Regenbogenfahne

Saudi Arabien: Keine Regenbogenfahnen!

Ein Mann hatte in Jedda eine LGBTI-Fahne auf dem Dach gehisst, ohne zu ahnen, wofür diese symbolisch steht. Da stand gleich die Religionspolizei vor seiner Tür

Gerade erst hat die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ einen Artikel veröffentlicht über die neue, fortschrittliche, junge, liberale „Generation Golf“ in den superreichen islamischen Staaten rund um den Persischen Golf. Da kommt aus Saudi-Arabien eine Meldung, die das alles wieder in Frage stellt und ins altbekannte reaktionäre Licht zurückrückt: Ein Arzt ist in Saudi-Arabien verhaftet worden, weil er auf dem Dach seines Hauses eine Regenbogenflagge gehisst hatte. Wobei der interessante Twist an der Sache der ist, dass er nicht ahnte, wofür diese Flagge symbolisch steht.

Der Mann soll die Fahne online gekauft haben, weil eines seiner Kinder die Farben „so schön“ gefunden habe. Der Vater sei sich über den LGBTI-Zusammenhang angeblich völlig im Unklaren gewesen. Dennoch gilt: „Ignorantia legis non excusa“, also Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Deshalb wurde der Mann von der saudischen Religionspolizei – dem sogenannten „Komitee zur Förderung von Tugend und der Verhinderung von Sünde“ – umgehend verhaftet. Denn eine Regenbogenflagge an einem drei Meter hohen Pfahl auf einem Hausdach Jedda, Provinz Mekka, sendet definitiv die falsche Tugendbotschaft.

Laut lokalen Medienberichten wurde der Mann nach „Untersuchungen“ aus dem Gefängnis gegen Kaution wieder freigelassen. Er willigte ein, die Fahne zu entfernen. Denn Homopropaganda will man in Saudi Arabien absolut nicht haben, Homosexualität ist schließlich illegal, und diejenigen, die gleichgeschlechtlichen Sex praktizieren (oder dabei erwischt werden) müssen mit chemischer Kastration, Gefängnis und sogar der Todesstrafe rechnen. So will es die streng ausgelegte Scharia-Gesetzgebung im konservativen Königreich.

Zur Erinnerung: Erst im September 2015 hatte Saudi Arabien die UN gedrängt, das Thema LGBTI-Rechte von den „Global Goals“ zu streichen, also von der Liste der global umzusetzenden UN-Ziele.

Denn solche Ziele würden „den Gesetzen des Islam widersprechen“. Protestiert hatte damals der saudische Außenminister Adel Al-Jubeir. Er sagte vor der UN-Vollversammlung, wenn man im Text von Sex spräche, „dann kann das für uns nur Sex zwischen Mann und Frau bedeuten“. Und wenn von Ehe die Rede sei, „dann kann damit auch nur die Verbindung zwischen Mann und Frau gemeint sein“.

Mekka 2016. (Foto: Imago/ZUMA Press)

Mekka 2016. (Foto: Imago/ZUMA Press)

Der UN-Botschafter Saudi Arabiens, Faisal bin Hassan Trad, der auf mysteriöse Weise in eine Expertengruppe des UN-Menschenrechtsrates (!) gewählt wurde, hatte schon davor verkündet, dass alle Aufforderungen, sein Königreich solle die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren unterstützen, „inakzeptabel“ und eine „schamlose Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ seines Landes seien.

In diesem Land wird aktuell radikaler denn je gegen alle vorgegangen, die sich nicht an die strengen Vorgaben der Scharia halten. Anfang März hat Saudi Arabien bereits die 76. Person in diesem Jahr hingerichtet. Was zu Protesten mehrerer internationaler Menschenrechtsorganisationen geführt hatte, die die Zahl der Exekutionen „erschreckend“ nannte.

Während CNN auf seinem arabisch-sprachigen Kanal von dem Regenbogenfahnenvorfall in Jedda berichtete, unter „Entertainment” wohlbemerkt, hat der Konkurrenzsender Al Jazeera die Geschichte auf seinem internationalen englischsprachigen Kanal bislang nicht gebracht. Vielleicht deshalb, weil in Katar – wo Al Jazeera beheimatet ist – Homosexualität genauso unter Strafe steht wie in Saudi Arabien und Homopropaganda die dortige „Generation Golf“ nur auf dumme Gedanken bringen könnte?

Titelbild: Ludovic Bertron/Wikipedia

 


3 Kommentare


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close