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Homophobe Gewalt durch indische Polizei

Der Inder Ajay Gabriel Sathyan sucht deshalb Asyl in Deutschland

Es ist unvorstellbar, was Ajay Sathyan erlebt hat. Polizisten haben den 29-Jährigen aus Chennai im Südosten Indiens vor eineinhalb Jahren vergewaltigt, verprügelt und bedroht. Daraufhin kam er im August 2014 nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen.

Seit 16 Monaten wartet er nun in Düren (Nordrhein-Westfalen) auf das Gespräch mit dem zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. „Ich fühle mich ein wenig sicher hier in Deutschland, auch wenn ich Rassismus erfahren habe“, erzählt er MÄNNER.

Ich habe jedes letzte Stück an Mut aufgebracht

Nach Indien zurückzukehren, ist jedoch keine Alternative für ihn. „Sie würden mich vergewaltigen und töten. Hier in Deutschland fühle ich mich gefangen und unerwünscht, wie ein Gefangener, dessen Leben verkümmert.“ Dennoch hat er seine Ziele nicht aus den Augen verloren: Ajay will studieren und mit LGBTI-Flüchtlingen arbeiten. Außerdem schreibt er an seiner Autobiographie.

Bilder des Tages Indien: LGBT Demonstration in Mumbai MUMBAI, INDIA - FEBRUARY 6: LGBT activists participates in 8th annual LGBT pride parade Organized by the Queer Azaadi Mumbai collective the walk for equal rights for LGBT, the march saw an estimated 7,000 participants on February 6, 2016 in Mumbai, India. Participants dressed very colourfully. There were those who turned up dressed as drag queens, those who emulated Arab male costumes, people dressed as political figures from history etc. (Photo by Arijit Sen/Hindustan Times ) 8th Annual LGBT Pride Parade Organized In Mumbai PUBLICATIONxNOTxINxIND Images the Day India LGBT Demonstration in Mumbai Mumbai India February 6 LGBT activists participates in 8th Annual LGBT Pride Parade Organized by The Queer  Mumbai Collective The Walk for EQUAL Rights for LGBT The March SAW to estimated 7 000 Participants ON February 6 2016 in Mumbai India Participants Dressed very colorfully There Were Those Who turned up Dressed As Drag Queens Those Who EMULATED Arab Male Costumes Celebrities Dressed As Political Figures from History ETC Photo by Arijit Sen Hindustan Times 8th Annual LGBT Pride Parade Organized in Mumbai PUBLICATIONxNOTxINxIND

In Indien ist Homosexualität illegal. 2009 wurde der Paragraph zwar für verfassungswidrig erklärt, vier Jahre später wurde diese Entscheidung jedoch zurückgezogen. Foto: imago/Hindustan Times

In zwei langen und bewegenden Beiträgen auf der südasiatischen LGBT-Seite Gaysifamily.com beschreibt er, was er im Juni 2014 erlebt hat. „Ich habe jedes letzte Stück an Mut aufgebracht, um das hier aufzuschreiben“, beginnt er den Text.

Es war nach einem Bewerbungsgespräch, bei dem ihm einmal mehr erklärt wurde, dass er nie einen Job finden würde. Am 6. Februar 2014, „einem der schlimmsten Tage meines Lebens“, fuhr er zurück zu seinen Eltern. Er kam gegen halb elf abends am Bahnhof an. Es waren noch 20 Minuten bis zu seinem Elternhaus, als er eine Gruppe Polizisten bemerkt.

Die Polizisten wissen, wie er heißt und wo er wohnt

„Eine der Polizistinnen hat auf mich gezeigt, als ich schnell an ihnen vorbeigehen wollte. ‚Warum trägst du Klamotten, die Frauen tragen? Warum trägst du Leggins?‘“, schreibt er. Ajay hat so getan, als würde er sie nicht hören. Doch zwei Polizisten haben ihn gepackt, einer trat ihm gegens Schienbein. Die Polizistin hat ihn beleidigt. „Schwuchtel.“ Dann hat sich die Gruppe über Ajays stämmige Figur lustig gemacht. „Ein Polizist hat mit seinem Stock auf mein Knie geschlagen. Zwei andere haben meinen Arsch berührt und gesagt, wie fett er ist. Ich würde viele Schwänze da rein bekommen, sagten sie.“

Die Quälereien haben kein Ende gefunden. Die Polizisten haben ihn gedemütigt, begrapscht. Während all dem haben sie seinen Rucksack durchsucht und seine Adresse und Telefonnummer notiert. „Sie haben mich gewarnt, mit niemandem darüber zu reden, denn sie wissen, wo ich wohne. Sonst würden sie mir und meiner Familie wehtun“, schreibt Ajay, der sich lange bei verschiedenen LGBTI-Organisationen ehrenamtlich engagiert hat.

„Ich zerschneide sonst deinen Bruder“, drohte ihm ein Polizist

„‘Weil Paragraph 377 wieder eingeführt wurde, was Leute wie dich illegal macht, können wir alles machen und niemand wird danach fragen, die Regierung wird uns sogar unterstützen‘“, zitiert der 29-Jährige einen Polizisten.

MUMBAI, INDIA - FEBRUARY 6: LGBT activists participates in 8th annual LGBT pride parade Organized by the Queer Azaadi Mumbai collective the walk for equal rights for LGBT, the march saw an estimated 7,000 participants on February 6, 2016 in Mumbai, India. Participants dressed very colourfully. There were those who turned up dressed as drag queens, those who emulated Arab male costumes, people dressed as political figures from history etc. (Photo by Arijit Sen/Hindustan Times ) 8th Annual LGBT Pride Parade Organized In Mumbai PUBLICATIONxNOTxINxIND Mumbai India February 6 LGBT activists participates in 8th Annual LGBT Pride Parade Organized by The Queer  Mumbai Collective The Walk for EQUAL Rights for LGBT The March SAW to estimated 7 000 Participants ON February 6 2016 in Mumbai India Participants Dressed very colorfully There Were Those Who turned up Dressed As Drag Queens Those Who EMULATED Arab Male Costumes Celebrities Dressed As Political Figures from History ETC Photo by Arijit Sen Hindustan Times 8th Annual LGBT Pride Parade Organized in Mumbai PUBLICATIONxNOTxINxIND

LGBTI-Aktivisten demonstrieren in Mumbai am 6. Februar bei der achten Pride-Parade gegen den Paragraphen 377, der Homosexualität verbietet. Foto: imago/Hindustan Time

In seinem zweiten Artikel, etwa einen Monat später, beschreibt Ajay, was dann passiert ist. Zweimal haben Polizisten bei seinen Eltern geklingelt, ohne einen Grund zu nennen. Erst beim dritten Mal war der älteste Sohn zu Hause. „‘Komm jetzt mit uns oder wir werden deiner Familie wehtun. Ich zerschneide sonst deinen Bruder vor deinen Augen“‘, erinnert er sich an die Worte des Mannes, den er als Schläger beschreibt. Er muss mit den Polizisten im Auftrag von Politikern gekommen sein, vermutet Ajay.

Die Tabletten beginnen zu wirken

„Ich habe mich absolut hilflos gefühlt. Ich könnte zu den Nachbarn rennen, aber was, wenn sie meinem Bruder etwas antun oder ihn sogar töten?“, schreibt er. „Ich habe mich selbst angeekelt. Ich weiß, dass meine Familie mir das zu verdanken hat. Meine Eltern hatten Recht: Ich bin nichts als ein Unglück, ein Flucht“, schreibt Ajay.

„Du kannst dir aussuchen, ob du uns gehorchst oder ob du ins Gefängnis gehst“

Also ist er mit den Männern mitgekommen. Die haben ihm Medikamente gegeben und ihn an einen unbekannten Ort gebracht. „Nach einer Weile wurde mein Kopf schwer und ich habe mich leicht gefühlt“, beschreibt er das Gefühl der wirkenden Tabletten.

Homophobe Gewalt: Er flehte sie an aufzuhören

„Ich war im wahrsten Sinne des Wortes lahmgelegt und zu schwach, um nach Hilfe zu rufen.“ Mit Tränen in den Augen hat er sie angefleht aufzuhören. „Ich strampelte so heftig wie möglich, aber da waren zu viele Hände, die mich unten gehalten haben“, schreibt Ajay.

Der Effekt der Pillen hat langsam nachgelassen. „Ich konnte spüren, wie der Schmerz anstieg. Und ich konnte die Männer klar sehen und erkennen, was sie mit mir gemacht haben.“ Die fünf Männer, davon drei Polizisten, haben ihn einer nach dem anderen vergewaltigt.

Homophobe Gewalt in Indien: Ajay wurde von Polizisten vergewaltigt und verprügelt

Ajay macht seine Geschichte öffentlich (Foto: privat)

Seine Botschaft: Seid füreinander da!

„Neben meinen Klamotten lagen viele benutzte Kondome. Ich habe mich noch nie so gedemütigt, beschämt und zerbrochen gefühlt.“ Als er sich wieder angezogen hat, haben ihm die Männer gesagt, sie hätten Fotos und Videos von der Vergewaltigung gemacht. „Du kannst dir aussuchen, ob du uns gehorchst oder ob du ins Gefängnis gehst“, haben sie ihm gedroht.

Und dennoch hat Ajay seine Geschichte über homophobe Gewalt in Indien öffentlich gemacht. „Denn ich schreibe sie für euch Aktivisten und Mitglieder der Community. Hört nicht auf, euch für LGBTI-Rechte einzusetzen. Bitte unterstützt einander, seid füreinander da und gebt den Kampf nicht auf. Ich bitte euch darum.“


8 Kommentare

  1. Armin Philipp Merz

    Das klingt ja wie mein 14tes Lebensjahr. Da sass ich in dem Karl Bonhoeffer fest, das ist eine geschlossene Forensik. Der Staatsschtutz rettete mein Leben vor einem ( 1 ) Amerikaner. Danach musste Station 12 geschlossen werden, und aus der Alexander von Humboldt Universität wurde das zentrale Mahngericht in dem alten West Berlin.

  2. Mario Wilde

    Diese Scheinheiligkeit der Männer , wenn es alles so furchtbar ist, wieso wird ein Mann von Männern vergewaltigt?
    Wieso bekommen sie eigentlich eine Erektion bei einem Mann und seinem blanken Arsch?Wie verlogen doch diese Doppelmoral ist. Homosexualität gibt es nun mal auf der ganzen Welt, sie macht nicht vor Grenzen halt.


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