gay_sd_Imagemotiv_high

Sugardating

Eine neue Datingwebseite führt ältere und jüngere Männer in Deutschland zusammen – wenn Optik und Kontostand stimmen.

Dietmar ist ein Mann von Welt. Er arbeitet im Bankwesen, genauer im Investment-Bereich, und ist beruflich viel in ganz Deutschland unterwegs. Freizeit ist in seinem Leben ein teures Gut, mit dem es richtig zu haushalten gilt. Wenn er dann doch mal ein wenig abschalten möchte, gönnt er sich zum Feierabend ein gutes Glas Whiskey an der Bar. Reif, gutaussehend und erfolgreich: Das sind genau die Kriterien, die Ben (25) an Männern so schätzt. Der gebürtige Berliner lebt seines Studiums wegen in London. Wie viele junge Männer schätzt er das aufregende Leben in der Metropole, die Internationalität und die vielen deutschen Geschäftsmänner, die täglich dienstlich in der Stadt unterwegs sind. „London ist eben eine Finanzmetropole. Da lernt man schnell neue Leute kennen“, erzählt er, nicht ohne verschmitzten Unterton.

Beide betreiben Sugardating. In der heterosexuellen Öffentlichkeit ist das Phänomen seit Jahren gang und gäbe: Er ist alt und reich, sie jung und schön. Beide lieben sich womöglich – auf die eine oder andere Weise. „In den USA nennt sich diese Form der Beziehung Sugardate. Einer bietet seine Jugendlichkeit, der andere seine Erfahrung und sein Geld. Beide Seiten profitieren voneinander“, erklärt Thorsten Engelmann. Der 34-Jährige ist der Gründer der größten Sugardating-Plattformen Europas. Weil die Heteros das Konzept liebten, launchten er und sein Team im Oktober 2015 eine weitere Webseite, speziell für die schwule Zielgruppe – My Gay Sugardaddy. In den ersten zwei Monaten registrierten sich bereits 5.000 Männer auf der für alle mobilen Endgeräte optimierten Plattform.

Als sein erster Sugardaddy ihn bei ihrem ersten Date zum Essen ausführte, war die Rechnung für den kurzen Abend doppelt so hoch wie Bens Monatsmiete

Von einer konventionellen Partnerbörse unterscheidet My Gay Sugardaddy der Fakt, dass die Nutzer nicht nur primär auf der Suche nach der großen Hollywoodliebe sind, und es einen deutlichen Altersunterschied zwischen beiden Seiten gibt, sondern dass sich Paare anhand ihrer fianziellen Verhältnisse finden. Die Anmeldung auf der Seite ist grundsätzlich kostenlos, gewisse Features verlangen aber nach der Kreditkarte eines zahlungswilligen Sugardaddys – so zumindest das Prinzip. Nette Sugardaddies wollte und will auch Ben kennenlernen. Männer, älter als er, mit denen er eine gute Zeit haben kann und die gerne bereit sind, ihm finanziell etwas unter die Arme zu greifen. Als sein erster Sugardaddy ihn bei ihrem ersten Date zum Essen ausführte, war die Rechnung für den kurzen Abend doppelt so hoch wie Bens Monatsmiete.

Vorteil: Es bedarf keiner großen Erklärungen

Anders als bei der professionellen Prostitution werden Sugarboys nicht für Sex bezahlt. Stattdessen lässt sich der Sugardaddy die gemeinsame Zeit mit dem Jüngeren auf andere Weise etwas kosten. In diesem Graubereich stellt sich die Frage, wie aufrichtig Zuneigung sein kann, wenn sie unter verhandelten Konditionen entstanden ist? „Ich bin eher pragmatisch und weiß, dass mich ein attraktiver Junge, der 20 Jahre jünger ist, nicht in einem Lokal ansprechen würde“, gesteht Sugardaddy Dietmar. „Der Vorteil beim Sugardating ist, dass es keiner großen Erklärungen bedarf. Wenn ich auf anderen Datingseiten offen geschrieben habe, wonach ich suche, habe ich meist nur Angebote von Escorts bekommen, und darauf kann ich gut verzichten.“ 500 Kilometer entfernt stimmt auch Ben der Transparenz des Beziehungsmodells zu: „Ich finde es so ehrlicher als manch andere Beziehung. Wie viele Menschen sind denn in herkömmlichen Beziehungen nur aus oberflächlichen Gründen wie Aussehen, Status oder Bequemlichkeit mit jemandem zusammen, ohne es jemals zuzugeben?“

Den vollständigen Artikel und was junges Gemüse noch alles von älteren Herren lernen kann, findest Du in der Ausgabe MÄNNER Februar 2016.  

Titelfoto: My Gay Sugardaddy


3 Kommentare


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close