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Feste feiern in Niederbayern

Die Kleinstadt Deggendorf macht Party - für Schwule und ihre Freunde

Drag Queen Bella Who und Jürgen Waldmann sind die Gastgeber der neuen Party „gays and friends” im Freudenhaus Deggendorf. Mit Jürgen sprachen wir nach der erfolgreichen Premiere

 

Jürgen, wie lief die erste Party?

Wir hatten über 500 Gäste, die zu 90er, Charts und ein bisschen Elektro gefeiert haben. Das kam Bombe an. Das Freudenhaus war gefüllt wie an einem Samstag. Freitags ist ja normalerweise geschlossen. Ich war froh um die Grippewelle. (lacht) Wenn noch mehr gekommen wären, hätten wir den Laden dicht machen müssen. Mehr hätten nicht reingepasst.

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Ist es nicht ein ziemliches Risiko, in einer Kleinstadt wie Deggendorf eine schwule Partyreihe etablieren zu wollen?

Ein Risiko ist in jedem Fall dabei. Aber nachdem am Freitag 99 Prozent der Gäste begeistert waren und wir auch nur sechs Wochen Vorlauf hatten, glaube ich schon fast sicher, dass es klappt, die Party zu etablieren. Mich kennt in der Stadt auch fast jeder. Obwohl ich ja nur Kellner bin, aber ich bespaße die Leute in der Stadt schon sehr in meiner Freizeit, einfach durch meine Art, sprich: Ich hab mit allen immer eine Mordsgaudi. Ich bin jemand, der mit fast jedem klar kommt – ob jung oder alt, schwul oder hetero. Der Veranstalter und ich als Gastgeber haben es seit fünf Jahren im Kopf. Und in einer Kleinstadt zwei derartige Gastgeber einer Partyreihe zu haben, ist ja schon fast ein Glücksgriff. (lacht)

Du meinst die Drag Queen Bella Who. Ihr beide seid das Aushängeschild der Party.

Es gab bei der Planung nur ein einziges Problem – dass ich offiziell ungeoutet war und nicht alleine als Gesicht der Party fungieren wollte. Vor knapp einem Jahr bekam ich dann einen schwulen Nachbarn, der auch in München schon als Drag Queen Bella Who auftritt, und mir war klar: Das ist das perfekte zweite Gesicht. 

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Nur outen musstest Du Dich noch.

Stimmt. Mein offizielles Coming-out fand vor zwei Wochen in einer Tageszeitung fast ganzseitig statt. Nicht ganz easy für mich, aber es hat sich voll gelohnt. Die Reaktionen waren einfach nur positiv, nach dem Motto: „Respekt, Jürgen!” Da es bei uns kein schwules Lokal gibt, wollte ich eine Party starten, wo man einmal im Monat zusammen feiern kann. Mit dem Zusatz „& friends” wollte ich es ungeouteten Schwulen oder denen, die sich noch finden müssen, das Ganze etwas erleichtern. Man wird nicht gleich als schwul abgestempelt, da die Party ja für alle ist.

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Auf den Party-Fotos sieht man sehr viele Frauen. Wie war bei der Premiere der Anteil Schwule/Nicht-Schwule?

Die Mischung von Heteros (45 Prozent), Schwulen (35 Prozent) und Lesben (20 Prozent) war einfach nur genial. Alle haben miteinander gefeiert. Die Frage des Abends ‘Bist Du hetero oder schwul?’ war einfach nur süß und überall zu hören. Keiner hatte Berührungsängste, und jeder kannte aber seine Grenzen.

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Es waren Typen mit ihren Freundinnen da, die definitiv ihre sexuelle Orientierung noch nicht gefunden hatten. Die Kombi hetero & schwul funktioniert wunderbar, und alle waren von der Mischung begeistert. Auch die Veranstalter Patrick Eid und Stephan Schober – denen liegt das Projekt gays & friends auch sehr am Herzen. Die beiden sind übrigens Heteros.

 

Fotos: Freudenhaus


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