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Homophobie im Sport ist alltäglich

Erste internationale Umfrage liefert traurige Ergebnisse

In kaum einem gesellschaftlichen Bereich sind LGBTI-Menschen so unsichtbar wie im Profisport. Jedes Coming-out gleicht einem medialen Großereignis. Egal ob Thomas Hitzlsperger, unser Lieblings-Skifahrer Gus Kenworthy oder der britische Turmspringer Tom Daley: Sie alle haben riesige Aufmerksamkeit erzielt, indem sie der Welt erklärt haben, dass sie Männer lieben.

Denn Homophobie im Sport weit verbreitet, vor allem unter Profis. Doch es gibt immer mehr Unterstützung für LGBTI-Athleten. So verspricht Adidas seinen Sportlern, dass die Sponsoringverträge nach einem Coming-out genauso weiterlaufen.

80 Prozent der Befragten waren Ziel oder Zeuge von Homophobie

Doch ist der Amateursport genauso homophob? Australische Forscher wollten das herausfinden. Dafür haben sie mit „Out On The Fields“ die bisher größte Online-Umfrage zu diesem Thema gestartet. Insgesamt fast 10.000 Menschen, vor allem aus den USA, Großbritannien, Australien, Kanada, Irland und Neuseeland haben daran teilgenommen.

Die Ergebnisse sind so erschreckend wie eindeutig. So glauben 84 Prozent der Studienteilnehmer, dass homophobe Scherze immer, oft oder zumindest manchmal in ihrem Sport auftreten. Etwa genauso viele waren bereits Zeuge oder selbst Ziel von Schwulenfeindlichkeit.

Homophobie im Sport

Von Beleidigungen bis körperlicher Gewalt: Viele Schwule und Lesben erleben Homophobie. Foto: Out On The Fields

Neben dem Sport selbst hat die Umfrage auch Sportevents als öffentliche Veranstaltungen abgefragt. Fast 80 Prozent der offen Schwulen, Bisexuellen und Lesben würde sich als Zuschauer nicht sicher fühlen.

Ergebnisse wären wohl in Deutschland ähnlich

Wer glaubt, dass jüngere Menschen toleranter und offener werden, der täuscht sich. Denn „Out On The Fields“ hat herausgefunden, dass schwule Sportler unter 22 öfter Opfer von Diskriminierung werden als ältere.

Dabei unterscheidet sich in allen Altersgruppen die Art der Homophobie: Über 80 Prozent der Schwulen und Lesben haben Worte wie „Schwuchtel“ oder „dyke“, ein abwertendes Wort für Lesben, gehört. Fast jeder fünfte Schwule und jede zehnte Lesbe hat sogar körperliche Gewalt erlebt.

Obwohl die Umfrage auf englischsprachige Länder konzentriert war, glaubt der Autor der Studie, Erik Denison, dass die Ergebnisse auch für andere Teile der Welt gelten. Denn es gab fast 400 Teilnehmer aus anderen Länder, deren Angaben nicht auffallend anders waren.

Lösung: Homophobie ernst nehmen

„Aus diesem Grund glauben wir, dass es unwahrscheinlich ist, dass Länder wie Frankreich, Deutschland oder auch Südafrika besser abgeschnitten hätten. Die Erfahrungen homosexueller Sportler in den Industrienationen erscheinen uns sehr konsistent, unabhängig davon, in welchem Land genau sie leben”, sagte er dem Stern.

Die 10.000 Teilnehmer wurden neben ihren persönlichen Ergebnissen auch nach Lösungen gegen Homophobie im Sport gefragt. Auf Platz 1: Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit, egal ob im Schulsport oder im Sportverein, muss ernstgenommen werden. Außerdem sollten Sportverbände klare Anti-Homophobie-Regeln kommunizieren. Schließlich fanden die Befragten es auch wichtig, dass sich mehr lesbische, schwule und bisexuelle Sportler outen. Nur so können sie ein Beispiel für andere sein.

Titelfoto: imago/Westend61


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