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Dortmund bekommt „schwule” Straße

Die "Otto-Meinecke-Straße" gedenkt einem homosexuellen NS-Opfer

Am 18. März 2016 um 11 Uhr wird es soweit sein. Dortmund erhält eine Straße, benannt nach einem aufgrund seiner Homosexualität verfolgten schwulen Mann: Otto Meinecke. Meinecke und die Otto-Meinecke-Straße sollen stellvertretend für die Erinnerung an viele andere homosexuelle Männer stehen, die während der NS-Zeit drangsaliert und/oder getötet wurden. Gleichzeitig verstehen die Initiatoren vom SLADO (Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transidentenvereine und – initiativen in Dortmund e.V.) dies „auch als Appell an die Bundesregierung die Opfer des §175 zu rehabilitieren und eine angemessene Wiedergutmachung zu gewähren.” Beides steht trotz jahrzehntelanger Bemühungen durch unter anderem den LSVD immer noch aus.

Otto Meinecke, der Namenspatron der Straße, starb im KZ Sachsenhausen

Otto Meinecke kam 1880 in Witten als Sohn des Feilenhauermeisters Wilhelm und seiner Ehefrau Lina Meinecke, geborene Saße, als mittleres von drei Geschwistern zur Welt. 1884 zog die Familie nach Dortmund in die Rheinische Straße 93. Der Vater betrieb die Dortmunder Feilen-Fabrik in der Münsterstraße 257, bis etwa 1920 seine Nachkommen die Fabrik übernahmen. Otto Meinecke wohnte als Kaufmann und Fabrikant zunächst am Sitz der Firma, nach zahlreichen Umzügen innerhalb Dortmunds wohnte er ab 1940 in der Kleppingstraße 2. Wann und weshalb Polizei oder Gestapo erstmals gegen ihn ermittelten, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass er Anfang 1942 in das KZ Sachsenhausen bei Berlin verschleppt wurde. Er wurde dem bei den Häftlingen gefürchteten Strafkommando im Außenlager Großziegelwerk zugewiesen. Dort trug er die Häftlingsnummer 42857 und galt als „BV175”. Das Kürzel stand für einen homosexuellen Berufsverbrecher. Nach einem Erlass des Reichsführers – SS Heinrich Himmler vom 12. Juli 1940 wurden homosexuelle Männer, die mehr als einen Mann„verführt” hatten, als Berufsverbrecher in so genannte polizeiliche Vorbeugehaft genommen. Aufgrund dieses Erlass es wurden homosexuelle Männer nach Verbüßen der Strafe in ein KZ verschleppt, wo sie meist zu Tode kamen. Otto Meinecke starb am 13. Juli 1942. Er wurde nur 61 Jahre alt.

Dortmund tut einen in der bundesdeutschen Geschichte der Würdigung von verfolgten homosexuellen Männern in der NS-Zeit bisher einmaligen Schritt getan.

Die Benennung geht auf eine Initiative des Runden Tisches zur Förderung der Emanzipation und Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transidenten in Dortmund und SLADO e.V. zurück. SLADO e.V. hat daraufhin verschiedene Bezirksvertretungen in Dortmund angeschrieben. Die Bezirksvertretung Innenstadt West hat diesen Vorschlag aufgegriffen und beschlossen, die Straße hinter dem Dortmunder U, dem Kultur- und Kunstzentrum der Stadt, nach Otto Meinecke zu benennen. Der Arbeitskreis Geschichte Dortmunds konnte dies fachlich begleiten. Dem 1880 in Witten geboren Otto Meinecke, der 1942 im KZ Sachsenhausen einer gezielten Mordaktion an homosexuellen Männern zum Opfer fiel, wird somit – neben dem seit einigen Jahren liegenden Stolperstein an der Kleppingstraße – ein würdiges Andenken zuteil. SLADO dazu: „Nach unserer Kenntnis hat Dortmund damit einen bisher in der bundesdeutschen Geschichte der Würdigung von verfolgten homosexuellen Männern in der NS-Zeit einen bisher einmaligen Schritt getan. Wir bedanken uns sehr herzlich bei der Bezirksvertretung Innenstadt West und den Beteiligten Historikern für Ihre Arbeit.” Beim letzten Versuch in Deutschland, einem schwulen Mann ein geografisches Denkmal zu setzen, gab es monatelange Querelen um Kölns neuen Felix-Rexhausen-Platz. Wollen wir hoffen, dass das Otto Meinecke erspart bleibt.

Bild: Imago/Westend61


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