 14-seitigen Papier.

Deshalb brauchten Lehrer „ein hohes Maß an Selbstkontrolle und Sensibilität beim Unterrichten und in der alltäglichen Interaktion einerseits und Achtsamkeit gegenüber diskriminierendem Verhalten und Sprechen von Schülerinnen und Schülern andererseits.“

Die Linke hat bereits zweimal mehr Vielfalt in der Schule gefordert

Die Lesben und Schwulen in der SPD Sachsen begrüßen den neuen Orientierungsrahmen: „Er trägt dem Wandel des Ehe- und Familienbegriffs endlich Rechnung. Er verdeutlicht, dass es neben der traditionellen Beziehung zwischen Mann und Frau auch andere Formen des Zusammenlebens gibt, die unsere Achtung und Wertschätzung verdienen“, sagt Vorsitzender Oliver Strotzer.

Doch wie konnte so ein wichtiges Papier ohne Kritik, wie wir sie aus dem Südwesten kennen, verabschiedet werden? Der Grund ist einfach: Der Orientierungsrahmen stammt direkt vom Kultusministerium und musste nicht etwa vom Landtag angenommen werden, erklärt Strotzer.

Außerdem gab es auch in Sachsen durchaus Diskussionen darüber, wie Homosexualität in Zukunft im Unterricht erwähnt wird. Bereits 2013 hat die Linke mehr sexuelle Vielfalt im Rahmenlehrplan gefordert. Im vergangenen Mai hat die Partei fast denselben Antrag noch einmal eingebracht.

Der nächste Schritt: Mehr Fortbildungen für Lehrer

Der wurde jedoch von der schwarz-roten Landesregierung sowie der AfD abgelehnt. Die Staatsministerin im Kultusministerium, Brunhild Kurth von der CDU, erklärte damals bereits, dass stattdessen die Orientierungshilfe für Lehrer überarbeitet werden soll.

Doch selbst das wurde kritisiert. Denn ausgerechnet Prof. Karla Etschenberg war vom Ministerium damit beauftragt worden. Etschenberg ist durch Interviews aufgefallen, in denen sie Bildungsplänen zur sexuellen Vielfalt „Werbung“ für Homosexualität vorwarf. Anfang 2015 ist sie deshalb als Mitglied des Fachbeirats der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zurückgetreten.

Ganz so einfach war der Weg zum Orientierungsrahmen also doch nicht. Und auch wenn die Schwusos ihn grundsätzlich befürworten, so sind sie doch noch nicht ganz glücklich. „Einerseits wird gefordert, sich mit dem Thema zu befassen, auf der anderen Seite wird das aber nicht mit Fortbildungen unterfüttert“, sagt Strotzer gegenüber MÄNNER. Er plädiert deshalb für verpflichtende Weiterbildungsangebote für Lehrer. „Das Thema muss fest in der Ausbildung der Lehrkräfte verankert werden.“

Titelfoto: imago/Christian Ohde


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close