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Penisvergrößerung: „Es ist grauenhaft“

Stefan hat vier Operationen hinter sich – und bereut es

Schon als Teenager hat Stefan* gelitten. Das unendliche Schamgefühl, während der Pubertät mit den anderen Jungs zu duschen. „Die anderen waren einfach besser bestückt.“ Es war ihm peinlich, er hatte Minderwertigkeitskomplexe, hat sich richtig reingesteigert in den seiner Meinung nach zu kleinen Penis. Immer wieder hat er nach Möglichkeiten einer Penisvergrößerung gesucht.

„Mit 40 hatte ich dann die Schnauze voll“, erzählt er. Stefan war sowieso in einer Krise, denn sein Freund hat nach einem Jahr Beziehung Schluss gemacht. Er hat an sich selbst gezweifelt. Das war der entscheidende Punkt für ihn: „Ich leide zu lange, dachte ich, ich mache jetzt etwas.“

Wie viel der Penis länger wird? Das ist vor der OP ungewiss

Er hat wieder einmal im Internet gesucht und ist auf einen Arzt gestoßen, den er schon zehn Jahre vorher bei seinen Recherchen entdeckt hat. Wer das ein Jahrzehnt macht, dachte er, der müsse genug Erfahrung mit solchen Operationen haben. Denn es gibt durchaus auch dubiose Anbieter von operativen Penisvergrößerungen, ganz zu schweigen von den Pumpen, Tabletten und anderen Mittelchen.

Doch Stefan war entschieden. Er wollte die Operation, auch wenn sein Urologe ihm davon abgeraten hat. „Und auch die wenigen Freunde, denen ich davon erzählt habe, haben gesagt, ich sei verrückt“, erinnert er sich. „Doch sie wissen ja auch nicht, was es heißt, so lange mit Komplexen zu leben.“

Im März 2014 war es soweit. Die erste Operation stand an, die Penisverlängerung. Das ist der kleinere Teil der Penisvergrößerung. „Eigentlich kein Problem“, erklärt Stefan. Die OP verlief auch nach Plan. Das Problem: Wie viel länger der Penis danach wird, lässt sich nicht voraussagen.

Das Problem: Sein Penis fühlt sich unnatürlich an

„Zwischen einem halben und vier, manchmal sogar sechs Zentimeter werden versprochen“, sagt er. Das Ergebnis bei Stefan war ernüchternd: Einen halben Zentimeter länger ist sein Penis im steifen Zustand jetzt. „Eine Katastrophe.“

Viel schlimmer waren jedoch die darauf folgenden drei Operationen, bei denen der Penis dicker werden soll. Dabei wird Eigenfett zwischen Haut und Muskel gespritzt. Vor dem Eingriff wurde Stefan gewarnt, das Ergebnis könne asymmetrisch sein.

Genau so ist es auch gekommen: „Mein Schwanz hat jetzt keine natürliche Form mehr“, sagt er. Die eine Seite sei dicker als die andere geworden. „Es ist unästhetisch. Es ist grauenhaft.“ Vor allem für schwule Männer, die so auf den Penis fixiert sind, sei das schrecklich, sagt er. Außerdem fühle es sich unnatürlich an, sich selbst zu berühren.

Wie es weitergeht? Stefan weiß es nicht

Es fällt ihm schwer, über dieses unangenehme Thema zu sprechen. Er tut es nur, um andere davor zu warnen. Denn die missglückte Penisvergrößerung hat Stefans ganzes Leben verändert. Seit den Eingriffen hatte er keinen Sex mehr. Mit dem Mann, der ihn damals verlassen hat, ist er jedoch inzwischen wieder zusammen. „Wir sind ein Paar und unsere Liebe ist stärker als die Sexualität. Trotzdem musste er einiges ertragen.“

Der behandelnde Arzt hat ihm zwar angeboten, noch eine Operation durchzuführen. Doch die knapp 5000 Euro, die er bereits bezahlt hat, reichen Stefan. Er versucht jetzt, so gut es geht damit zu leben. Eventuell wird er versuchen, die Fettimplantate herausnehmen zu lassen. „Aber wie genau es weitergeht? Ich weiß es wirklich nicht.“

Stefan ist ein Mensch, der gerne lebt und sein Leben genießt. Er lacht viel. „Vielleicht füge ich mich meinem Schicksal“, sagt er nachdenklich. Die Frage, warum man nicht den Schwanz hat, den man gerne möchte, hat für ihn fast schon philosophischen Charakter. „Ich habe kapiert: Wenn man die Natur verändern möchte, was sagt dann die Natur dazu?“

Mehr über „Dopen, Fasten, Spritzen – was wir unserem Körper antun“ findest du auch in der aktuellen MÄNNER. Im März-Heft lassen wir schwule Botox-User, Fastenjünger und Schönheits-OP-Junkies zu Wort kommen, hinterfragen Testosterongebrauch und zeigen neue Verfahren zur Tattoo-Entfernung.

*Name von der Redaktion geändert

Titelfoto: imago/Westend61 – Symbolfoto


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