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AfD kehrt Andersdenkende weg

Auch sozial Schwache und Behinderte will man nicht fördern

Die Alternative für Deutschland, AfD, „steht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, sie ist eine „demokratische Partei“. Diesen Traum lebte Parteichefin Frauke Petry vor ein paar Tagen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Das zu behaupten ist nicht nur falsch, sondern auch blanker Hohn. Der Hamburger Landesverband der „Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD” lud gestern bei Facebook eine Grafik hoch, die wir oben zeigen. Überschrift: „Kehrwoche im Land”. Das Bild zeigt einen Besen, der Medien und Parteien wegfegt, die den AfD-Populisten nicht genehm sind: neben queer.de auch MÄNNER, obendrein die Grünen, die queere Abteilung der Linken und den Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, LSVD. Merkwürdiges Verständnis von Demokratie. Was die AfD unter Rechtsstaat versteht, ist offenbar ein rechts regierter Staat – ein Staat frei von Rechten wie etwa der Meinungsfreiheit.

AfD ist undemokratisch

Mit Andersdenkenden hat die AfD, allen voran der Sprecher der schwulen Bundesinteressenvertretung Mirko Welsch, bekanntlich ziemliche Probleme. Wer ihn bei Diskussionen auf die Thüringer Kollegin Corinna Herold anspricht, die im vergangenen Herbst Schwule zählen lassen wollen, oder auf den Landesverband Baden-Württembergs, der leugnet, dass es überhaupt noch Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen gibt, wird als „linksgrüner Hassprediger” beschimpft. Souverän ist etwas anderes. Diskussionsfreudig kann man das auch beim besten Willen nicht nennen. Mit einer freiheitlich-demokratischen Einstellung hat es absolut nichts zu tun.

AfDler bedienen sich eindeutig altbekannter Nazi-Symbolik

Welsch brüstet sich gerne damit, bei queer.de und beim LSVD gesperrt zu sein. Auf der Facebook-Seite von MÄNNER dürfen er und seine Claqueure ihre Meinung kundtun. Wir teilen sie nicht, sie macht uns mal wütend, mal sprachlos. Dennoch: Wir lassen sie zu und argumentieren nach Kräften dagegen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte MÄNNER einen Chefredakteur – der bei Welsch und seinesgleichen bis heute viele Freunde und Verehrer hat –, unter dem rund 100 User und Organisationen geblockt waren, die es gewagt hatten, abweichende Meinungen zu vertreten. Die AfD nun möchte Andersdenken wegkehren. Dass sie nicht das synonym gebräuchliche Wort „säubern“ benutzt, wundert ein wenig – bedienen sich die Urheber der hetzerischen Grafik doch eindeutig altbekannter Nazi-Symbolik, wie diese Beispiele zeigen.

AfD undemokratisch

„Wir säubern”: Wahlplakat der schweizerischen Nationalen Front vom 23. September 1933

 

AfD undemokratisch

Mit Propagandaplakaten wie diesem sollte die umfassende Beraubung der jüdischen Bevölkerung legitimiert werden. (Foto Wiener Stadt- und Landesarchiv)

Parteichefin Frauke Petry sagte im Januar in der Sendung „Maischberger”: „Wir wollen diese Partei keinesfalls weiter nach rechts rücken.” Nun, sehr viel weiter geht es auch nicht mehr. Wie im AfD-Parteiprogramm nachzulesen ist, das Ende April verabschiedet werden soll, bringt sich die Partei bereits in Stellung gegen sozial Schwache. So sollen Elternteile, die das „selbstgewählte Lebensmodell ,Alleinerziehend’” leben, nicht mehr finanziert werden. Wörtlich: „Wir wenden uns entschieden gegen Versuche von Organisationen, Medien und Politik, Alleinerziehende als normalen, fortschrittlichen oder gar erstrebenswerten Lebensentwurf zu propagieren.”

Die AfD wird zu einer NPD im Schafspelz

Auch bei Kranken und Behinderten kennt man keine Gnade. „Nicht therapierbare Alkohol- und drogenabhängige sowie psychisch kranke Täter, von denen erhebliche Gefahren für die Allgemeinheit ausgehen, sind nicht in psychiatrischen Krankenhäusern, sondern in der Sicherungsverwahrung unterzubringen.“ Das Konzept der Inklusion, also das Prinzip, dass jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall teilnehmen kann, ob in der Schule, im Job, in der Freizeit, lehnt die AfD ab, „da es weder den schwer lernbehinderten Kindern, noch der Mehrheit der Nicht-Lernbehinderten gerecht wird.” So ist es im baden-württembergischen Parteiprogramm nachzulesen.

Ein richtiges Monster erschaffen

Der ehemalige AfD-Spitzenmann Hans-Olaf Henkel sagte in der derselben Maischberger-Sendung: „Es macht mir Kummer, dass ich mitgeholfen habe, ein richtiges Monster zu erschaffen. Mit der Wahl Petrys haben sich die Mitglieder für einen scharfen Rechtsaußenkurs, Pöbelei und Protest entschieden. Die AfD wird zu einer NPD im Schafspelz.”

Titelbild: AfD-Grafik


50 Kommentare

  1. Andre Di

    Mich ärgert am meisten, dass es echt so dumme Menschen gibt!!! Obwohl uns Filme, Erzählungen und Bücher etc mehr als genug aufgeklärt haben und eigentlich selbst den dümmsten Menschen erreichen müsste….weit gefehlt!!!

  2. Andreas Winkler

    Recherchiert das mal sauber. Die „Homosexuelle in der AfD” ist eine Scheinveranstaltung, besteht nur aus 2 Personen, die ziemlich bekloppt sind. Die Follower sind denen auf den Leim gegangen, weil sie glauben, daß es wirklich eine Homogruppe in der AfD gibt. Diese Follower sind natürlich geistig Scheintote, anders lässt sich so viel Blödheit nicht erklären. Auch in dieser „Gruppe” werden nicht genehme Kommentare sofort gelöscht und deren Verfasser gesperrt. Also alles AfD like!

  3. Thomas Fuegner

    Als Mann kann man ja auch noch mehr sein als bedingungs-, ausnahmslos und politisch schwul, oder? Ich meine, wenn man Sexualität NICHT als einziges Persönlichkeitsmerkmal sehen könnte,..? Ginge das?
    Und was soll dann die ganze Aufregung? Würde man sie zählen, wüssste man, für wie viele- oder wenige so eine Homo- gerechte Politik gemacht werden sollte. Aber es gibt ja Zahlen: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article117099367/Die-grenzenlose-Emanzipation-einer-Minderheit.html
    Oder macht, lustig wär´s ja, so nen richtig von Narzissmus triefenden #Aufschrei!

  4. Mirko Welsch

    Wenn wir sehen, wie gewisse linksgrüne Protagonisten mit der AfD und unserer BIG um springen, muss man auch mal eine bissige Grafik aushalten können.

    Stattdessen erleben wir Röhm- und Nazivergleiche am laufenden Band. Die, die so lauthals Toleranz für sich fordern, legen eine massive Intoleranz an den Tag.

    Ein Beispiel sieht man hier. Da muss man dich ernsthaft fragen, ob einige nur austeilen können.

  5. Marcelo Strumpf

    Warum sollte es bei der AfD keine Schwulen und Lesben geben? Gestern war bei Maischberger Alice Weidel, AfD-Mitglied und in einer Partnerschaft offen lebende Lesbe. Die AfD ist (noch) nicht die NSDAP (in der es bekanntlich Schwule gab), also machen wir uns nichts vor: Homosexualität ist kein Schutz vor rechtem Gedankengut.

  6. Franziska Muth

    Wir leben noch immer in einer Demokratie. Wenn euch die AfD nicht passt ihr Maulhelden dann geht einfach wählen. Nur rummotzen und jaulen hilft nicht. Anpacken, besser machen und Vorbild sein!

  7. Andreas Weckler

    Lieber Mirko, ich habe Dich schon damals bei den Jungen Liberalen für geistig stark eingeschränkt gehalten, aber einen solchen Tiefflug wir in Deiner jetzigen Aufgabe hätte ich Dir dennoch nicht zugetraut. Als schwuler Mann Nazis zu vertreten ist einfach nur widerlich.

  8. Jürgen Gladbeck

    och … ‘n Duz-Freund vom Adolf, der Reichsführer SA Ernst Röhm und die meisten SA Führer waren auch schwul …
    jaaaa okee … anno ’34 wurden alle liquidiert ☺ ich würd’ ja was aufpassen …

  9. Christian Kathan

    Putzig, wie sehr sich die AfD und ihre Untergruppen immer wieder überschätzen … als könnten die „Homosexuellen in der AfD” tatsächlich die Organisationen, deren Logo sie vermutlich ohne Genehmigung genutzt haben, „wegkehren” … ?!? ROFL
    Liebe AfD-Homosexuelle, baut Euch erstmal ne wirklich funktionierende Homepage („Entschuldigung, hier hat irgendetwas nicht so funktioniert, wie es sollte…”), in der wirkliche Inhalte zu finden sind (da sind nämlich keine zu finden: http://homosexuellefuer.de/blog/) und vielleicht sogar mal sowas wie eine Grundsatzkonzeption oder Satzung … aber das, was ich wahrnehme, ist eine inhaltslose Motzgruppe innerhalb einer rechtspopulistsichen Motzpartei. Wegkehren? ROFL! #nichternstzunehmen

  10. Andreas Winkler

    Mirko Welsch, der Quotenschwule der AfD! Man sieht schon an Deinem Gesicht, was mit Dir nicht stimmt. Schade, daß Du mich hier nicht raus kicken kannst, nicht? Lass Dich mal ordentlich durchficken, vielleicht rappelt es dann im Hirn. Dürfte allerdings schwer sein, mit dem Gesicht, das nur eine Mutter lieben kann, jemanden zu finden.

  11. Niedergemeiert.de

    Wären es keine Nazis, fände ich die AfD-Homos lustig. Denn den nun wirklich strunzkonservativen LSVD als „linksterroristisch” einzustufen, ist einfach total wahnwitzig.

  12. Niedergemeiert.de

    „Wir leben noch immer in einer Demokratie”, da diffamiert man demokratische Verbände nicht als Terroristen. Wenn dir die Demokratie nicht passt, sie Maulheldin, dann geh einfach. Die Grenzen sind offen. „Nur Rummotzen und Jaulen hilft nicht.” Demokraten müssen die AfD-Faschos stoppen, bevor die Nationalchauvinisten tun, was Nazis verbrechen, wenn Demokraten es zulassen.

  13. Franziska Muth

    2.Warum sollte ich mein Land verlassen wenn es mich am meisten braucht? Seit 10 Jahren kämpfe ich in sozialen und ehrenamtlichen Ämtern gegen die soziale Ungerechtigkeit und für zweite Chancen.

  14. Franziska Muth

    Die AfD ist wie das kleine trotzige Kind unserer Wohlstandgesellschaft in welcher immer mehr Menschen zu Gunsten der großen Wirtschaftsunternehmen hinten herunter fallen. Die Demokraten haben viel zu lange mit Beschlüssen und Reformen gewartet. Immer nur auf den letzten Drücker zu regieren hat nun seinen Tribut gefordert. Aber auch das werden wir wieder in den Griff bekommen. Als NPD und LINKE erstarkten hatten wir ähnliche Probleme doch wir schaffen das als ganzes Deutschland, Denn unsere Vielfalt und Toleranz wird uns Recht geben 🙂

  15. Kriss Rudolph

    Lieber Thomas Fuegner, niemand von uns sieht Sexualität als einziges Persönlichkeitsmerkmal. Woran auch immer Sie das festmachen. Es geht hier um einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und eine gefährliche Nähe zu Nazi-Methoden – was im übrigen auch für das Gedankenspiel einer Zählung oder gar Registrierung von Homosexuellen gilt.
    MfG

  16. Sascha Racoon

    Spucken sie keine so großen Töne Herr Welsch. Fast jeder weiß, dass ihre (Einmann?)-Gruppe nur ein Feigenblatt einer nachweislich antiemanzipatorischen Partei ist. Sie haben nicht das geringste Interesse an einer Interessenvertretung von Homosexuellen. Wäre dem so, würden sie nicht solche Sachen posten und stattdessen konstruktive Kritik an den jeweiligen Tätigkeiten oder Positionen der Verbände und Parteien äußern. Aber das was sie betreiben ist ein einziges Bashing gegen alles, was sich mehr oder weniger sinnvoll für Homosexuelle und andere engagiert.

  17. Sascha Racoon

    „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben? ” Zitat von Sookee -Pro Homo. Meine Antwort auf die „Homosexuellen in der AfD” und die AfD selbst.

  18. Ian Phillip Rutherford

    Ich möchte ehrlich sein, ich verstehe diese Homosexuelle-Zählen Sache nicht. Bedeutet es, dass ein bestimmtes Minimum von einer Minderheit existieren muss, so das sie gleichbehandelt werden kann? Ist das Ihre Ansicht, Herr Thomas Fuegner? Die kann ich nicht teilen, weil ich denke, dass sie mehr als abstrus und völlig neben dem realen Sinn von Gleichbehandlungsgrundsätzen ist. Darüber hinaus kann ich nicht verstehen, dass Sie keine Befürchtung haben, dass es allgemein schlechter als jetzt für gays werden kann, wenn AfD erst (mit)regieren darf? Sind Sie selbst überhaupt homosexuell? AfD wird jede Minderheit bashen, wenn die Zeit gekommen ist. Es fängt bereits an: http://www.independent.co.uk/news/world/europe/revealed-the-right-wing-alternative-for-germany-afd-neo-nazi-manifesto-targeting-single-mothers-and-a6939941.html
    Bitte denken Sie noch mal darüber nach.

  19. Jonathan Mleziva

    lasst den mirko mal der knutsch lieber mit der npd rum ;-)http://www.vice.com/de/read/schwuler-afd-funktionaer-knutscht-mit-npd-politikerin-567?utm_source=vicefbde&utm_medium=link

  20. Mirko Welsch

    Für viele war es ein Skandal, dass ich mit einer Frau knutschte. Für mich war es eins, weil die Frau nach meinem Kuss in die NPD eintrat. Ich bin halt kein Superheld.


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