Homo Ehe Eine gleichgeschlechtliche Ehe ist eine Ehe in der beide Ehepartner das gleiche Geschlech

Schweiz: Ehe light für alle?

Die Eidgenossen planen einen „Zivilen Solidaritätspakt“ nach französischem Vorbild

Anstatt zu heiraten, könnten Schweizer Paare künftig einen „PACS“ schließen. Dieser „pacte civil de solidarité“, auf Deutsch etwa „ziviler Solidaritätspakt“ ist eine abgeschwächte Form der Ehe. So wollen die Eidgenossen ihr Familienrecht modernisieren.

Der Nationalrat ist am Dienstag den ersten Schritt hin zum PACS gegangen: Er beauftragte den Bundesrat, also die Schweizer Bundesregierung, die Einführung dieser Ehe light zu prüfen. Eine breite Mehrheit (96 zu 83) stimmte dafür, nur die konservative CVP sowie die nationalkonservative SVP waren dagegen.

Staat, Arbeitgeber und Krankenhäuser akzeptieren PACS-Paare

Die Idee des zivilen Solidaritätspaktes kommt aus Frankreich, wo der PACS seit 1999 besteht. Ursprünglich war er gedacht, um homosexuellen Paaren die Möglichkeit zu geben, ihre Partnerschaft zu registrieren. Sie durften – anders als heute – damals noch nicht heiraten.

Doch der PACS erfreut sich auch und vor allem unter Heteros großer Beliebtheit: 41 Prozent der Paare heiraten heute „ein bisschen“, statt eine Ehe einzugehen, wenn sie ihre Beziehung absichern wollen. Sogar das Verb pacser hat sich im Französischen eingebürgert.

Nun könnte es also auch in der Schweiz bald soweit sein. PACS-Verpartnerte sind in Erb- und Steuerfragen den Verheirateten gleichgestellt. Auch der Staat, der Arbeitgeber und Krankenhäuser akzeptieren die „verpacsten“ Paare.

Die erste Verpartnerung, die hetero- und homosexuellen Paaren offensteht

Der Vorteil am PACS: Die Ehe light lässt vieles offen. Das Paar selbst bestimmt, wie detailliert es sein Leben regeln will, ob man im Falle einer Trennung etwa eine Güterteilung möchte. Außerdem legen sie fest, wie genau sie „einander gegenseitige und materielle Hilfe“ leisten wollen. Der größte Unterschied zur Ehe sind die Kinder: Hier gibt es keine Regeln. „Verpacste“ Paare erhält keine elterliche Gewalt. Auch der Nachname wird in der Ehe light nicht geändert.

Außerdem wird der PACS nicht vor dem Bürgermeister, sondern dem Amtsgericht geschlossen. Dementsprechend leicht geht eine Trennung: Eine kurze Nachricht an den Gerichtsdiener genügt. Dennoch wird in Frankreich nur etwa ein Drittel der PACS-Partnerschaften aufgelöst. Das ist weniger, als es Schweizer Scheidungen gibt.

Und der PACS ist eben auch offen für Homosexuelle. Die dürfen in der Schweiz seit 2007 zwar ihre Partnerschaft eintragen lassen, die Ehe steht ihnen aber nicht offen, auch wenn das die Parlamentarische Initiative „Ehe für alle“ ändern möchte. Dennoch wäre der zivile Solidaritätspakt in der Schweiz die erste Form des Zusammenlebens, die sowohl hetero- als auch homosexuellen Paaren offensteht.

Titelfoto: imago/Christine Roth


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