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ZDF: Ab in den Fernsehrat

In zwei Wochen endet die Bewerbungsfrist für LGBTI-Verbände

Als „Meilenstein für die LGBTI-Teilhabe“ haben wir es damals gefeiert, dass Thüringen einen LGBTI-Vertreter in den Fernsehrat des ZDF schickt. Fast ein Jahr ist das her. Nun rückt die Bewerbungsfrist für den Sitz immer näher. Zwei Wochen haben LGBTI-Verbände und –Organisationen noch, um sich beim Thüringischen Landtag um den Platz zu bemühen.

Wie das MÄNNER-Magazin aus sicherer Quelle erfahren hat, sind noch nicht besonders viele Bewerbungen in Erfurt eingetroffen. Das könnte auch daran liegen, dass die LGBTI-Organisation einen Sitz in Thüringen haben muss. Es gehe nämlich nicht nur um die gesellschaftliche Gruppierung, sondern auch um die regionale Verankerung, heißt es aus dem Landtag. Das sehen auch der Rundfunkstaatsvertrag sowie das thüringische Landesmediengesetz vor.

Sitz im Fernsehrat war erfolgreicher Protest der Community

Dass die LGBTI-Community es überhaupt geschafft hat, einen Platz im Kontrollgremium des ZDF zu erlangen, ist ein Erfolg: Ursprünglich hatte Berlin den Sitz für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle bestücken wollen, doch nach dem Rücktritt von Klaus Wowereit (SPD) als Regierendem Bürgermeister hatte sich in dem Stadtstaat niemand mehr dafür stark machen wollen.

Das hat zu einer hohen Protestwelle geführt: Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und die Aktivistengruppe ENOUGH is ENOUGH hatten in einer von MÄNNER initiierten Aktion dazu aufgerufen, Protestbriefe an die Verantwortlichen zu schicken. Auch die Deutsche AIDS-Hilfe hatte sich zuletzt dem Aufruf angeschlossen, dem viele Leser gefolgt waren.

Im ZDF-Fernsehrat sitzen neben Vertretern aus Politik, Kirchen und Verbänden auch 16 Vertreter aus gesellschaftlichen Gruppen. Dazu gehören etwa die Jugend, Muslime, Migranten, aber eben auch LGBTI.

Niedersachsen: LSVD jetzt auch in der Landesmedienanstalt

Auch in anderen Kontrollgremien sind LGBTI-Verbände vertreten: Im Saarland sitzt der LSVD, in Nordrhein-Westfalen das Schwule Netzwerk NRW und die LAG Lesben im Rundfunkrat von SR beziehungsweise WDR.

Am Mittwoch wurde außerdem das Niedersächsische Mediengesetz novelliert. Damit erhält der LSVD Niedersachsen-Bremen einen Sitz in der Vollversammlung der dortigen Landesmedienanstalt. Diese Aufsichtsbehörden kontrollieren die privaten Radio- und Hörfunkprogramme der Länder. LSVD-Vorsitzender Benjamin Rottmann hofft, dass sich andere Bundesländer daran ein Beispiel nehmen: „Von der Entscheidung geht auch ein wichtiges Signal an andere Bundesländer aus, gesellschaftliche Realitäten endlich auch in ihren öffentlich-rechtlichen Rundfunkräten abzubilden.“

Titelfoto: imago/Stefan Zeitz


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