The Czech Republic extends controls at its border with Austria Random checks will be at 20 instead

Tschechien: Anzeige gegen HIV-Positive

HIV-Organisationen kritisieren die Strafverfolgung

Die Prager Gesundheitsbehörden haben Strafanzeige gegen 30 HIV-positive Männer gestellt, weil sie angeblich Sex ohne Kondom hatten. So hätten sie die Weitergabe von HIV riskiert. Die beschuldigten schwulen Männer hatten sich im Laufe des letzten Jahres mit einer oder mehreren sexuell übertragbaren Infektionen angesteckt. Das Prager Hygieneamt schloss daraus, sie hätten Sex ohne Kondom gehabt und gab diese vertraulichen Informationen an die Polizei weiter. Die Behörde rechtfertigt ihr Vorgehen mit dem Verbot der „Verbreitung ansteckender menschlicher Krankheiten“.

Europäische HIV/Aids-Organisationen, darunter die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH), haben am Freitag die Tschechische Regierung in einem offenen Brief aufgefordert, die Strafverfolgung zu stoppen. „Das Vorgehen der Prager Behörden ist diskriminierend und kontraproduktiv: Es schadet der Gesundheit der Betroffenen und leistet der Verbreitung von HIV Vorschub”, schreibt die DAH.

Falsche Botschaft: Wer HIV hat, trägt die Verantwortung

Denn Fakt ist, dass die meisten der Männer HIV dank einer wirkungsvollen Therapie gar nicht übertragen können. Außerdem beweist eine Infektion wie Syphilis oder Tripper nicht, dass jemand Sex ohne Kondom hatte. Kondome reduzieren zwar das Risiko solcher Krankheiten, eine Übertragung ist aber trotzdem möglich.

Die Deutsche AIDS-Hilfe kritisiert schon lange die Strafverfolgung von HIV-positiven Männern. Das schade der Prävention, argumentiert sie. Denn so würde die Botschaft verbreitet werden, dass ein HIV-positiver Sexpartner die Hauptverantwortung übernehmen muss.

Tschechien: So viele Neuinfektionen wie seit 30 Jahren nicht mehr

Außerdem kann die Strafverfolgung dazu führen, dass sich weniger Männer testen lassen. Ein Teufelskreis: Das verhindert eine frühzeitige Therapie, was wiederum zu mehr Ansteckungen führen kann. Das Vorgehen der tschechischen Behörden und die tschechische Gesetzgebung widersprechen den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Gemeinsamen Programm der Vereinten Nationan zu HIV/AIDS (UNAIDS) sowie wissenschaftlichen Erkenntnissen.

„Die strafrechtliche Verfolgung von Menschen mit HIV ist in jeder Hinsicht inakzeptabel und richtet schweren Schaden an. Tschechien sollte diesen schweren gesundheitspolitischen Fehltritt so schnell wie möglich korrigieren”, fordert DAH-Vorstand Ulf Hentschke-Kristal.

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist in Tschechien zuletzt so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Im Jahr 2015 wurden laut Staatlicher Gesundheitsbehörde 266 neue Ansteckungen registriert. Das ist der höchste Wert seit 1985. Fast 80 Prozent der Neuinfektionen geht zurück auf Männer, die Sex mit Männern haben.

Foto: imago/CTK Foto


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