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Nancy Reagan ist tot

Viele in der LGBTI-Community sind froh darüber

Nancy Reagan ist tot. Sie starb gestern in Los Angeles an Herzversagen. Reagan war von 1981 bis 1989 an der Seite ihres Mannes Ronald die First Lady der USA. Sie war für ihre konservativen Kostüme berühmt, dafür wie sie ihren Mann bewundernd ansah, während der sprach, dafür, dass die beiden jahrzehntelang öffentlich so verliebt ineinander waren, dafür, dass sie den an Alzheimer erkrankten Präsidenten bei dessen ersten Symptomen im Amt gehalten haben soll, in dem sie ihn im Notfall auch von seinen Beratern abschirmte und danach zehn Jahre lang dessen Pflege beaufsichtigte. Sie war eine toughe Lady, mit einem großen Herzen, so das öffentlich gestern in vielen Beiträgen gezeichnete Bild.

Nancy Reagan

Die Reagans mit Rock Hudson (links) im Weißen Haus 1984

Was sie für Mitglieder der LGBTI-Community auch war: eine der Hauptverantwortlichen für die hunderttausenden Toten in den ersten Jahren der AIDS-Krise. Jemand, der lieber angeblich engen Freunden dabei zusah, wie sie elendig starben, als sich öffentlich zu Homosexualität oder HIV zu äußern. Als Ronald Reagan 1987 zum ersten Mal in der Öffentlichkeit über AIDS sprach, waren bereits Zehntausende US-Amerikaner an den Folgen der Immunschwäche gestorben und viele mehr hatten sich infiziert. Der Schauspieler Rock Hudson, mit dem die Reagans seit ihrer eigenen Zeit vor Hollywood Kameras in den Fünfziger Jahren befreundet gewesen waren, bat die beiden um Hilfe, als ihm 1985, wenige Wochen bevor er an den Folgen von AIDS starb, in Paris der Zugang zu einem Krankenhaus verwehrt wurde, weil er kein Franzose war. Das Präsidentenpaar tat nichts und Nancy sprach nach diesen Vorfall nie wieder mit Hudson.

In den letzten Jahren fiel Reagan immer wieder dadurch auf, dass sie der immer konservativer werdenden republikanischen Partei bei gesellschaftspolitischen Fragen in die Parade fuhr.

In den letzten Jahren fiel Reagan immer wieder dadurch auf, dass sie der immer konservativer werdenden republikanischen Partei bei gesellschaftspolitischen Fragen in die Parade fuhr. 2013 ließ sie über ihre Tochter Patti Davis ausrichten, sie sei übrigens für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben und glaube, auch ihr 2004 verstorbener Mann wäre bei diesem Thema inzwischen dieser Meinung gewesen. Sie erntete Entsetzen im eigenen Lager und Dankbarkeit in der Community. Im letzten Jahr sorgte sie mit der Ankündigung, ihre Stimme bei den Präsidentschaftswahlen 2016 den Demokraten geben zu wollen und dem Kommentar, ihr Mann hätte sich für die republikanischen Präsidentschaftskandidaten „geschämt”, für ein Erdbeben bei den Republikanern. Dabei gelten die Reagans als diejenigen, die die Mischung aus PR, Moralismus und Inkompetenz, die republikanische Politik heute prägt, mit erfunden haben. Reagan wird in den nächsten Tagen neben ihrem Mann an der Ronald Reagan Presidential Libary in der Nähe von Los Angeles beigesetzt werden.

Bilder: Imaga/ZUMA Press, White House Photo Office


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